„Pfarrhaus-Bande“: Diese drastischen Strafen drohen dem Einbrecher-Trio

rnLandgericht Bochum

Seit drei Monaten wird eine Serie von Einbrüchen in Pfarrhäuser in Dortmund, Castrop-Rauxel und Haltern verhandelt – jetzt liegen empfindliche Strafen für das angeklagte Trio auf dem Tisch.

Bochum/Dortmund/Haltern/Castrop-Rauxel

, 28.05.2019, 18:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Prozess gegen die drei mutmaßlichen Mitglieder der „Pfarrhaus-Bande“ haben die Bochumer Richter durchblicken lassen, dass das Trio selbst bei Geständnissen teilweise mit empfindlichen Gefängnisstrafen rechnen muss. Der Hauptangeklagte (44) könnte am Ende zu elfeinhalb Jahren, der 28-jährige Mitangeklagte zu neun Jahren und die 48-jährige Frau zu insgesamt knapp fünf Jahren Haft verurteilt werden.

Diese Maximal-Strafrahmen (die zeitgleich mitgeteilten Minimal-Strafrahmen liegen sechs bis 18 Monate darunter) teilte der Vorsitzende Richter Josef Große Feldhaus am Donnerstag auf ausdrücklichen Wunsch der Verteidiger mit. Die Anwälte hatten im Anschluss an einen der letzten Sitzungstage darum gebeten, mögliche Strafvorstellungen der Richter nach inzwischen dreimonatiger Verhandlung zu erfahren, um danach möglicherweise mit den bislang nach wie vor schweigenden Angeklagten über Geständnisse beziehungsweise Teilgeständnisse zu reden.

Sixtus-Überfall - Stand jetzt - nicht nachgewiesen

Die Bochumer Richter bewerten die vorläufige Beweissituation so, dass sie dem Hauptangeklagten mindestens neun und den zwei Mitangeklagten jeweils mindestens fünf Taten nachweisen können. Zu den Beweismitteln gehören unter anderem abgehörte Telefonate und DNA-Spuren von Tatorten und sichergestellten Beutestücken.

Zu den Fällen, in denen die Bochumer Richter die Angeklagten offenbar vorläufig für überführt einstufen, gehören die Einbruchscoups in Dortmund und Castrop-Rauxel. Bei der Dortmunder Tat war ein Geistlicher am 29. Juli 2018 im Pfarrhaus der Gemeinde St. Urbanus angegriffen worden. In Castrop-Rauxel hatten die Täter am 15. Juli 2018 im Pfarrhaus der St. Lambertus Gemeinde einen Tresor aus der Verankerung gehebelt.

Der brutale Überfall im Pfarrhaus von St. Sixtus Haltern auf Pater James fehlte dagegen in der Aufstellung der Richter. Offenbar bewerten die Bochumer Richter die Beweissituation – Stand jetzt – hier als nicht ausreichend.

Verteidiger wollen Bedenkzeit

Die Verteidiger der drei Angeklagten wollen die „angebotenen“ Strafrahmen nun mit ihren Mandanten bis zu einem der nächsten Prozesstage besprechen. Fakt ist: Weder die angeklagte Frau, noch die zwei Männer reagierten am Donnerstag sichtbar geschockt. Ob das Trio angesichts der Strafandrohungen tatsächlich Geständnisse ablegen wird, ist unklar.

Dem Trio aus Gelsenkirchen werden insgesamt 32 Einbrüche und Raubüberfälle zur Last gelegt. Die Gesamtbeute soll insgesamt weit über 100.000 Euro betragen haben. Nach der Festnahme der drei Angeklagten im August 2018 war bei den Durchsuchungen ihrer Wohnungen in Gelsenkirchen mögliches Diebesgut, unter anderem Uhren und Schmuck mit christlichen Symbolen entdeckt worden.

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