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Riesen-Verlust im U-Turm: Pink-Floyd-Schau lief noch viel schlechter als behauptet

rnStadt veröffentlichte falsche Zahlen

Der Verlust durch die Pink-Floyd-Ausstellung im Dortmunder U verdoppelt sich. Dass die Zahlen erst jetzt öffentlich werden, hat einen besonderen Grund. Und der liegt nicht in Dortmund.

Dortmund

, 09.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Insgesamt 2.058.000 Euro: Diese Verlustsumme für die Ausstellung „Their Mortal Remains“ über die Band Pink Floyd im Dortmunder U wird Kulturdezernent und Kämmerer Jörg Stüdemann am 14. Mai (Dienstag) im Kulturausschuss vorstellen.

Bisher war öffentlich von einem Fehlbetrag von rund einer Million Euro die Rede gewesen. Zuletzt hatten Jörg Stüdemann und Dr. Stefan Mühlhofer, Geschäftsführer der Kulturbetriebe, Mitte Februar diese Summe genannt.

Nach Informationen dieser Redaktion waren die jetzigen Zahlen, die deutlich schlechter ausfallen, bereits zu diesem Zeitpunkt absehbar. Dass sie nicht öffentlich genannt wurden, liegt laut Jörg Stüdemann an einer „schwierigen vertraglichen Konstellation“.

Vertragliche Abhängigkeit von New Yorker Agentur

Um die Ausstellung durchführen zu können, begab sich die Stadt Dortmund in eine vertragliche Abhängigkeit mit dem Unternehmen CPI aus New York. Dieses vermarktet die Ausstellung weltweit. Laut Stüdemann ist im Vertrag festgeschrieben, dass alle Auskünfte zu verkauften Tickets und die Endabrechnung der Einnahmen und Ausgaben nur einvernehmlich in Abstimmung mit einem Konsortium von CPI-Anwälten gegeben werden dürfen.

„Wir hatten zu dem Zeitpunkt im Februar noch nicht alle Abrechnungen vorliegen. Deshalb mussten wir lavieren“, sagt Jörg Stüdemann. Hätte man eigenmächtig die Zahlen verkündet, wäre das mit dem Risiko einer Vertragsstrafe von 1,2 Millionen Euro verbunden gewesen. Er habe das US-Konsortium darauf hingewiesen, dass hier mehrere Rechtsnormen miteinander kollidieren würden. CPI habe aber auf den Vertrag gepocht.

Die Öffentlichkeit erfährt nicht die ganze Wahrheit, weil ein US-Unternehmen es so will

Stüdemann fühlte sich und Dr. Stefan Mühlhofer im Februar deshalb in die Situation gezwungen, wider besseren Wissens keine vollständigen Informationen geben können. Oder anders gesagt: Die Dortmunder Öffentlichkeit erfährt nicht die ganze Wahrheit, weil es ein US-Unternehmen so will.

Dieser rechtliche Umstand war laut Jörg Stüdemann nicht vorhersehbar. „Wir sind nicht einmal auf die Idee gekommen, dass es über die Kommunikation der Zahlen einen Dissens geben könnte.“ Die genauen Regelungen mit CPI seien zu dem Zeitpunkt des Einkaufs der Ausstellung nicht bekannt gewesen. „Und es war nicht möglich zu besprechen, wie der Fall aussieht, wenn die Besucherzahlen niedriger sind, als erhofft und wir dann mit der Kommunikation umgehen.“

60.784 Karten wurden für die Pink-Floyd-Ausstellung verkauft

Zumindest ist das Rätselraten darüber beendet, wie viele Menschen zwischen September 2018 und Februar 2019 tatsächlich die Ausstellung besucht haben. Es gab 60.784 verkaufte Karten. Hinzu kommen 2500 Freikarten für Mitarbeiter, Medienvertreter und andere Gäste.

Mindestens doppelt so viele Besucher waren eingeplant. Allein dieser Umstand bedeutet ein Minus von 1,8 Millionen Euro. Dennoch bleibt die Ausstellung die erfolgreichste seit der chinesischen Terrakotta-Armee vor über 28 Jahren.

Ein weiterer Faktor für den höheren Verlust seien gestiegene Personalkosten. Diese erklären sich laut der Stadt Dortmund dadurch, dass zum Zeitpunkt der Ausstellung neun Stellen im Dortmunder U nicht besetzt gewesen seien. Krankheitsfälle und berufliche Veränderung hätten dazu geführt, dass die Stellen umgehend hätten neu besetzt werden müssen.

Kein Zusammenhang zwischen Abschied von U-Direktor Jacobs und den neuen Zahlen

Die Kosten für Werbung sind nachträglich auf rund 800.000 Euro gestiegen. „Weil die Ausstellung schlecht anlief, wurde werbetechnisch nachgesteuert. Das war auch ein Wunsch aus dem Kulturausschuss, und das hat sich in gesteigerten Besucherzahlen bemerkbar gemacht“, sagt Katrin Pinetzki.

Jörg Stüdemann verneint einen Zusammenhang zwischen dem Ende April verkündeten Wechsel des U-Direktors Edwin Jacobs an die Universität Maastricht und den neuen Zahlen zur Pink-Floyd-Ausstellung. Vielmehr habe die Pink-Floyd-Ausstellung den Bekanntheitsgrad des U-Turms erhöht und Kontakte zu andern großen Museen ermöglicht.

Mitglieder des Kulturausschusses hatten im Februar kritisiert, dass die finanziellen Risiken der Ausstellung nicht früher benannt worden seien. „Vieles wurde nicht von vornherein offen gelegt. Wir mussten im Ausschuss häufiger nachfragen“, sagt Barbara Brunsing (Grüne). Es sei schwierig, den höheren Verlust zu bewerten. „Es ging auch darum, das U bekannter zu machen. Dazu hat die Ausstellung beigetragen“, sagt Brunsing.

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