Platz gleicht einem Kartoffelacker - Warum Golfer zu Jägern werden

rnDortmunder Golfclub

Mit diesem Besuch ist zu rechnen: Er ist unangemeldet und unerwünscht - und kommt immer in Rudeln. Für den Golfclub Syburg ist das mehr als ein Ärgernis. Nun legen sich Jäger auf die Lauer.

Syburg

, 08.08.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Inzwischen muss Amelie Bernsdorf fast jeden Morgen damit rechnen, dass es diese Nachricht wieder gibt, so wie zuletzt am 7. August. Es war wieder mal Besuch da. Wie immer unangekündigt und keinesfalls willkommen. Aber das schert die Besucher kein bisschen.

Clubmanagerin Amelie Bernsdorf (l.)und Präsidentin Andrea Marx. Sie sind froh, dass nun endlich etwas passieren soll.

Clubmanagerin Amelie Bernsdorf (l.)und Präsidentin Andrea Marx. Sie sind froh, dass nun endlich etwas passieren soll. © Britta Linnhoff

Amelie Bernsdorf ist die Clubmanagerin des Golfclubs Dortmund an der Reichsmarkstraße. Sie ist meist die erste, die es am Morgen vom Greenkeeper erfährt: Die Wildschweine waren wieder da.

Das Ergebnis ist meist der reinste Kartoffelacker, da leisten die Tiere ganze Arbeit, Golfspielen ist vorläufig ausgeschlossen. Am 7. August haben die Tiere vier Bahnen des Golfplatzes zerwühlt. Amelie Bernsdorf kann sich noch genau erinnern, wann es mit diesen Besuchen anfing. „Es war der 23. Januar“, sagt sie ohne nachzudenken. „Die Tiere kommen, wenn wir weg sind“.

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Seit diesem Januartag gehören die Wildscheine und die von ihnen geschaffenen Löcher zum Golfplatz wie die Löcher, die Ziel der Golfer sind. Jetzt haben die Borstentiere erneut einen zweifelhaften Eindruck auf dem Platz hinterlassen.

Und im Golfclub sieht man sich an der Grenze dessen, was akzeptabel ist. Zum Beispiel auf Bahn 16 haben sie sich ausgetobt. Hier haben sie besonders gewütet. Einlochen kann man hier nicht mehr, der ganze Rasen ist wie umgepflügt. Am Freitagmorgen (7. August) erkennt der Greenkeeper dann Bahn 18 nicht mehr wieder.

Alles begann im Januar

Dass Wildschweine den Golfplatz an der Wittbräucker Straße heimsuchen, das passiert nicht das erste Mal, sagt Golfclub-Präsidentin Andrea Marx. Im Club vermutet man, dass die Tiere in dem benachbarten Waldstück Richtung Irminsulstraße zuhause sind.

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Lange Jahre habe man Ruhe gehabt, aber seit Januar kämen die Tiere in kurzen Abständen - und richten massiven Schaden an. „Das Schlimmste, was passieren kann, ist wenn die Tiere auf die ‚Grüns‘ gehen.“

„Die Grüns“, dass sind besonders wertvolle Flächen. „Dieser Rasen ist gepflegter als der im Signal Iduna Park“, sagt Clubpräsidentin Andrea Marx. Es ist der Zielbereich am Loch, dort wird der Rasen millimetergenau gemäht, er wird geglättet, geschnitten und gewalzt. Den Schweinen ist das egal. Die Greenkeeper bemühen sich dann in stundenlanger Arbeit um die Reparatur.

Der Rasen sei nun mal das Wichtigste in einem Golfclub, und genau den treten die Tiere regelmäßig mit Füßen. „Bei dem Wetter ist das eigentlich irreparabel“, sagt Bernsdorf.

Dieses Foto entstand vor wenigen Tagen auf Bahn 16 des Dortmunder Golfclubs. Die Bahn musste gesperrt werden. Greenkeeper haben auf Knien die Grassoden wieder eingesetzt.

Dieses Foto entstand vor wenigen Tagen auf Bahn 16 des Dortmunder Golfclubs. Die Bahn musste gesperrt werden. Greenkeeper haben auf Knien die Grassoden wieder eingesetzt. © Petra Nachtigäller

Marx berichtet davon, dass der Club wie andere auch massiv unter den Folgen von Corona gelitten habe. Lange seien Platz und Gaststätte geschlossen gewesen. „Wenn jetzt noch der Platz Schaden nimmt ... .“ Marx macht sich Sorgen.

Man habe schon auswärtigen Gästen, die hier hätten spielen und dafür bezahlen wollen, absagen müssen, weil Bereiche wegen der Schweine nicht bespielbar gewesen seien. „Wir zahlen eine sechsstellige Pacht im Jahr“, berichtet die Präsidentin.

Kontakt mit der Jagdbehörde besteht

Gerade erst habe man den Pachtvertrag mit der Stadt um 25 Jahre verlängert und auf dem Gelände viel investiert. Nun müsse endlich etwas geschehen: Vor wenigen Tagen hat man das Gespräch mit der Stadt gesucht, hat mit der Unteren Jagdbehörde gesprochen. Bekannt sei das Problem bei der Stadt schon länger, aber es sei eben bisher nichts passiert, sagen die Golfer.

Obwohl es im März erst einen Unfall mit einem Wildschwein auf der Wittbräucker Straße gegeben hat. „Für uns als Vorstand ist das auch eine Katastrophe“, sagt Marx. „Ihr müsst da mal was machen“, sagen die Mitglieder. 1345 sind es. Nun haben ihre Bemühungen offenbar Erfolg.

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In dem Gespräch mit der Stadt Dortmund habe man sich darauf verständigt, verstärkt auf die Jagd nach den Tieren zu gehen, berichtet Amelie Bernsdorf: „Wir haben angeboten, dass Vereinsmitglieder die Jäger unterstützen.“

Die Stadt habe das Angebot angenommen. Nun, so sagen Bernsdorf und Marx, würden drei Vereinsmitglieder mit Jagdschein in den nächsten Tagen gemeinsam mit den von der Stadt bestellten sieben Jägern sich auf dem Gelände auf die Lauer legen.

„Wir könnten auch 15 Freiwillige stellen“, betont Marx. Für die Jagd nach den Tieren hat man inzwischen Leitern gekauft, die als provisorischer Hochsitz dienen sollen, die es hier nicht gibt. 250 Euro koste so eine Leiter. „Aber alles, was wir jetzt nicht machen, kostet uns später noch mehr.“

Den Wildschweinen scheint es auf dem Platz des Dortmunder Golfclubs zu gefallen. Sie kommen quasi inzwischen regelmäßig.

Den Wildschweinen scheint es auf dem Platz des Dortmunder Golfclubs zu gefallen. Sie kommen quasi inzwischen regelmäßig. © dpa

Marx ist sich darüber im Klaren, dass es Menschen gibt, die sagen: „Dass jetzt einige Tiere tot geschossen werden, finden wir nicht gut. Aber wir haben wirklich massive Schäden.“

Amelie Bernsdorf hat die Hoffnung, dass die durchaus schlauen Tiere sich zumindest eine Zeit lang zurückziehen, wenn Tiere aus der Rotte zu Tode kommen.

Im Club hat man inzwischen ein Kühlhaus freigeräumt. Damit die toten Tiere dorthin gebracht und von einem Veterinär untersucht werden können - so wie es vorgeschrieben ist.

Zaun als Lösung?

In dem Gespräch mit der Stadt habe es auch Überlegungen gegeben, ob ein Zaun um das Golfgelände eine Lösung sein kann. Eine Antwort auf die Frage gibt es bisher nicht.

55 Hektar misst das Gelände des Clubs, ein Zaun müsste folglich sehr lang und massiv sein, damit die bis zu 200 Kilo schweren Tiere diesen wirklich als ein Hindernis ansehen.

Amelie Bernsdorf freut sich über jeden Morgen, an dem die Greenkeeper keinen Totalschaden auf dem Grün melden. Sie findet: „Man hätte einfach eher anfangen müssen mit den Gegenmaßnahmen.“ Und eine Bitte hat sie noch: „Bitte keinesfalls auf Rotwild schießen, das lieben wir sehr.“

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