Plopp-plopp-plopp ging es die Treppe runter

31.07.2008, 17:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Husen "So richtig großes Glück haben wir ja noch nie gehabt", sagte Joachim Stückrad zu seiner Liebsten, als sie 1955 in Dresden die erste Probefahrt mit dem Framo Piccolo (Baujahr 1938) machten. Beide hofften, dass sich das mit dem Kauf dieses Auto ändern würde.

Und tatsächlich, für den Diplom-Ingenieur aus Husen hat sich für 2000 Ostmark ein Traum erfüllt. Stückrad schwärmerisch: "Das schönste war sein Aussehen. Die schneidige Motorhaube, die sich erst gar nicht öffnen ließ. Darunter war ja auch nichts außer der Lenksäule." Also hinten nachgeschaut, Luftschlitze und eine Klappe ließen hier den Antrieb vermuten.

Nur die Straße

Fehlanzeige und nichts als der Blick auf den Straßenbelag. "Der Motor saß unter einem kleinen Buckel im hinteren Sitzbänkchen", verrät Stückrad. Stolze 300 Kubik mit satten sieben PS konnte der DKW-Zweitakter aufweisen. Das beste war der Anlasser, weil nicht vorhanden. Zumindest nicht beim Stückradschen Framo: "Der Vorbesitzer hat den verloren und einen Kickstarter außen neben der Fahrertür montiert." Das trieb der Freundin damals bei der ersten Alleinfahrt den Schweiß auf die Stirn, wenn etwa auf der Kreuzung das Vehikel absäuft. Stückrad: "Kein Problem, meine Liebste hüpfte heraus, trat ein paarmal auf den Kickstarter." Und weiter ging die wilde Fahrt.

Auf Studentenfesten

Lästig war das fehlende Gewicht des Framo. "Da wurde der Framo bei den Studentenfesten schon mal die Treppe zur Mensa hochgetragen", erinnert sich Stückrad. Plopp-plopp-plopp ist er die dann wieder runtergefahren.

Die Urlaubsfahrten allerdings bestanden meist nur aus dem Hinweg. "Zurück mussten wir oft auf andere Transportmittel zurückgreifen."

Etwa die Reise an die Saaletalsperre - mit Zelt und Faltboot geradezu auf eine Steigung von fünf Prozent. Der Framo ließ Tempo, die Freundin musste aussteigen. Kurze Geschwindigkeitszunahme. Dann musste Stückrad selbst auf den Asphalt. Sein Auto tuckerte mit vollem Handgas nebenher, gesteuert durchs offene Fenster. "Halb geschoben von mir, schaffte er den Berg", sagt Stückrad, der dann immer noch mehr geschafft war.

Eine Steigung der ganz harten Sorte, der Wilsdruffer Berg, war auch die letzte für Stückrads Framo. Diagnose: Kolbenfresser. arn

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