Tödlicher Einsatz

Polizei Dortmund ermittelt gegen Kollegen: Aufnahmen von Zeugen gelöscht?

Kurz vor dem Tod von Mouhamed D. ist im Kreis Recklinghausen ein Mann nach einem Polizei-Einsatz gestorben. Erste Ermittlungsergebnisse der Polizei Dortmund wurden dazu jetzt bekannt.
Polizisten sollen mindestens ein Video gelöscht haben, auf dem offenbar ein tödlicher Einsatz zu sehen war.
Polizisten sollen mindestens ein Video gelöscht haben, auf dem offenbar ein tödlicher Einsatz zu sehen war. © picture alliance/dpa

Rund um den Polizei-Einsatz, bei dem der 16-jährige Mouhamed D. in der Nordstadt erschossen worden ist, wurde auch die Neutralität der Ermittlungen thematisiert. Denn zwei benachbarte Behörden sind einander fest zugeteilt, um in solchen Fällen gegeneinander zu ermitteln.

Die Polizei Recklinghausen beschäftigt sich mit dem Fall Mouhamed D., in dem ein Polizist als Verdächtiger geführt wird. Gleichzeitig untersucht die Polizei Dortmund einen tödlichen Einsatz der anderen Behörde vom Tag zuvor.

Am 7. August soll ein 39-Jähriger in einer Wohnung in Oer-Erkenschwick randaliert haben. Polizeikräfte setzten Pfefferspray ein und fixierten den Mann. Er verlor das Bewusstsein und starb im Krankenhaus. Nach den bislang vorliegenden Erkenntnissen habe er „unter starkem Drogeneinfluss“ gestanden.

„Bei der anschließenden Obduktion konnte eine konkrete Todesursache noch nicht festgestellt werden und bedarf weiterer Untersuchungen, die derzeit stattfinden“, heißt es nun in einer aktuellen Mitteilung von Sonntag (28.8.). Es läuft ein Ermittlungsverfahren gegen acht eingesetzte Kräfte wegen Körperverletzung im Amt.

Filmaufnahmen vom Einsatz gelöscht?

Zahlreiche Schaulustige haben den Einsatz in Oer-Erkenschwick verfolgt, Anwohner haben ihn auch gefilmt, so die federführende Staatsanwaltschaft Bochum.

„Nach derzeitigem Ermittlungsstand gibt es Anhaltspunkte dafür, dass eingesetzte Beamte Filmaufnahmen auf den Mobiltelefonen der Zeugen im unmittelbaren Anschluss an die polizeilichen Maßnahmen eingesehen und zumindest in einem Fall auch gelöscht haben könnten“, heißt es.

Vier Einsatzkräfte werden demnach zusätzlich zum ursprünglichen Vorwurf jetzt auch der Nötigung verdächtigt. Das ermittelnde Polizeipräsidium Dortmund hat in Absprache mit der Staatsanwaltschaft eine externe Firma beauftragt, die die möglicherweise gelöschten Aufnahmen wiederherstellen und sichern soll. Bereits vorliegende Aufnahmen werden aktuell beim Landeskriminalamt zur Auswertung aufbereitet.

Die Polizei Dortmund sucht weiterhin Zeugen, die sachdienliche Hinweise zum Geschehen in Oer-Erkenschwick machen können. Wer die Ermittlungen vorantreiben kann, melde sich bei der Dortmunder Kriminalwache unter Tel. (0231) 1 32 74 41.

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