Polizei Dortmund wehrt sich gegen Kritik zu Taser-Test in der Nordstadt

Elektro-Pistolen

Die Polizei hat angekündigt, nur in der Nordstadt Elektro-Taser zu testen. Nach deutlicher Kritik der dort stärksten Partei spricht der Polizeipräsident über die Hintergründe der Entscheidung.

Dortmund

, 19.01.2021, 16:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Polizei hat am Freitag (15.1.) die Taser, die ab sofort in einer Pilotphase in der Dortmunder Nordstadt getestet werden, vorgestellt.

Die Polizei hat am Freitag (15.1.) die Taser, die ab sofort in einer Pilotphase in der Dortmunder Nordstadt getestet werden, vorgestellt. © Stephan Schütze

Das sogenannte Distanzelektroimpulsgerät (DEIG), besser bekannt als Taser, wird unter anderem in Dortmund getestet. Insgesamt 14 Geräte werden im Bereich der Polizeiwache Nord zwölf Monate lang eingesetzt.

Dem Dortmunder Polizeipräsidenten Gregor Lange ist es nach einiger Kritik daran wichtig, die internen Überlegungen deutlich zu machen. „Die Sicherheit in der nördlichen Innenstadt ist ein behördenstrategischer Schwerpunkt, dort gehen wir mit viel Personal und Engagement für die Sicherheit der Menschen vor“, so Lange.

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Trotz eines erheblichen Rückgangs der Straftaten in der Nordstadt ist ihre Gesamtzahl dort immer noch höher als in anderen Vororten. Gleichzeitig sei die Anzahl der Widerstandsdelikte gegen die Einsatzkräfte der Polizei gestiegen.

Der Polizeipräsident führt diese Entwicklung zum einen auf ein alarmierendes gesellschaftliches Phänomen zurück: Immer weniger Respekt gegenüber Vertretern der Sicherheitsbehörden sei seit Jahren feststell- aber nicht hinnehmbar.

Straftäter setzen sich häufiger zur Wehr

Dazu betont Gregor Lange: „Für die Sicherheit in der Nordstadt führen wir fast täglich Schwerpunkteinsätze durch und sind als Polizei sehr präsent.“ Drogenhändler und andere Straftäter setzten sich „gegen eine immer präsentere Polizei immer häufiger zur Wehr“.

Der Behördenleiter sagt: „Diese Entwicklung ist in einem Rechtstaat nicht hinnehmbar. Ich erhoffe mir von dem DEIG in der Dortmunder Nordstadt eine klar deeskalierende Wirkung.“ Er erhoffe sich weniger Widerstände und tätliche Angriffe auf Polizisten, und: „Ich erhoffe mir weniger Verletzte auf beiden Seiten. Ob das DEIG diese Hoffnung erfüllen kann, muss und wird die zwölfmonatige Testphase zeigen.“

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Zur Kritik der Grünen, der exklusive Einsatz in der Nordstadt sei vor dem Hintergrund der Diskussion um strukturellen Rassismus „zumindest befremdlich“, sagt Lange: „Wir entscheiden grundsätzlich nur nach fachlichen Aspekten.“ Herkunft, Nationalität, etwaige Migrationshintergründe würden bei polizeilichen Entscheidungsprozessen „keine, aber auch gar keine Rolle“ spielen.

Lange begründet den Taser-Test mit der Einsatzstatistik: „Wir hatten im Wachbereich Nord im Jahr 2019 171 Widerstände und tätliche Angriffe auf unsere Einsatzkräfte. Das war deutlich mehr als in anderen Bereichen, und so war die Entscheidung für den Testbereich eindeutig und unstreitig.“

Gregor Lange will Bezirksbürgermeisterin Hannah Rosenbaum (Grüne) für ein Gespräch einladen. Er betont: „Mir ist völlig bewusst, wie sensibel das Thema ‚DEIG‘ ist. Ich kann aber versichern, dass unsere Beamtinnen und Beamten immer mit sehr viel Fingerspitzengefühl und unter Beachtung der gesetzlichen Vorschriften in jeden Einsatz gehen werden.“

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