Polizei nimmt mutmaßlichen Terroristen in Dortmund fest

Syrien-Heimkehrer

Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei hat in Dortmund den 25-jährigen mutmaßlichen Terroristen Fadi Rudolf S. festgenommen. Er soll für "Die Soldaten Syriens" und den "Islamischen Staat Irak und Großsyrien" im Einsatz gewesen sein. Überwältigt wurde er in der südlichen Innenstadt.

DORTMUND

, 08.10.2015, 10:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die wichtigsten Fakten im Überblick:

  • Spezialeinsatzkommando überwältigt mutmaßlichen Terroristen in der südlichen Innenstadt
  • Per Haftbefehl gesuchter Fadi Rudolf S. hatte drei Staatsangehörigkeiten
  • Generalbundesanwalt: Verdächtiger für zwei Terrororganisationen im Einsatz
  • NRW-Verfassungsschutz beobachtet 2100 Salafisten
  • 400 davon sind gewaltorientiert
  • Zurzeit 50 Kriegs-Rückkehrer in NRW
  • Salafisten-Szene im Rheinland, am Niederrhein und im Raum Dortmund

Aktualisierung 17.38 Uhr: Zugriff erfolgte in südlicher Innenstadt

Jetzt kennen wir den Ort, an dem der mutmaßliche Terrorist Fadi Rudolf S. vom Spezialeinsatzkommando der Polizei festgenommen worden ist: Der Zugriff erfolgte in der südlichen Innenstadt. Über die genauen Umstände gibt es keine Informationen. Eine Sprecherin der Generalbundesanwaltschaft nennt keine weiteren Details aus dem Leben des per Haftbefehl gesuchten Kämpfers. Sie äußert sich nicht über seinen Werdegang.

Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz nennt Zahlen:

  • Zurzeit leben 2100 Salafisten in NRW. Sie gelten als politisch-extremistisch.
  • 400 Extremisten stuft der Verfassungsschutz als "gewaltorientiert" ein.
  • Dem Verfassungsschutz zufolge sind 50 Kriegs-Rückkehrer bekannt.

Bei Kriegs-Rückkehrern unterscheiden die Beobachter zwischen zwei Gruppen. Auf der einen Seite: traumatisierte und desillusionierte Ex-Kämpfer, die dem kämpferischen Salafismus abgeschworen haben und ein friedliches Leben wollen. Auf der anderen Seite: ideologisch gefestigte, radikalisierte und an der Waffe ausgebildete Kämpfer, die in der Szene ein hohes Ansehen genießen und für den Extremismus anfällige Personen in ihren Bann ziehen können.

"Sie akzeptieren unser Weltbild und unsere Werteordnung nicht", sagte ein Sprecher des Verfassungsschutzes. Durchsetzen wollten sie die Scharia, also das islamische Recht, das über allen anderen Regeln und Gesetzen stehen solle. "Diese Salafisten nutzen jeder Form der Propaganda, um junge Menschen in die Szene zu ziehen", sagte der Sprecher weiter.

Schwerpunkte in NRW sind das Rheinland, der Niederrhein, das Bergische Land und der Dortmunder Raum. In diesen Städten und Regionen soll auch die "Lies mich"-Kampagne greifen. Dabei laufen Aktivisten mit großen Schildern auf dem Rücken durch die Innenstädte und werben für den deutschsprachigen Koran. "Lies mich"-Kampagnen sind in unregelmäßigen Abständen auf dem Westenhellweg in der Dortmunder Innenstadt zu sehen.  Im Februar 2014 beteten Salafisten öffentlich  in der Dortmunder Innenstadt. Sie gaben an, dass das Grundgesetz mit dem Islam nicht vereinbar sei.

Erstmeldung 10.33 Uhr: Verdächtiger kämpfte in Syrien

Fadi Rudolf S. soll laut Generalbundesanwalt Anfang Oktober 2013 über die Türkei nach Syrien gereist sein, um sich dort am Bürgerkrieg zu beteiligen. Geprägt sei er von einer radikal-islamistischen Gesinnung. Für "Die Soldaten Syriens" ("Junud al-Sham") nahm er an einer Kampfausbildung teil. Eingesetzt wurde der 25-Jährige regelmäßig bei Wachdiensten.

Ermittlungen ergaben, dass der mutmaßliche Terrorist mit drei Staatsangehörigkeiten (deutsch, polnisch, libanesisch) Mitte November 2013 zum "Islamischen Staat Irak und Großsyrien" ("ISIG") gewechselt sein soll. Bei einer Übung oder in einem Kampf sei er an der rechten Hand verletzt worden. Aus noch unbekannten Gründen sei Fadi Rudolf S. Ende Dezember 2013 über die Türkei zurück nach Deutschland gereist.

Ein Spezialeinsatzkommando der Dortmunder Polizei vollstreckte am Dienstag (6.10.) den Haftbefehl eines Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs.

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