Polizei und Notfallseelsorger stehen im Kaiserviertel gemeinsam auf der Kanzel

rnBlaulicht-Gottesdienst

Ein ehemaliger Pfarrer und der Polizeidirektor des Dortmunder Verkehrs stehen am 17. März gemeinsam an der Kanzel der Melanchthonkirche. Im Gottesdienst wird es um Verkehrssicherheit gehen.

von Alexandra Wachelau

Dortmund

, 08.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Hartmut Neumann ist Pfarrer im Ruhestand, aber auch Musiker, ausgebildeter Journalist und jahrelanger Notfallseelsorger. Er stand schon häufig mit Dortmunds leitendem Polizeidirektor für Verkehr, Ralf Ziegler, zusammen auf der Kanzel. Das Thema der gemeinsamen Gottesdienste dreht sich dementsprechend häufig um Verkehr. Sowohl über Notfallvermeidung, richtiges Verhalten bei Unfällen als auch über Respekt vor den Rettern wurde bereits geredet.

Im Gottesdienst am 17. März (Sonntag) werden diese Themen in der Kirche an der Melanchthonstraße nun konkretisiert und auf eine Problematik konzentriert, die beiden Vortragenden ein Dorn im Auge ist: Das Verhalten rücksichtsloser Verkehrsteilnehmer.

Polizei und Notfallseelsorger stehen im Kaiserviertel gemeinsam auf der Kanzel

Der sogenannte „Blaulicht-Gottesdienst“ stellt schon seit Jahren die oft ehrenamtlichen Einsatzkräfte in den Mittelpunkt. Bei diesem saß Hartmut Neumann an der Orgel. © Neumann

Jahrelanges Ehrenamt

„Ich bin schon jahrelang Notfallseelsorger und ich kann alles, was in den Medien in den vergangenen Jahren berichtet wurde, bestätigen: Das Verhalten der Menschen bei Unfällen wird rücksichtsloser“, sagt Neumann. Dieses Verhalten schlägt sich auf die ehrenamtliche Arbeit des ehemaligen Pfarrers aus. Er hat schon viele der Probleme live erlebt: seien es Schaulustige, die Arbeit behindernde Beteiligte oder einfach die Auswirkungen von Rasereien, Drogen und fehlenden Rettungsgassen.

Zusammen mit Ralf Ziegler möchte er an die Besucher des Gottesdienstes appellieren, die Augen im Verkehr offenzuhalten und das Thema zu verinnerlichen. Beide zeigen deshalb auch Inhalte aus dem „Chrashkurs NRW“. Dieses Angebot richtet sich vor allem an Fahranfänger, kann aber auch für ältere Führerscheinbesitzer aufschlussreich sein.

„Wir sind mit dem Programm vor allem an Schulen unterwegs“, sagt Neumann. Den Schülern werden dabei Erfahrungsberichte der Polizei vorgestellt, die sie an Unfallorten gesammelt haben. Aber auch Unfallopfer kommen selbst zu Wort, teilweise mit tragischen Geschichten. Das Ganze wird meist durch Bilder und Filme von Unfällen unterstützt. „Da sind die Schüler am Ende immer mucksmäuschenstill“, sagt Neumann.

Polizei und Notfallseelsorger stehen im Kaiserviertel gemeinsam auf der Kanzel

Feuerwehreinsatz bei der Gasexplosion in Hörde. © Schütze

Christliche Motivation

Er selbst kennt die Szenen nur zu gut, die sich an den großen Unfallorten abspielen; die Trauer der Angehörigen und das Leid, das durch mangelnde Verkehrsbeachtung entstehen kann. Diese Erlebnisse nehmen ihn natürlich auch mit, gibt der Rentner zu, der 35 Jahre als Pfarrer gearbeitet hat. „Aber diese Trauer empfindet man bei der Arbeit in der Kirche auch, beispielsweise bei den vielen Beerdigungen. Davon darf man sich aber nicht überwältigen lassen“, sagt er.

Die Antwort auf die Frage nach seiner Motivation zeigt jedoch, wie viel Bedeutung die Arbeit für ihn hat: Die Kirche solle nämlich nicht in den bekannten Räumen arbeiten, sondern aktiv am Leben teilhaben. „Ich finde das sehr wichtig“, sagt er, „dass wir uns nicht im Kirchengebäude verstecken und immer nur von Nächstenliebe predigen, ohne selber tätig zu werden. Die Message muss auch aktiv in die Welt getragen werden.“

Polizei und Notfallseelsorger stehen im Kaiserviertel gemeinsam auf der Kanzel

Der Gottesdienst mit dem Motto „Notruf“ in der Marienkirche. (v.l.) Hendrik Muenz, Notfallseelsorger Hartmut Neumann und Dirk Aschenbrenner von der Feuerwehr. © Archiv Stephan Schütze

Immer einsatzbereit

So wird auch der Gottesdienst am Sonntag aufgebaut sein. „Wir möchten, dass die Menschen miteinander arbeiten, nicht gegeneinander“, sagt Neumann. Hierfür wird eng mit den Einsatzkräften zusammengearbeitet. Sogar Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange wird am Gottesdienst teilnehmen.

Bis dahin hängt bei Neumann „die Uniform immer griffbereit“, wie er lachend sagt. Er mag es generell nicht gerne, wenn die Dinge stillstehen. Das sieht man auch beim Blick auf seinen Lebenslauf.

Zusätzlich zu seiner Arbeit als Pfarrer und Journalist studierte er Deutsch (auf Lehramt) und Musik. Er ist heute noch bei vielen Konzerten mit dabei, spielt häufig Orgel und rührt auch sofort die Werbetrommel für das nächste Benefiz-Konzert am 10. März. Dort wird er die Moderation übernehmen. Ebenfalls wie bei der Messe, die am 17. März stattfindet. Diese beginnt um 10 Uhr in der Melanchthonkirche an der Melanchthonstraße 6.

Polizei und Notfallseelsorger stehen im Kaiserviertel gemeinsam auf der Kanzel

Auch zum Floriantag gab es im Ausbildungszentrum der Dortmunder Feuerwehr einen ökumenischen Gottesdienst, der von Mitarbeitern aus den unterschiedlichen Arbeitsbereichen des Rettungsdienstes gestaltet wurde. © Hartmut Neumann

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