Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Die Stadt Dortmund hat die Radfahrerausbildung für Grundschulen neu organisiert. Wir erklären, warum die Polizei nicht mehr in der Jugendverkehrsschule am Fredenbaum aktiv ist.

Dortmund

, 04.10.2018 / Lesedauer: 3 min

Gefahr durch Raser, schwere Autobahn-Unfälle, die Last mit den Eltern-Taxis und besondere Aufgaben im Nordstadt-Verkehr: Nach mehreren Jahrzehnten zieht sich die Polizei Dortmund aus der Radfahrer-Ausbildung in der Verkehrsschule im Fredenbaumpark zurück. „Weil die Radfahrausbildung im dritten Schuljahr nicht zu unseren Aufgaben gehört“, begründet der Erste Polizeihauptkommissar Ralf Lenfert diesen Schritt. Weiter sagte er: „Wir leisten nicht weniger, sondern setzen unsere Zeit sinnvoller ein und werden in Bereichen mit größeren Problemen aktiv.“ Gemeint ist damit die Nordstadt. Die Polizei entwickelt ein Konzept, mit dem sie die Verkehrssicherheit für Kinder in der Nordstadt verbessern will.

Der Polizei fehlt das Personal

Per Erlass des Innenministeriums ist es tatsächlich nicht die Aufgabe der Polizei, in der Verkehrsschule am Fredenbaum den Kindern das Radfahrern beizubringen. „Das liegt in der Verantwortung der Eltern und der Schulen“, betont Ralf Lenfert.

Bisher habe die Polizei die Arbeit freiwillig geleistet. Das sei wegen knapper Ressourcen nicht mehr möglich. Die fünftägige Ausbildung mit dem Radfahrer-Führerschein im vierten Schuljahr bleibt aber weiter ein Schwerpunkt der Verkehrssicherheitsberater. Vor der Fahrrad-Führerscheinprüfung üben Viertklässler eine ganze Woche mit der Polizei im öffentlichen Straßenverkehr.

5000 Kinder pro Jahr in der Verkehrsschule

In der Jugendverkehrsschule im Fredenbaumpark sollen Kinder im dritten Schuljahr in einem geschützten Raum ohne Gefahren durch Autos oder Lkw das sichere Radfahren lernen, um sich dort und in den folgenden Monaten während ihrer Freizeit auf die Fahrrad-Prüfung im vierten Schuljahr vorbereiten zu können. Pro Jahr sind in der Verkehrsschule im Fredenbaum etwa 5000 Jungen und Mädchen unterwegs.

Wie sieht es in der Jugendverkehrsschule aus? Wir sind die Anlage mit einer Drohne abgeflogen. Die Bilder gibt’s in diesem Video:

Ersatz für die Polizei ist bereits gefunden: Als Betreiber der Verkehrsschule konnte das Schulverwaltungsamt die Dortmunder Verkehrswacht und den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) gewinnen. ADFC und Verkehrswacht nehmen die Arbeit nach den Herbstferien auf. Der ADFC-Vorsitzende Werner Blanke sagte, dass die Ausbildung im dritten Schuljahr enorm wichtig sei: „Immer mehr Kinder sind nicht in der Lage, ein Fahrrad zu bedienen, denn die Geschicklichkeit hat in den vergangenen Jahren deutlich nachgelassen.“

Motorik und Feinmotorik fördern

Vor vielen Jahren seien 10 von 100 Kindern an einem Vorfahrtsschild stehen geblieben, weil sie den Blick in den Verkehr und die Fahrt auf dem Rad nicht zeitgleich koordinieren konnten. Werner Blanke: „Heute sind es 90 von 100 Kindern. Wir müssen also intensiv die Motorik und Feinmotorik fördern. In der Jugendverkehrsschule geht das optimal.“

Der Grund: Kinder spielten nicht mehr so oft draußen, sie hielten sich mehr in Gebäuden auf. Für die motorische Ausbildung und den Verkehrsunterricht sucht der ADFC noch Übungsleiter. Werben will der Fahrradclub auch bei Lehramts-Studenten an der Technischen Universität.

Werner Blanke, pensionierter Polizeibeamter und früher selbst in der Radfahrerausbildung aktiv, kritisiert den Rückzug der Polizei. „Da wird eine große Chance vertan, zu einem frühen Zeitpunkt das Vertrauen in die Polizei zu steigern.“

Fehlendes Engagement der Eltern

Nachlassendes Engagement bei Eltern beobachtet Ralf Lenfert. Es sei nicht allein Aufgabe von Polizei und Grundschulen, den Kindern das sichere Radfahren beizubringen, sondern gerade auch die Pflicht der Eltern. Nicht nur in der Nordstadt sei es schwierig, die Eltern zu erreichen. Das Phänomen sei im gesamten Stadtgebiet zu beobachten.

Die Jugendverkehrsschule ist in die Jahre gekommen. Asphalt erinnert an schlecht gepflegte Straßen, die Fahrbahnmarkierungen bröckeln, für die Ampelanlage gibt es keine Ersatzteile mehr. Die Stadt Dortmund will in die Anlage investieren. Geld ist vorhanden, aber Pläne gibt es noch nicht.

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub sucht für die Ausbildung in der Jugendverkehrsschule im Fredenbaum noch Übungsleiter. Kontakt zum ADFC per E-Mail: vorstand@adfc-dortmund.de
Lesen Sie jetzt