Pony-Schänder im Stall erwischt

Per Videoüberwachung gestellt

Nach drei Fällen von sexuellem Missbrauch an Ponys in Kemminghausen haben Pferde-Besitzerinnen am Samstagabend in einem Stall einen Mann gestellt. Moderne Videotechnik half ihnen dabei, einen Tatverdächtigen zu erwischen - mitten in der Nacht auf einem einsamen Gehöft.

DORTMUND

, 15.02.2017, 14:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit der ersten Tat am 27. Oktober 2016 sucht die Polizei einen unbekannten Mann, der Ponys in dem Stall in Kemminghausen, in dem seit 35 Jahren gezüchtet wird, missbraucht und auch verletzt hat.

Am Samstag (11. 2.) tappte ein Verdächtiger in die Videofalle: Um 22.04 Uhr fotografierten auf der Anlage installierte Videokameras eine den Pferde-Besitzerinnen unbekannte Person und verschickte die Bilder und ein Alarmsignal automatisch an ein Mobiltelefon. Die 25-jährige Pony-Besitzerin Carolin sichtete die Bilder, verständigte die Polizei, organisierte eine Telefonkette und setzte sich mit ihrer Freundin Anja (47) sofort ins Auto, um die zwei Kilometer bis zum Stall zu fahren.

Die Flucht verhindert

Sechs Minuten später trafen die Freundinnen ein. „Wir sind hintenrum über die Koppel zum Stall gerannt und über einen Zaun geklettert, weil das Tor vorne an der Straße zu laut ist. Sonst hätten wir uns verraten“, sagte Carolin gestern. Ausgestattet mit einem alten Steigbügel und einem Knüppel teilten sich die Freundinnen auf, um eine Flucht des Verdächtigen zu verhindern.

Carolin schaltete das Licht an. Der Unbekannte im Stall erkannte die Lage und wollte entkommen. „Du kommst hier nicht raus“, sagte Anja laut und deutlich, als ein panisch wirkender Mann vor ihr stand. Dann trieben sie den Mann in den Enge. Vor ihnen stand ein Mann, untenrum entkleidet, in Schuhen stehend und mit einem T-Shirt über dem Oberkörper.

Die 25-Jährige: „Seit der ersten Tat Ende Oktober 2016 haben wir unser ganzes Leben nach diesem Mann ausgerichtet. Wir dachten, dass wir es mit einem Kanten zu tun haben werden, wenn wir einmal vor ihm stehen. Aber da war ein Mann, der sah klein und mickrig aus. Er bettelte uns an, dass wir ihn gehen lassen.“ Längst hatten weitere Pferde-Besitzer den Stall erreicht. Die wenige Minuten später eingetroffene Polizei nahm den Mann fest. Er ist 66 Jahre alt.

Spuren-Abgleich

Angst hatten Carolin und Anja nicht: „Wir hatten einen enormen Adrenalinschub und waren total sauer, weil jemand unsere Ponys missbraucht und verletzt hat.“

Verletzt hatte der Tatverdächtige auch am Samstagabend wieder ein Pony. Bei den vorherigen Taten erlitten die Ponys verschiedene Verletzungen. Eine Tierärztin stellte Blutergüsse im Genitalbereich und eine Gebärmutterentzündung fest.

Die Polizei kann jetzt an den Pferden sichergestellte Spuren abgleichen und ermitteln, ob der 66-Jährige auch die Taten vom 27. Oktober und 27. Dezember 2016 und für weitere Taten verantwortlich ist.

Paragraf 3 des Tierschutzgesetzes verbietet sexuelle Handlungen mit Tieren. Wer Tiere sexuell missbraucht, dazu abrichtet und zur Verfügung stellt oder zu artwidrigem Verhalten zwingt, begeht eine Ordnungswidrigkeit.
Wer ein Tier verletzt, begeht eine Straftat. Die Justiz kann eine Geldstrafe oder Haft bis zu drei Jahren aussprechen.

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