Pound: Schweißtreibendes Trommeln gegen Alltagsstress ist neuer Trendsport

rnFit in Dortmund

Am Anfang war Aerobic, dann schwitzte alles beim Step oder tanzte zu Zumba. Aktuell schmelzen Kalorien beim neuen Trendsport Pound. Nicole Giese trommelte mit.

Dortmund

, 30.09.2018 / Lesedauer: 4 min

Keine zehn Sekunden dauert die Pound-Stunde und ich weiß, warum ich hier bin. Ein Song der Hip-Hop-Band „7kingz“ dröhnt durch den Raum im Gemeindezentrum: „Gloves Are Comin‘ Off“. Ich halte zwei Schlagzeugstöcke, Drumsticks genannt, in der Hand. Leuchtend grün und aus Plastik. Zum Takt der Musik schlagen wir die Sticks gegeneinander. Über dem Kopf, neben dem Körper, auf den Boden. Schnell und schneller. Immer und immer wieder.

„Klack, klack, klack“, machen die Drumsticks. Die energiegeladene Atmosphäre in diesem Raum, der zwar funktional, aber nicht schön ist, packt mich sofort. Pound (englisch, to pound: hämmern) heißt der Fitness-Trend, den zwei amerikanische Drummerinnen erfunden haben und der immer mehr Cardio-Fans begeistert. Nach Firmenangaben unterrichten mittlerweile 10.000 Trainer weltweit dieses Format, bei dem jeder sich einmal so fühlen kann wie ein Rockstar.

Pound: Schweißtreibendes Trommeln gegen Alltagsstress ist neuer Trendsport

Bei den intensiven Trommel-Bewegungen werden die Schultern, der Bizeps, der Trizeps und die Unterarme trainiert. © Oliver Schaper

„Da muss ordentlich Wumms dahinter sein“, motiviert Trainerin Eva Niermann mich und die anderen Teilnehmer laut. Genervt von der Arbeit? Immer raus mit den Aggressionen. Die Kinder wollen nicht so wie man selbst? Stakkato-Trommeln auf der Yoga-Matte hilft. Pound ist Aggressionsabbau mit einem Benefit.

Das merke ich schnell. Schon beim zweiten Song bin ich leicht aus der Puste. Ziemlich schweißtreibend soll das Training bis zu 800 Kalorien in der Stunde (je nach Körpergewicht und Einsatz) verbrennen. Es gibt Abfolgen im Stehen und im Sitzen. Kniebeugen, Ausfallschritte, Übungen für eine starke Mitte.

Die Drumsticks sind wie kleine Minihanteln. Durch die Trommel-Bewegungen wird der gesamte Körper trainiert. „Pound ist für jeden geeignet, der Koordination, Kondition und Muskulatur trainieren will“, sagt Kursleiterin Eva. Klingt gut! Die fetzige Musik tut ihr übriges für die Motivation.

Seit Januar gibt Eva Niermann den Kurs im Sport- und Gesundheitszentrum des Christlichen Jugenddorfs (CJD) in Oespel. Der Sport ist ein Ausgleich - auch für sie, die im echten Leben als Finanzbeamtin arbeitet. Auf einer Fitness-Messe hat die 28-Jährige Pound für sich entdeckt. Als die neue Workout-Variante.

Wie wird eine Sportart zum Trend? Und was sagt dieser Trend dann über die Menschen aus, die ihm folgen? Professor Tim Bindel, Sportkulturforscher an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz, setzt sich mit solchen Fragen auseinander. „Fitness ist in unserer heutigen Gesellschaft wichtig geworden. Man will gut aussehen. Man will einen Körper, dem man ansieht, dass er gesund ist“, sagt Bindel. Sport soll funktional sein, etwas bringen.

Workout mit Party-Elementen macht Spaß

Das ist ein Aspekt. Gleichzeitig soll das Training Spaß machen. „Zumba war da ein Riesen-Meilenstein“, sagt Tim Bindel. Das Workout hatte plötzlich ein Party-Element und war individueller. „Ich muss die Schritte nicht eins zu eins nachmachen wie beim Aerobic“, erklärt der Sportkulturforscher den Unterschied. Hauptsache, man bewege sich. „Wenn du schwitzt, weißt Du, dass es was bringt.“

Grundsätzlich stehe hinter jeder neuen Fitness-Idee mittlerweile eine ganze Fitness-Ökonomie. „Meistens funktionieren solche Trends besonders gut, wenn es eine Korrelation zum echten Leben gibt“, sagt Bindel. Bei Pound sieht er auch eine neue Zielgruppe. „Bisher war Fitness brav.“ Das Rockstar-Workout spreche eher den Fitness-Punk an, der bisher vielleicht noch nicht so viel mit Sport am Hut hatte.

Pound: Schweißtreibendes Trommeln gegen Alltagsstress ist neuer Trendsport

Es gibt Übungen im Stehen, aber auch im Sitzen und Liegen - für eine starke Körpermitte. © Oliver Schaper

Lydia Eiffert kam über Jumping Fitness zu Pound. Das Trampolin-Workout ist schon etwas länger angesagt, die Rock-Star-Einheiten gefallen der 29-Jährigen aber noch besser. Die Haare nass geschwitzt, strahlt sie übers ganze Gesicht und trommelt energisch in der Luft. „Es macht mega Spaß und man hat den Muskelkater seines Lebens“, sagt Lydia Eiffert.

Auch Lehrerin Anja Gorzel (53) und Armin Osthoff (60) sind seit ein paar Monaten mit Begeisterung dabei. „Wir haben uns noch nie bei einem Sport getroffen“, sagt Anja Gorzel. Bei Pound funktioniert es. „Mich interessiert das Tänzerische“, erklärt Anja Gorzel. Und Armin als Musiker ist von den Schlagzeug-Elementen fasziniert. Was die 53-Jährige ebenfalls mag: „Man bleibt an einer Stelle und trotzdem wird der ganze Körper beansprucht. Und man muss seinen Platz nicht verteidigen wie bei anderen Workouts.“

Pound: Schweißtreibendes Trommeln gegen Alltagsstress ist neuer Trendsport

Die Schlagzeugstöcke fliegen wie bei einem echten Rockstar durch die Luft - schnell und immer schneller. Das macht gute Laune und ist ganz schön laut. Kursleiterin Eva Niermann macht vor, wie’s geht. © Oliver Schaper

Für Pound braucht man keine besondere Erfahrung, da das Workout individuell an das jeweilige Leistungsniveau angepasst werden kann. Mitbringen sollte man nur Spaß am Sport in der Gruppe und die Motivation, auch mal etwas Neues zu probieren. Bis zum nächsten Trend.

Pound haben in Dortmund verschiedene Anbieter im Programm.
  • Die Stunde beim CJD findet samstags von 10 bis 10.55 Uhr in der Sporthalle des CJD Sport- und Gesundheitszentrums, Auf der Kleybredde 23, statt. Es gibt festgelegte Kurszeiträume, die man buchen kann. Der nächste geht von Ende Oktober bis Dezember und kostet 38,50 Euro für sieben Einheiten.
  • Auch der TSC Eintracht hat Pound im Programm. Dienstags von 18 bis 18.50 Uhr an der Victor-Toyka-Straße 6. Der monatliche Beitrag für eine Mitgliedschaft im TSC beträgt 17 Euro, ermäßigt 12 Euro. Er berechtigt zur Teilnahme an mehr als 70 Kursen in der Woche.
  • Getrommelt wird außerdem bei Jumping Fitness, Märkische Straße 212, immer freitags um 18.15 Uhr.
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