Bujar (l.) und Mentore (r.) Berisha vor der Theke in ihrem neuen Wirtshaus am Dortmunder Friedensplatz. © Sabrina Fehring
Nach Corona

Preise in Dortmunder Restaurants und Kneipen ziehen an

Restaurants und Kneipen sind schon ein Weilchen wieder offen - und die Gäste müssen sich nun auf höhere Preise einstellen. Gastronomen nennen gleich mehrere Gründe.

Felix Eckardt musste in den vergangenen Tagen oft mit seinen Gästen über Preise sprechen. Denn den Stammkunden im Pfefferkorn ist beim Blick auf die Speisekarte nicht entgangen, dass diese gestiegen sind. Dabei achtete der Betreiber des Restaurants am Hohen Wall auf einen moderaten Anstieg, wie er sagt: „Wir heben die Preise nicht extrem an, weil wir sonst Gäste verlieren.“

Zwar habe es deswegen vereinzelt negative Online-Bewertungen gegeben, aber diese Kritik sei eine Ausnahme geblieben, so Eckardt: „Die meisten Gäste sagen, dass es angemessen ist für das, was sie erhalten.“

Die Preiserhöhung bewertet er selbst als „ganz minimal“. Konkret schätzt er vorsichtig: 30 Cent Mehrkosten pro Mahlzeit. „Das spiegelt sich natürlich in den Produkten wider, da wir die Kosten für die Verbraucher anpassten mussten.“

Anpassung an Dortmunds Bierpreisspiegel

Diese Preiserhöhung betreffe vor allem die Speisen – aber nicht nur: Für 0,3 Liter Bier bezahle der Dortmunder durchschnittlich 3,10 Euro, so Eckhardt: „Wir lagen noch bei 2,90. Natürlich ziehen wir bei der Preispolitik mit.“

Ein Grund für die Mehrausgaben: „Wir haben Probleme, ausreichend Personal zu finden“, erzählt Eckhardt. „Das ist bei uns einer der größten Kostenfaktoren.“ Auch die Energiekosten schlagen sich in den Rechnungen seines Restaurants nieder, so Eckhardt: „Der Strompreis hat sich verdoppelt, das ist noch krasser als die Personalkosten.“ Denn gerade Kühlschränke oder Herde verbrauchen viel Strom.

Ähnliches berichtet es Bujar Berisha, Geschäftsführer des Benediktiner Wirtshauses. „Wir kämpfen an mehreren Fronten“, sagt er über die ökonomische Situation seines Lokals. Und zählt die steigenden Kostenfaktoren auf: Personal, Strom, die Corona-Einschränkungen, Desinfektionsmittel, aber auch die Lieferanten, die natürlich die aktuelle Öl- und Benzinpreisentwicklung in Rechnung stellten.

Deswegen habe das Wirtshaus die Preise erhöht, um 3 bis 5 Prozent, schätzt Berisha. Auch er nennt es „minimal“. Aber: Mit Blick auf das kommende Jahr befürchte er weitere Ausgaben für die Miete und die Versicherungen.

Hotel- und Gaststättenverband bestätigt Kostenanstieg

Auch der Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) Westfalen kann die Preisanstiege bestätigen. „Einige Betriebe sind zu Erhöhungen übergegangen, aber damit ist die Gastronomie nicht allein“, sagt Lars Martin, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der DEHOGA Westfalen. Gründe? – „Wir haben eine hohe Inflation. Die Lebensmittelpreise sind überdurchschnittlich gestiegen.“

Martin führt außerdem ebenfalls Personalmangel als Grund für die erhöhten Kosten an. Während des Lockdowns mussten in der Gastronomie viele Stellen gestrichen werden, nun müssen die nötigen Arbeitskräfte wieder in die Betriebe gelockt werden. Martin: „Insofern wird der eine oder andere überlegen, dem Personal mehr zu bezahlen.“

Beliebte Pizzeria bleibt eine Ausnahme bei der Preispolitik

Er sehe sowohl bei den Personal- als auch bei den Warenkosten eine Steigerung um 30 Prozent, was zusammengerechnet bereits 60 Prozent des Umsatzes ausmache, so Martin: „Da bleibt nur die bittere Pille der Preiserhöhung.“

Wie viel teurer es durchschnittlich in der Dortmunder Gastronomie wird, könne Lars Martin jedoch nicht beziffern. „Das muss jeder Betrieb für sich entscheiden, wir geben keine Empfehlungen.“

Inhaber Adrian Kuras (r.) und Mitarbeiter Dominik Grzeschik hatten am Freitag noch gut zu tun, ehe
Inhaber Adrian Kuras (r.) und Mitarbeiter Dominik Grzeschik hatten am Freitag noch gut zu tun, ehe „60 seconds to napoli“ am Samstag am Alten Markt eröffnen kann. © Lukas Wittland © Lukas Wittland

Aber nicht alle Gastronomen bitten ihre Gäste stärker zur Kasse: „Bis jetzt kann ich das nicht bei uns feststellen“, sagt etwa Adrian Kuras von der Pizzeria „60 seconds to napoli“ angesprochen auf höhere Kosten. Seinen Gästen, die demnächst die Preise der Speisekarte abchecken, kann er versichern: „Alles ist gleich geblieben.“

Das könne daran liegen, dass das Restaurant um die 70 Prozent der verarbeiteten Lebensmittel aus Italien importiere. Und der Personalmangel? „Wir bauen eher ab“, sagt Kuras über die Belegschaftssituation.

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