In diesem Stadtteil bekommen private Kindergärten mehr Geld als städtische Kitas

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Freude über 8000 Euro: Private Kitas bekommen mehr Geld als städtische Einrichtungen. Dafür gibt es einen Grund.

Dortmund

, 07.09.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war ein Pressetermin mit einer gewissen Symbolik: Vertreter von SPD und CDU aus der Aplerbecker Bezirksvertretung waren in der Elterninitiative „Kleine Raupe“ an der Niergartenstraße in Schüren zu Gast. Es galt eine „Sandmatsch-Anlage“ und ein Außenspielgerät in Pferdeform offiziell einzuweihen. Eigentlich nichts Besonderes, aber es zeigte sich ganz klar, wohin der Weg geht: Hin zur verstärkten finanziellen Unterstützung der Kindergärten und Familienzentren im Stadtbezirk durch die Bezirksvertretung Aplerbeck.

Weg von den städtischen Einrichtungen, hin zu den privaten. Denn in den Vorjahren hatte die Bezirksvertretung durchaus auch Finanzspritzen an die städtischen Kitas verteilt. Jetzt werden die Privaten bedacht. Aber warum ist das so? Es ist das „Bürokratiemonster“ Stadtverwaltung, das die finanziellen Zuwendungen an die verschiedenen Einrichtungen immer schwieriger macht.

Zeitliche Umsetzung sehr viel schneller

Da ist zunächst einmal die zeitliche Umsetzung. Die „Kleine Raupe“ ist da das beste Beispiel. Erst im April 2019 wurden die finanziellen Mittel für die Neuanschaffungen an der Kita von der BV Aplerbeck bereitgestellt. 8000 Euro für die gewünschte „Sandmatschanlage“ und eben das große Holzpferd.

In diesem Stadtteil bekommen private Kindergärten mehr Geld als städtische Kitas

Die Kita „Kleine Raupe“ hat von dem Geld unter anderem ein Holzpferd gekauft. © Bauerfeld, Jörg

Vier Monate später sind die Geräte aufgebaut und nutzbar. „Bei einer städtischen Einrichtung hätte das Ganze vermutlich über ein Jahr gedauert“, sagt Jan Gravert, Fraktionsvorsitzender der SPD in der Bezirksvertretung Aplerbeck.

Das liegt an der personellen Situation bei den verschiedenen Ämtern. „Diese sind einfach nicht in der Lage, Anträge schnell umzusetzen“, sagt Gravert. Daher wird immer mehr Geld aus dem Haushalt an private Einrichtungen verteilt. An Vereine oder eben auch an Elterninitiativen.

Jede Elterninitiative konnte 8000 Euro ausgeben

Fünf Stück gibt es davon im Stadtbezirk Aplerbeck. Jede von ihnen ist mit 8000 Euro bedacht worden. Und jede hat auch andere Wünsche. Die können mit dem Geld erfüllt werden.

„Wenn wir das Geld an eine städtische Einrichtung vergeben hätten, hätte nur ein Teil angeschafft werden können. Dann wären die Kosten um ein Vielfaches höher“, sagt Gravert. Die Ausführung und Planung sei das Problem. „Der Flaschenhals bei der Verwaltung ist die Planung“, sagt Gravert.

Auch im nächsten Jahr soll wenig Geld in städtische Baumaßnahmen fließen. Da sind sich CDU und SPD einig. Warum solle man auch Geld bereitstellen, das nicht umgesetzt wird.

Hinzu kommt, dass bei städtischen Einrichtungen alles über Sammelbestellungen gelaufen wäre. Also für alle das Gleiche. Bei den Elterninitiativen ist es da einfach. Hier kann das Fördergeld genau dort eingesetzt werden, wo es auch gebraucht wird.

Politik soll noch einen Wunsch erfüllen

„Wir haben unsere Wünsche an die Politiker herangetragen und die konnten auch erfüllt werden“, sagt Stefanie Meinelt, Leiterin der „Kleinen Raupe“. Und sie konnte auch schon einen nächsten Wunsch bei der Politik platzieren, der wohl auch erfüllt werden wird.

Eine gute Zeit für die Elterninitiativen im Stadtbezirk, wobei sich die städtischen Einrichtungen erst einmal gedulden müssen, was die finanziellen Zuwendungen angeht. „Natürlich müsste auch Geld in eine städtische Kita gesteckt werden, um dort beispielsweise die Küche oder auch die Sanitärräume zu verbessern“, sagt Gravert. Aber das sei schlicht nicht möglich, weil es nicht umgesetzt würde. Und Geld einfach rumliegen lassen, das wolle man nicht.

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