Prominenter Kirchlinder empfindet Vertreibung von Corona-Sängern als Schock

rnEhrenmal Kirchlinde

Unbekannte Jugendliche haben die Corona-Sänger vom Kirchlinder Ehrenmal vertrieben. Peter Spineux, der stellvertretende Bezirksbürgermeister für Huckarde, ahnt warum.

Kirchlinde

, 16.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Gruppe Kirchlinder hat sich in den vergangenen Monaten mehr als 100 Mal abends getroffen, um gemeinsam am Ehrenmal zu singen. Bis in der ersten August-Woche eine Gruppe Jugendlicher die Sänger mit lauter Musik vertrieb.

„Dass Jugendliche die Menschen, die gegen die Einsamkeit während der Corona-Zeit ansingen, mit lauter Musik vertreiben, war ein Schock für mich“, gesteht Peter Spineux (CDU).

Den Kirchlinder Politiker hat der Vorgang auf mehreren Ebenen erschüttert. Da ist der Übergriff an sich. Zweitens ist er enttäuscht, dass er als Kirchlinder von dem Corona-Singen nichts wusste: „Da hätte ich gerne mitgemacht.“ Und drittens war der Schauplatz ausgerechnet das Kirchlinder Ehrenmal.

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In Spineuxs Wahrnehmung hatte sich der kleine Park in den vergangenen Jahren positiv entwickelt. „Und nun werden normale Bürger dort vertrieben“, sagt Spineux.

Namens-Tafel mühsam erneuert

Er selbst hatte sich 2017 zusammen mit den Ortshistorikern Willi Breuckmann und Walter Emmerich um die Restaurierung der Namenstafeln für die in den Weltkriegen gefallenen Soldaten aus Kirchlinde bemüht.

Die Tafeln waren beschädigt oder verschollen gewesen. Die drei Männer durchstöberten Archive der Gemeinden, trugen Namen zusammen und ermöglichten die Erneuerung der Tafeln. Die Gruppe „mittendrin“ rief Veranstaltungen wie das Weinfest ins Leben, um Geld für das Ehrenmal zu sammeln.

Das Kirchlinder Ehrenmal sieht von vorne massiv aus.

Das Kirchlinder Ehrenmal sieht von vorne massiv aus. © Holger Bergmann

Als das Geld zusammen war, stellte die Firma Burmann ein Holzkreuz auf. Die Interessengemeinschaft Kirchlinder Vereine organisiert mittlerweile jährlich zum Volkstrauertag Kranzniederlegungen am Ehrenmal.

Eine Drogenszene in Kirchlinde

Doch eben das Ehrenmal ist jetzt anscheinend zu einem Problem geworden. Anwohner haben Peter Spineux zufolge beobachtet, dass sich abends, vor allem am Wochenende, Personen hinter dem Ehrenmal herumtreiben. Die Beobachter vermuten dort Drogenhandel.

Auf der Rückseite des Kirchlinder Ehrenmals gibt es einen nicht einsehbaren Raum, der von Drogenhändlern genutzt werden soll.

Auf der Rückseite des Kirchlinder Ehrenmals gibt es einen nicht einsehbaren Raum, der von Drogenhändlern genutzt werden soll. © Holger Bergmann

Die Dortmunder Polizei kann diesen Eindruck auf Anfrage nicht bestätigen. Aber Spineux kennt weitere Hinweise auf eine Drogenszene in Kirchlinde: An der Skater-Anlage am Bärenbruch. „Dort findet man samstags morgens eindeutige Spuren.“

Aufsuchende Jugendarbeit an der Scater-Anlage

Deshalb hält Spineux die Vermutung für plausibel, dass die Corona-Sänger von Mitgliedern der Drogenszene vom Ehrenmal vertrieben worden sind. Doch er mag das Ehrenmal nicht kampflos aufgeben.

Er will sich dafür einsetzen, dass die Polizei am Ehrenmal öfter Streife fährt und dass die Skater-Anlage am Bärenbruch in die „aufsuchende Jugendarbeit“ aufgenommen wird.

Außerdem hofft Spineux, dass die Corona-Sänger ihre Tätigkeit wieder aufzunehmen. „Dann sollte das Corona-Singen auch besser angekündigt werden“, meint Spineux. Auch, damit er mitsingen kann.

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