In großer Schärfe und Klarheit ist das Gewebe der nur walnussgroßen Prostata-Drüse dargestellt. Dr. Karsten Ridder erkennt genau: Tumor oder nur Entzündung. © Annette Feldmann
Neue Medizintechnik

Prostatakrebs sicher erkennen: Dortmunder Radiologe erklärt neue Diagnostik

Verdacht auf Prostata-Krebs! Auf den Schock folgt eine gefürchtete Untersuchung: die Biopsie, die Gewebeentnahme durch den Darm. Neue MRT-Geräte können Patienten das ersparen, sagt ein Dortmunder Arzt.

„Und sie können die Vorsorge verbessern. Denn Prostata-Krebs ist nicht mehr die Erkrankung von Opas. Auch Männer mitten im Leben können Prostata-Krebs bekommen. Es ist der zweithäufigste Männer-Krebs, im mittleren Alter sogar der häufigste“, erklärt Radiologe Dr. Karsten Ridder. Er ist ärztlicher Leiter des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) Prof. Dr. Uhlenbrock & Partner an der Kampstraße.

Die gute Nachricht: Bei frühzeitiger Diagnose kann dieser Krebs vollständig geheilt werden – und bei weitem nicht jeder Verdacht ist auch tatsächlich Krebs. In rund der Hälfte der Verdachts-Fälle hätte man sich die Biopsie ersparen können, weil nur eine Entzündung vorlag.

Erhöhter PSA-Wert kein sicherer Hinweis

Patient M., 55 Jahre alt, war aber zunächst mal kalkweiß, als er mit seinen Beschwerden zum Urologen ging und ein erhöhter PSA-Wert festgestellt wurde: Der ist ein wichtiger, aber keineswegs sicherer Hinweis auf einen Tumor. Der Tastbefund durch den Darm (die erste unangenehme Untersuchung) war bei M. unklar.

Die nächste – noch mehr gefürchtete – Diagnosemethode wäre nun die Biopsie gewesen. Dabei stanzt der Arzt mit einer feinen Nadel 10 bis 12 kleine Gewebe-Kegel aus der etwa walnussgroßen Prostata-Drüse.

Krankenkasse trägt MRT-Untersuchung

Das blieb Patient M. erspart. Denn sein Urologe überwies ihn zum MRT. Das ist noch immer nicht selbstverständlich, obwohl die MRT-Untersuchung im Verdachtsfall von den Krankenkassen getragen wird.

„Die Gerätetechnik ist heute so gut, dass wir sehr genau sehen können, ob die Drüse in Ordnung ist oder ob ein Tumor vorliegt“, erklärt Radiologe Dr. Ridder. Die neuesten Geräte haben eine Magnetfeldstärke von 3 Tesla. Heutiger Standard und auch schon geeignet dafür sind 1,5 Tesla. „Tesla“ nennt man die Maßeinheit für das Magnetfeld.

3-Tesla-Gerät Vorreiter für Region Dortmund

„Das 3-Tesla-Gerät ist doppelt so genau wie der bisherige Standard und damit sind wir Vorreiter in Dortmund und Umgebung“, erklärt der Radiologie. „Gerade für ein so kleines Organ ist die Bildschärfe ein ganz wichtiger Punkt. Aber natürlich auch für alle neurologischen Untersuchungen, bei Multipler Sklerose, Tumoren des Kopfes, der Brust oder bei der Darstellung kleiner Gelenke an Hand und Fingern.“

Sieht futuristisch aus und ist auch tatsächlich die neueste MRT-Technik. Mit dem 3-Tesla-Gerät ist die Diagnose unter anderem bei Verdacht auf Prostata-Krebs doppelt so sicher – und erspart vielen Männern die Biopsie. © MVZ Uhlenbrock © MVZ Uhlenbrock

Patient M. konnte nach 20 Minuten im MRT aufatmen. Die Bilder zeigten: Kein Tumor! Ursache für seine Schmerzen im Sitzen und beim Radfahren war nur eine Entzündung.

Entzündung durch Bakterien oder Radfahren

Bakterien, die in die Harnröhre gelangen, oder auch Radfahren mit einem anatomisch ungünstigen Sattel lassen die Drüse anschwellen und führen dann nicht selten zu Entzündungen. Dagegen helfen dann Antibiotika. Ridder: „Das ist folgenlos nach wenigen Wochen ausgestanden und führt nicht zu Unfruchtbarkeit.“

Hat ein Patient weniger Glück als M. und der Radiologe entdeckt einen Tumor, lässt sich die feingewebliche Untersuchung – und damit die Biopsie – nicht umgehen.

Früh erkannter Tumor ist heilbar

„Aber auch das kann dank MRT wesentlich schonender geschehen: Der Arzt, der die Biopsie vornimmt, muss nicht sozusagen in Schrotschuss-Technik viele Proben entnehmen in der Hoffnung, damit auch den Tumor zu erwischen“, erklärt Dr. Ridder. „Wir zeigen ihm genau, wo er liegt und wie groß er ist. Und die Biopsie kann in dafür ausgerüsteten Zentren sogar direkt unter MRT durchgeführt werden, also quasi unter Sichtkontakt.“

80.000 Männer erkranken jährlich an Prostata-Krebs. Bei frühzeitiger Vorsorge könnten sie vollständig geheilt werden. Dr. Ridder rät allen Männern: „Ab 50 regelmäßig zum Urologen gehen! Bei erhöhtem PSA-Wert nicht sofort in Panik ausbrechen. Aber wenn doch ein Tumor da ist, rettet die Vorsorge das Leben.“