Der Wirtschaftsweg auf dem Gelände der Westfalenhallen ist eine beliebte Fan-Route zum Stadion, aber auch für Spaziergänger und Radfahrer. Jetzt ist er vorübergehend gesperrt. © Thomas Thiel
Meinung

Provokation statt Kompromiss: Lasst Euch nicht auf der Nase herumtanzen!

Während die Politik über die Zukunft des Verbindungsweges über das Messegelände berät, schaffen die Westfalenhallen Fakten und sperren den Weg vorübergehend. Das könnte zum Eigentor werden.

Seit Monaten wird um eine Lösung für den Weg zwischen den Messehallen 3 und 4 gerungen – eine wichtige Verbindung vom Kreuzviertel ins Naherholungsgebiet Bolmke und zur Strobelallee mit dem Signal Iduna Park und dem Stadion Rote Erde. Die Westfalenhallen haben jetzt kurzerhand Fakten geschaffen: Sie haben den Weg für den Auf- und Abbau der Messe DKM Forum ab Sonntag (24.10.) für sechs Tage gesperrt.

Der Ärger war absehbar. Denn nicht nur dank des sonnigen Herbst-Wochenendes hätten viele Spaziergänger und Radler den Weg gern genutzt. Auch viele Fußball-Fans, die am Sonntag das Spiel der BVB-Amateure gegen Victoria Köln im Stadion Rote Erde sehen wollten, mussten Umwege in Kauf nehmen.

Vor dem Pokalspiel der BVB-Profis gegen Ingolstadt am Dienstagabend im Signal Iduna Park haben die Westfalenhallen nun eilig verkündet, dass der Weg am Dienstagnachmittag vorübergehend wieder geöffnet wird.

Auch wenn behauptet wird, dass dies länger geplant gewesen sei: Der Eindruck drängt sich auf, dass man das Pokal-Spiel überhaupt nicht auf der Rechnung hatte und nun rasch gegensteuern musste. Denn die Ausschilderung vor Ort besagte bis Montagmittag etwas anderes.

Und es lässt tief blicken, dass es im Vorfeld überhaupt keine offensive Kommunikation über die Sperrung gab. Die Öffentlichkeit wurde mit Hinweisschildern vor vollendete Tatsachen gestellt.

Das macht klar: Die Aktion ist eine reine Provokation – die allerdings zum Eigentor werden könnte. Denn die Westfalenhallen untergraben damit ihre Glaubwürdigkeit als verlässlicher Partner für die Politik.

Messe im kleinen Format

Von einem „Testballon“ für den mit der Stadt ausgehandelten Kompromiss ist jetzt die Rede. Doch warum wartet man nicht ab, bis die Politik endgültig über den Kompromiss entschieden hat?

Immerhin fand die Versicherungs-Messe DKM, für die der Aufwand getrieben wird, in früheren Jahren statt, ohne dass eine Sperrung des Weges nötig war. Warum ist das in diesem Jahr anders, obwohl die Veranstaltung coronabedingt sogar in abgespeckter Form stattfindet? 2019 waren es 358 Aussteller und 17.553 Besucher, jetzt sind es 160 Aussteller und maximal 7000 Besucher vor Ort an zwei Tagen.

Und noch etwas macht stutzig: Wenn schon für diese vergleichsweise kleine, zweitägige Messe der Weg an sechs Tagen gesperrt wird, wie will man dann mit insgesamt rund 30 Tagen für alle Messen im Jahr auskommen, die im Kompromiss genannt werden?

Die Westfalenhallen stellen diesen Kompromiss mit ihrem Handeln nun selbst infrage. Und sie zeigen, was sie von der Rolle der Politik bei der Entscheidung halten – nämlich gar nichts. Den Politikerinnen und Politikern kann man nur raten: Lasst Euch nicht auf der Nase herumtanzen.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich