Vorwurf der Vergewaltigung: Langer Prozess endet mit Freispruch

rnVorfall nach DFB-Pokalfeier

Einem Mann wurde vorgeworfen, eine Frau nach der DFB-Pokalfeier 2017 missbraucht zu haben. Fast anderthalb Jahre hat das Gericht verhandelt. Von Anfang an gab es im Prozess Schwierigkeiten.

Dortmund

, 17.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Der Freispruch hatte sich bereits abgezeichnet, nachdem die 36. Strafkammer den Angeklagten schon vor einigen Tagen aus der Untersuchungshaft entlassen hatte. Fast zwei Jahre hatte er dort gesessen. Jetzt erhält der Mann dafür eine finanzielle Entschädigung.

Vorstrafe wegen Kindesmissbrauchs

Viel wichtiger dürfte für ihn jedoch sein, dass der Vorwurf eines erneuten sexuellen Übergriffs vom Tisch ist. In seiner Vergangenheit ist der Mann unter anderem bereits wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden. Doch daraus dürfe man keine negativen Schlüsse ziehen, sagten die Richter am Mittwoch. Der Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten" sei einer der Grundpfeiler des Rechtsstaats. "Und er gilt für alle Menschen, auch für vorbestrafte Sexualtäter", stellte der Vorsitzende Richter Alexander Donschen klar.

Sicher ist in diesem Fall allein, dass nichts sicher ist. Die Frau hat mehrere Aussagen zu dem fraglichen Abend nach dem DFB-Pokalsieg des BVB im Mai 2017 gemacht. Und auch der Angeklagte hatte sich zu den Vorwürfen geäußert. Fest steht, dass beide Versionen so nicht stimmen können.

Über 30 Widersprüche

Die Verteidiger hatten in ihren Plädoyers auf über 30 Widersprüche in den Angaben des mutmaßlichen Missbrauchs-Opfers hingewiesen. Zu den gravierendsten zählen sicherlich die zu der Autofahrt durch die Nacht. Unmittelbar nachdem er sie auf dem Friedensplatz unter einem Vorwand in sein Auto gelockt habe, sei der Angeklagte auf die Autobahn gefahren und habe sie danach bei voller Fahrt mehrmals an den Brüsten und im Schritt angefasst, hatte die Frau ausgesagt.

Nach der Auswertung der Navigationsdaten steht jedoch fest, dass das Auto weder die angegebene Strecke noch mit dem behaupteten Tempo unterwegs war. Von Raserei mit mehr als Tempo 180 kann keine Rede sein.

Auf eine solch wackelige Aussage konnten und wollten die Richter keine Verurteilung stützen.

Schwierigkeiten von Anfang an

Der Prozess hatte von Anfang an mit Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt. Ein erster Anlauf hatte abgebrochen werden müssen, weil einer der Richter seine beantragte Elternzeit antreten musste. Der zweite Versuch fand dann von vorneherein in Anwesenheit eines Ergänzungsrichters statt, weil der damalige Kammervorsitzende Helmut Hackmann nicht mehr lange bis zu seinem endgültigen Ruhestand hatte.

Tatsächlich war der Richter schließlich während der laufenden Verhandlung pensioniert worden. Zum Glück musste der Prozess aber nicht noch einmal von vorne beginnen, weil der Ergänzungsrichter den Kammervorsitz übernehmen und die Verhandlung nun zu Ende bringen konnte.

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