Tödlicher Rockerstreit: Vor Gericht wird‘s wegen Corona kompliziert

rnBandidos angeklagt

2018 wird ein Mitglied der Freeway-Riders erstochen. Verdächtig sind vier Mitglieder der Bandidos – einer kommt aus Dortmund. Jetzt ist auch der Prozess in Essen in Schwierigkeiten geraten.

Dortmund/Essen

, 30.03.2020, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Gutachter gehört zur Corona-Risikogruppe, der Gerichtssaal stößt mit über 20 Prozessbeteiligten fast an seine Grenzen: Nach dem gewaltsamen Tod eines Mitglieds der Freeway-Riders wird vier Bandidos seit knapp einem halben Jahr der Prozess gemacht – einer kommt aus Dortmund. Die Durchführung des Großverfahrens am Essener Landgericht wird jedoch immer komplizierter.

Richter lockern Telefon-Regeln

Als der Prozess am Montag fortgesetzt wurde, mussten die Verteidiger deutlich getrennt von den Angeklagten Platz nehmen. Auch die Schöffen durften nicht direkt am Richtertisch sitzen. Sie wurden eine Reihe weiter hinten platziert. „Das Verfahren stellt auch uns vor große Schwierigkeiten“, so Richter Jörg Schmitt.

Zumindest einer der vier Angeklagten soll jetzt zumindest wieder Gelegenheit bekommen, Kontakt mit engen Familienmitgliedern aufzunehmen. Besuch darf er in Haft zwar nicht empfangen, dafür wollen die Richter das Telefonierverbot lockern. Zwei bis drei ausgewählte Personen – darunter die Mutter – dürfen nun telefonisch Kontakt zu dem 27-Jährigen aufnehmen.

Handy-Daten führten nach Dortmund

Den Angeklagten wird vorgeworfen, in der Nacht auf den 13. Oktober 2018 in Gelsenkirchen ein Mitglied der Freeway-Riders auf offener Straße erstochen und anschließend die Kutte mitgenommen zu haben – als eine Art Trophäe. Das Opfer war auf dem Rückweg von einer Party und hatte keine Chance. Der 63-Jährige verblutete auf dem Grünstreifen, nahe einer Kleingartenanlage.

Nachbarn hatten der Polizei damals einen lautstarken Streit geschildert. Außerdem wurde ein dunkles Auto gesehen, in das vier Männer eingestiegen waren.

Die Angeklagten waren Anfang 2019 festgenommen worden. Eine Auswertung der Funkzellen hatte die Fahnder zu einer Wohnung nach Dortmund geführt. An der Tür klebte ein Aufkleber der Bandidos. Außerdem sollen schwache Blutspuren in einem Auto gefunden worden sein, mit dem die Angeklagten in der Tatnacht möglicherweise unterwegs gewesen waren.

Alkohol-Exzesse nach der Tat

Im Prozess machen die vier Freunde weiter von ihrem Schweigerecht Gebrauch. Zumindest einer von ihnen hatte sich in den Wochen vor der Festnahme immer wieder Alkohol-Exzessen hingeben. Seine Verlobte war darüber extrem sauer. Bei Telefonaten, die von der Polizei aufgezeichnet und am Montag im Gerichtsaal abgespielt wurden, heißt es unter anderem: „Bist Du schon wieder besoffen? Ich hasse das. Was hast Du für Probleme? Warum betrinkst du dich ständig?“

Die Anklage lautet auf Totschlag. Urteil möglicherweise Ende Juni.

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