Vorfall an Schule

Queerfeindlichkeit: Forderung nach „mehr Tempo“ in der Dortmunder Verwaltung

Der queerfeindliche Vorfall an der Dortmunder Robert-Koch-Realschule beschäftigt weiterhin viele Menschen. Einige kritisieren, dass man bei dem Thema schon weiter sein könnte.
Jugendliche in Dortmund sind in einer Schule wegen des Zeigens einer Regenbogenflagge diskriminiert und angegangen worden. Der Vorfall sorgt auf vielen Ebenen für Reaktionen. © picture alliance/dpa (Symbolbild)

Am 9. Juni war ein Vorfall bekannt geworden, bei dem sich drei Jugendliche in der Robert-Koch-Realschule Diskriminierung durch eine größere Gruppe ausgesetzt sahen.

Anlass dafür war eine mitgebrachte Regenbogenflagge zum Beginn des „Pride Month“, der auf die Situation von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans- und Interpersonen (LGBTQI+) aufmerksam machen soll.

Schule veröffentlicht Stellungnahme auf der Homepage

Noch Tage danach sorgt das Thema für Gesprächsstoff. Die Schule selbst hat mittlerweile eine bereits am 9. Juni über Medien veröffentlichte Stellungnahme auf der Schul-Homepage platziert.

„Die Geisteshaltung der RKR-Schulgemeinschaft bleibt Toleranz“, heißt es hierin erneut. Man wolle sich zukünftig noch stärker mit Empathie anderen gegenüber auseinandersetzen.

Weitere Ratsfraktion äußert sich

Zuletzt äußerte sich Katrin Lögering, Ratsmitglied von Bündnis 90/Die Grünen und Teil des Schulausschusses, über soziale Medien: „Queerfeindlichkeit bleibt eine Aufgabe für uns alle, der wir uns mit aller Konsequenz politisch stellen müssen“, sagt sie.

Lögering erinnert daran, dass bereits im Dezember 2021 auf Initiative von Grünen und CDU im Rat der Ausbau der Aufklärung über LGBTQI+-Themen beschlossen worden sei.

So erhält das Bildungsprojekt SCHLAU für die nächsten zwei Jahre rund 100.000 statt zuvor 70.000 Euro. Die Einrichtung bietet Antidiskriminierungsprojekte für Schulen und Jugendgruppen an. Gestartet ist sie 2012 als ‚Schwul Lesbische Aufklärung“, seit einigen Jahren gehört auch geschlechtliche Identität zu den Arbeitsfeldern.

Die Grünen fordern die Verwaltung auf, die Mittel „schnellstmöglich für den Einsatz gegen Queerfeindlichkeit einzusetzen“.

„Die Dortmunder Verwaltung muss nun mit mehr Tempo die Erstellung des Aktionsplans voranbringen. Die eingestellten Mittel hätten schon seit Jahresanfang für erste Maßnahmen zum Einsatz kommen können“, sagt Jenny Brunner, Grünen-Ratsmitglied im Sozialausschuss.

Mit dem neuen Etat stehe Dortmund der queeren Hochburg Köln in nichts nach. „Zahlreiche LSBTIQ+-Organisationen und Gruppen in Dortmund stehen schon in den Startlöchern, um mit den Mitteln neue Projekte zur Antidiskriminierungsarbeit zu realisieren“, so Brunner.

Polizei Dortmund ermittelt

Zuletzt hatten auch das Netzwerk Slado sowie die Dortmunder Ratsfraktion FDP/Bürgerliste mehr Aufklärung für Lehrkräfte und ein klares Statement der Verwaltung gefordert.

Der SPD-Landtagabgeordnete Volkan Baran sagte: „Wir müssen dafür sorgen, dass Aufklärungsangebote präventiv stattfinden und nicht erst nachdem Schülerinnen und Schüler angegriffen oder diskriminiert wurden.“

Die Polizei Dortmund hatte nach Bekanntwerden des Ereignisses von ihrer Seite aus Anzeige erstattet und Ermittlungen aufgenommen. Zum aktuellen Sachstand gab es am Montag (13.6.) noch keine Informationen.

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