Ein Teil der Querdenker-Demonstration am 27.12. in Dortmund: In der Gruppe abgebildeten sind Mitglieder der rechten Szene in Dortmund zu sehen, dahinter trägt eine Demo-Teilnehmer ein Kind auf den Schultern. © Karsten Wickern
Meinung

Querdenker-Demos in Dortmund: Wo bleibt eigentlich der Gegenprotest?

Es gibt mal wieder Corona-Demonstrationen in Dortmund. Zuletzt wuchs die Zahl der Teilnehmer. Protest dagegen sucht man in Dortmund vergeblich. Das muss sich ändern, findet unser Autor.

Rund 650 Gegner der Corona-Politik sind am Montag (27.12.) durch Dortmund gezogen. Das waren so viele wie seit längerer Zeit nicht. In Sozialen Medien sorgen die Demo-Züge bei vielen für Empörung. Auf der Straße war davon herzlich wenig zu merken.

Hunderten Facebook-Kommentaren stand genau ein Gegendemonstrant auf der Straße gegenüber: Ein Vertreter von „Die Partei“ beschallte die Vorbeigehenden mit Musik.

Es ist an der Zeit, dass sich die Mehrheit der Menschen zeigt, die sich seit zwei Jahren gemeinsam gegen die Pandemie stemmt. Und die Straße nicht denjenigen überlassen, für die Freiheit offenbar bedeutet, anderen die Solidarität (in Form der Impfung) bewusst zu verweigern.

Eine harmlose Hülle

Am Montag zeigte sich in Dortmund ein Bild, das erst einmal nichts Bedrohliches ausstrahlte. Musik, Menschen mit Lichtern, einzelne Sprechchöre, zwischendrin Kinder. Die Menschen demonstrierten nach eigener Aussage für Themen wie „eine freie Impfentscheidung“ und „Protest gegen eine Politik der Spaltung und gegen die tägliche Panikmache in Politik und Medien“.

Doch teile dieser Bewegung haben toxisches Potenzial.

Die Corona-Proteste werden seit 2020 von Rechtsextremen mit befeuert. Wer sich diesen Protesten anschließt, ist nicht pauschal als rechts einzuordnen. Aber er (oder sie) weiß, worauf er sich einlässt.

Das gilt gerade für diejenigen, die Kinder in ein solches Setting mitbringen – einen Tag, nachdem eine solche Situation in Schweinfurt eskaliert war.

Fakt ist: Manche Kinder sind direkt neben bekannten Dortmunder Rechtsextremisten über den Wall gelaufen. Radikale sind zwar offiziell auf den Corona-Protesten nicht willkommen. Dass sie die Demos aktiv bewerben, zum Beispiel in einschlägigen Telegram-Kanälen, stört aber auch niemanden. Außerdem würde man sie ja nicht erkennen, heißt es vielfach zur Erklärung. Fakt ist: Sie sind da.

Dabei zählt sich der überwiegende Teil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Montag nach eigener Einschätzung zur „bürgerlichen Mitte“. Dieser Widerspruch deckt sich mit Beobachtungen, die im Dezember 2021 der Bundesverband der mobile Beratungsstellen gegen Rechtsextremismus veröffentlicht hatte: Die Zweifel an Impfung und Corona-Politik vereinen Milieus, die bisher keine Berührungspunkte hatten.

„Wacht auf“, riefen Demo-Teilnehmer Umstehenden zu. Das macht ihr Selbstverständnis deutlich. Sie inszenieren sich als Erleuchtete, die das verstanden haben, was 80 Prozent der Bevölkerung nicht verstanden haben.

In Wirklichkeit sind sie diejenigen, die sich dem verweigern, was die Mehrheit schafft: Sich an Regeln halten, auch wenn sie nerven und vielleicht nicht immer nachvollziehbar sind.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth

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