#RadInfraDoChallenge: 5 Dinge und Orte, die Radfahrer in Dortmund aufregen

rnProtest-Aktion

Dortmund soll das „Kopenhagen Westfalens“ werden. Da können viele Alltags-Radfahrer nur müde lächeln oder sogar herzhaft lachen. Eine neue Online-Aktion fördert viele Beispiele zu Tage.

Dortmund

, 28.07.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Kopenhagen Westfalens. Mit dieser Formulierung warb die Stadt Dortmund im November für ihr Vorhaben, den Verkehr fahrradfreundlicher zu machen. Bei ihren Einwohnern, die regelmäßig in die Pedale treten, sorgte das aber zum Großteil für eine Mischung aus Verwunderung und Spott.

„Es wird viel schön geredet“, sagt etwa Thorsten Bachner, der eine Social-Media-Aktion zum Thema ins Leben rief. #RadInfraDoChallenge sei eine ganz spontane Idee gewesen, weil er sich so über die Kampagnen der Stadtverwaltung geärgert habe, sagt der EDV-Dozent.

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„Es herrscht eine echte Diskrepanz zwischen den ‚Umsteigern‘-Plakaten und der tatsächlichen Radfahrer-Unfreundlichkeit“, sagt Bachner, der kein Auto besitzt und stattdessen seit 30 Jahren mit dem Fahrrad in Dortmund unterwegs ist.

Bei der Twitter-Aktion laden die Teilnehmer jetzt jeden Tag Fotos von Orten in Dortmund hoch, an denen Radfahrer in Probleme geraten. Damit wollen sie die Verwaltung und die Politik im Vorfeld der Kommunalwahl im September auf das Thema aufmerksam machen.

Fünf Schwerpunkte aus den Twitter-Beiträgen:

1. Besonders schlimm seien kreuz und quer parkende Autos, sagt Bachner. Und das betreffe nicht nur Radfahrer. Eltern mit Kinderwagen und Rollstuhlfahrer haben regelmäßig nicht genügend Platz auf dem Gehweg, weil sich Autofahrer zu breit machen. Unter anderem an der Hohen Straße geraten Radfahrer häufig ins Schwitzen, weil sie zum Überholen der Radweg-Parker in den 50-km/h-Verkehr auf der viel befahrenen Straße ausweichen müssen.

2. Ein weiteres Problem tritt auf, wenn bei Baustellen nicht an die Radfahrer gedacht wird. „Seit Jahren wird am Wall gegenüber des Stadtgartens gearbeitet“, sagt Bachner. Die Wegeführung an dieser wichtigen Straße nennt er „eine Katastrophe“. Motorisierter Verkehr hat an dieser Stelle drei Spuren zur Verfügung, Radfahrer müssen sich den schmalen Gehweg sehr vorsichtig mit Fußgängern teilen. Nahe des Fußballmuseums ist der Radweg sogar komplett gesperrt.

3. Radwege ohne richtige An- und Abschlüsse sind an vielen Ecken in der Stadt problematisch. An der Straße Lange Reihe in Körne müssen Radler an der Straße absteigen, das Rad über die Bordsteinkante heben und über den Fußweg schieben, um auf den dann geradeaus weiterführenden Radweg zu gelangen. Andere Radwege hören einfach plötzlich auf und lassen die Nutzer ratlos zurück.

4. Wer mit dem Fahrrad am City-Wall links abbiegen möchte, braucht schon einige Übung, um überhaupt zu sehen, wie das funktionieren soll. An der Kleppingstraße müssen Radfahrer dafür nacheinander an drei Ampeln halten, an der Hansastraße müssen sie fast mitten auf der Kreuzung stehen bleiben und dort auf das zweite grüne Licht warten.

5. An manchen Straßen fragt man sich, ob es früher schmalere Lenker gab. Auf der Ardeystraße sind die Spuren etwa so schmal, dass sich Radfahrer-Ellbogen und Auto-Außenspiegel sehr nahe kommen.

Auf einer neuen Internetseite zum Thema haben Teilnehmer der Rad-Infra-Do-Challenge formuliert: „Einige Politiker behaupten immer wieder, Dortmund sei auf dem Weg, das ‚Kopenhagen Westfalens‘ zu werden. Hier möchte ich diesen Politikern eine kleine Erinnerungsstütze bieten, die zeigt, wie lang dieser Weg noch immer ist und was sie alles versäumt haben, um diesen Weg weiterzugehen.“

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