Kritik des ADFC: Dortmund baut Radwege so schnell wie der Flughafen in Berlin entsteht

rnKurioser Radweg

Ein Bauzaun markiert das Ende eines Wegs, den viele als „Bananenradweg“ kennen. Jetzt hat die Stadt erklärt, was dort geplant ist. Der ADFC fordert: Was immer es ist, es muss schnell gehen

Kaiserstraßenviertel

, 26.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Seit fünf Jahren wartet Anwohnerin Sabine Widdermann darauf, dass der „Bananenradweg“, auf dem man fast bis nach Hörde fahren kann, auch in die Innenstadt weiterführt. Sie ist nicht allein: Der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Dortmund, Werner Blanke, kennt die Problematik ebenfalls.

„Wir haben da schon oft Ortstermine gehabt und gefordert, dass der Weg bis in die Innenstadt ausgebaut werden sollte. Seit fast einem Jahrzehnt tun wir das“, erklärt der 66-Jährige auf Anfrage der Redaktion. Er glaubt, dass eine Verlängerung „ohne riesige Arbeit“ machbar sei. „Uns wird aber immer gesagt, wie kompliziert das ist.“

Stadt hat das Thema seit Jahren auf dem Schirm

Mittlerweile hat auch die Stadtverwaltung Stellung zu dem Thema genommen. Das Radwegvorhaben hat man dort seit mehreren Jahren auf dem Schirm. Die CDU-Fraktion hatte zum Beispiel im August 2015 nach einer Fertigstellung des Rad- und Fußweges gefragt.

Die Antwort vom Juni 2016: „Das Planrecht der Bebauungspläne [...] setzt im nördlichen Bereich der Gesamtfläche eine öffentliche Grünfläche mit Fuß- und Radweg fest.“ Man gehe davon aus, „dass die Gesamtanlage im Jahr 2018 zur Verfügung steht“.

Kritik des ADFC: Dortmund baut Radwege so schnell wie der Flughafen in Berlin entsteht

Hier werden die Radler auf die Güntherstraße geleitet. Dann geht es im Stadtverkehr weiter. © Martina Niehaus

Doch dann gibt es Verzögerungen. Auf Anfrage des Ausschusses für Bauen, Verkehr und Grün, wann denn mit einer Verlängerung des Rad- und Fußweges zu rechnen sei, gibt es im April dieses Jahres eine weitere Stellungnahme. Und die hört sich in der Tat kompliziert an.

Die Flächen seien zwischenzeitlich gerodet worden, neben Überflutungs- und Bodengutachten liege auch „das Gutachten zum Bau der Stützwand im Bereich der Weißenburger Straße vor“. Diese Maßnahmen hätten dafür gesorgt, dass die Kosten überarbeitet werden mussten. Eine Bewilligung sei „nicht vor dem Jahreswechsel 2019/2020 zu erwarten.“

Verzögerungen: Hochwasserschutz und Warten auf Fördermittel

Pressesprecher Christian Schön hat jetzt auf Anfrage der Redaktion noch „zusätzlich notwendige Maßnahmen für den Hochwasserschutz“ genannt. „Regenrückhaltebecken mussten in der Folge neu geplant werden.“ Diese Planung sei zwischenzeitlich abgeschlossen und die Fördermittelzusage der Bezirksregierung Arnsberg stehe noch aus.

„Anschließend muss noch ein geänderter Baubeschluss durch die Politik erfolgen, dem schließt sich dann ein Ausschreibungsverfahren an. Nach heutiger Einschätzung ist daher mit einem Baubeginn möglicherweise in der ersten Jahreshälfte 2020 zu rechnen“, teilt Christian Schön mit.

ADFC sagt: „Unendlich lange Umsetzung frustriert“

Karl-Heinz Kibowski organisiert seit mehr als drei Jahrzehnten Radtouren für den ADFC. Er sagt: „Radwege werden in Dortmund so schnell gebaut wie der Flughafen in Berlin.“ Dann lacht er: „Die erste Jahreshälfte ist ja lang, die kann bis zum 30. Juni dauern.“

Kritik des ADFC: Dortmund baut Radwege so schnell wie der Flughafen in Berlin entsteht

Werner Blanke (66) ist Vorsitzender des Dortmunder ADFC. © Peter Bandermann

Auch Vorsitzender Werner Blanke freut sich zwar darüber, dass die Umsetzung geplant ist. Doch er versteht nicht, warum es so lange dauert. „Es ist wirklich frustrierend, wenn solche Maßnahmen unendlich lange für die Umsetzung brauchen. Der Wille der Bevölkerung hat inzwischen die Arbeit des Tiefbauamtes überholt.“

Beide ADFC-Mitglieder hoffen trotzdem darauf, dass der Rad- und Fußweg endlich Fahrt aufnimmt. Auch wenn es noch nach mühsamem Strampeln im ersten Gang klingt. Blanke: „Das würde vielen Radfahrern eine deutliche Erleichterung bringen. Das Überqueren der Klönnestraße ist in der Verkehrshauptzeit kaum zu bewältigen.“

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