Die Dortmunder Stadtwerke müssen immer mehr Geld in die Steag pumpen. © picture alliance / dpa
Energiewende

RAG-Stiftung steigt bei Rettung der Steag aus – DSW21 braucht neue Lösung

Neue Wendung bei der kriselnden Steag: DSW21, größter Eigentümer von Steag, muss auf die Hilfe der RAG-Stiftung bei der Sanierung des Stromversorgers verzichten. Die Stiftung zieht sich zurück. Und nun?

Im Dezember 2020 erklärte Dortmunds OB Thomas Westphal im Rat der Stadt, das Treuhand-Modell der RAG-Stiftung sei „der beste Weg, den wir gehen können“. Kaum waren die ersten Schritte gemacht, ist der Weg auch schon zu Ende: Die Idee, die RAG-Stiftung möge den kriselnden Kohleverstromer für die kommunalen Eigentümer sanieren, neu ausrichten und zum Verkauf anbieten, ist gescheitert. Die RAG-Stiftung zieht sich aus ihrem Engagement bei Steag zurück.

Geplatzt sind damit auch die Pläne, die Anteile der kommunalen Eigentümer bis zum Abschluss der Sanierung Ende 2023 in die treuhändische Verwaltung der Stiftung zu übergeben. Größter Steag-Eigentümer ist DSW21 mit 36 Prozent. Wie es heißt, sollen die finanzierenden Banken statt der RAG-Stiftung auf einen Treuhänder gedrängt haben, der über Erfahrung bei der Sanierung von Untenehmen verfüge. Und nun? Soll ein neuer Treuhänder her.

Der scheint wohl auch schon gefunden: Die Wahl fällt auf Dr. Jan Markus Plathner aus Frankfurt. Er ist als Sanierungsberater und Insolvenzverwalter tätig. Seine Aufgabe: Plathner soll den Umbau von Steag zu einem Anbieter für Erneuerbare Energien begleiten und überwachen. Am laufenden Sanierungsplan für das Essener Energieunternehmen soll festgehalten werden.

Aufsichtsräte werden eingeweiht

Angelehnt an das Modell der RAG-Stiftung soll nun Plathner die Anteile der sechs Eigentümer aus Dortmund, Duisburg, Bochum, Essen, Oberhausen und Dinslaken in eine GmbH einbringen und treuhändisch verwalten. Für die Umsetzung des Sanierungsplans in der Steag-Chefetage ist der Düsseldorfer Berater Ralf Schmitz (Schmitz & Partner) zuständig. Er soll im Industriesektor über große Erfahrung mit Sanierungen verfügen, heißt es.

Die Verträge mit der RAG-Stiftung sind nun hinfällig. Die Eckpunkte der neuen Verträge sollen den DSW21-Aufsichtsräten in einer Sondersitzung am Donnerstag, 9. September, vorgestellt werden. Auch der Rat der Stadt muss dem neuen Modell zustimmen – vorgesehen ist die Ratssitzung am Donnerstag, 23. September.

Welche konkreten Änderungen auf DSW21 und die weiteren kommunalen Eigentümer zukommen, wird aktuell noch nicht kommuniziert. Eine erneute Finanzspritze müssen die Steag-Gesellschafter nicht aufziehen, heißt es. Das wäre in der Politik auch kaum durchsetzungsfähig: Schließlich hat der Rat erst vor Monaten DSW21 die Erlaubnis erteilt, weitere rund 15 Millionen Euro zur Stabilisierung von Steag nachzuschießen. 2019 waren es 56 Millionen Euro.

Rat entscheidet über Verkauf

Wie es heißt, soll sich die Ertragslage von Steag inzwischen verbessert haben. Dazu hat auch die jüngste und dritte Stilllegungsaktion der Bundesnetzagentur beigetragen: Steag hat den Zuschlag für die Kraftwerke Bergkamen und Fenne (Völklingen) erhalten – und erwartet dafür eine Prämie von rund 110 Millionen Euro. Sie soll im November 2022 fließen.

Dessen ungeachtet will sich die Mehrheit der kommunalen Eigentümer nach der Sanierung von Steag verabschieden. Der 1,2 Milliarden schwere Kauf des in die Krise geratenen Stromproduzenten hat sich in weiten Teilen zu einem Zuschussgeschäft entwickelt. An eine direkte Ausschüttung von Steag an die Eigentümer ist vorerst nicht zu denken. Zum Vergleich: Beim Kauf von Steag hatte DSW21 rund 135 Millionen Euro Eigenkapital beigesteuert – alle weiteren Finanzspritzen nicht eingerechnet. Zuletzt hatten die Anteile noch einen Buchwert von 58 Millionen Euro.

Die ganze Hoffnung der Eigentümer ruht nun auf dem Umbau von Steag zu einem Erzeuger für Erneuerbare Energien. Die Überlegung: Ist der Wert des Unternehmens gestiegen, könnte Steag 2024 verkauft werden und so einen Großteil des bisherigen Minus-Geschäftes wieder einspielen. Ob DSW21 seine 36 Prozent ebenfalls anbietet, ist offen. Die Entscheidung trifft der Rat der Stadt.

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Freier Mitarbeiter
Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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