Raser im Erdbeerfeld: Eltern sorgen sich um Sicherheit ihrer Kinder

rnNeubaugebiet Erdbeerfeld

Schon vor einem Jahr haben Familien die Bezirksvertretung auf Raser in einer verkehrsberuhigten Zone des Neubaugebiets Erdbeerfeld hingewiesen. Jetzt liegt die Antwort der Stadtverwaltung vor.

Mengede

, 29.07.2020, 14:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Thea ist knapp eineinhalb Jahre alt. Sie steht mit Mutter Kathrin vor der Haustür in der Sanitätsrat-Hallermann-Straße. Gegenüber sieht sie ihre Freundin Sophie am Gartenzaun und läuft los. Kathrin Pothmann zögert keinen Augenblick und läuft hinterher. Aus gutem Grund.

Wenn sich alle an die Straßenverkehrsordnung hielten, wäre es für Thea kein Problem, die Straße im Neubaugebiet Erdbeerfeld zu überqueren. Hier ist eine verkehrsberuhigte Zone – gekennzeichnet durch ein 50 Meter entfernt stehendes Schild: Es zeigt ein Ball spielendes Kind mit einem Erwachsenen auf blauem Grund.

Das Schild, das auf die verkehrsberuhigte Zone hinweist, hängt 3,50 Meter hoch - zu hoch womöglich, um von Autofahrern beim Einbiegen in die Sanitätsrat-Hallermann-Straße bewusst wahrgenommen zu werden.

Das Schild, das auf die verkehrsberuhigte Zone hinweist, hängt 3,50 Meter hoch - zu hoch womöglich, um von Autofahrern beim Einbiegen in die Sanitätsrat-Hallermann-Straße bewusst wahrgenommen zu werden. © Uwe von Schirp

Landläufig werden so gekennzeichnete Wegeflächen als „Spielstraße“ bezeichnet. Straßenverkehrsrechtlich sind sie das zwar nicht. Aber: „Wer ein Fahrzeug führt, muss mit Schrittgeschwindigkeit fahren. Wer ein Fahrzeug führt, darf den Fußgängerverkehr weder gefährden noch behindern; wenn nötig, muss gewartet werden.“

So steht es in Anlage 3 der Straßenverkehrsordnung. Und weiter: „Wer zu Fuß geht, darf die Straße in ihrer ganzen Breite benutzen; Kinderspiele sind überall erlaubt.“ Nur: All das missachten die meisten Autofahrer in der Sanitätsrat-Hallermann-Straße.

Beim Ortstermin mit unserer Redaktion fahren innerhalb von 30 Minuten geschätzt 20 Autos vorbei. Nur zwei halten sich annähernd an die Schrittgeschwindigkeit. Wie schnell das genau ist, darüber sind Gerichte unterschiedlicher Auffassung: zwischen 5 und 15 km/h.


Ein Auto steht an diesem Morgen auf einer gekennzeichneten Parkfläche.

Ein Auto steht an diesem Morgen auf einer gekennzeichneten Parkfläche. Auf der Gegenspur ist genug Platz, um weiterzurasen. Läuft ein Kind aus der Einfahrt, könnte es zu einem Unfall kommen. © Uwe von Schirp

Die Straße ist 5,50 Meter breit. Lediglich ein Auto steht an diesem Morgen auf einer gekennzeichneten Parkfläche. Der gerade Straßenverlauf lädt geradezu zum zügigen Durchfahren ein.

Sorgen der Familien sind nicht neu

Schon vor einem Jahr haben sich die Familien Pothmann und Siebert Sorgen um ihre beiden Mädchen und die Kinder in der Nachbarschaft gemacht. Im Erdbeerfeld wohnen viele junge Familien. „Wir sind gerade wegen der verkehrsberuhigten Wohnlage hierher gezogen“, sagt Kathrin Pothmann.

Ihr Mann Sascha und Nachbar Martin Siebert trugen am 26. Juni 2019 ihre Sorgen der Mengeder Bezirksvertretung vor. Und brachten eine Liste von Vorschlägen mit, wie den Rasern Einhalt geboten werden könne: Piktogramme auf der Fahrbahn etwa, Bodenerhebungen aus Kunststoff oder Poller an den Parkflächen, die auch ohne parkende Autos den Straßenraum einengen. Geschwindigkeitsmessungen könnten ein Übriges tun.

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Erst ein Jahr später antwortet das Tiefbauamt den Bezirksvertretern: „Eine punktuelle räumliche Einschränkung des Straßenraumprofils, wie z.B. durch Baumscheiben, ist prinzipiell herstellbar, beschränkt erfahrungsgemäß die Benutzbarkeit der Garagen und Einstellplätze teilweise erheblich, ohne die Verkehrssicherheit jedoch nachhaltig zu verbessern“, heißt es in dem knappen „Abschlussbericht“.

Schließlich: „Andere bauliche Maßnahmen zur Geschwindigkeitsreduzierung sind hier nicht herstellbar.“ Eine Baumscheibe befindet sich jedoch 50 Meter weiter – genau an der Stelle, wo der Straßenverlauf verschwenkt und die freie Fahrt ohnehin ausbremst.

Antwort der Verwaltung stellt Familien nicht zufrieden

Die Familien Pothmann und Siebert stellt die Antwort des Tiefbauamtes nicht zufrieden. „Inwiefern schränken denn Piktogramme oder Bodenerhebungen die Benutzbarkeit von Garagen und Stellplätzen ein?“, fragt Kathrin Pothmann.

„Wir haben selbst schon fast alles gemacht, was man machen kann.“ Pothmanns haben eine Mülltonnenverkleidung aus ihrem Haus-Zugang entfernt und einen orangefarbenen „Streetbuddy“ in den Vorgarten gestellt. Der weist auf spielende Kinder hin.

„Aber ist es unsere Aufgabe, den Verkehr in der Spielstraße zu regeln?“, fragt Kathrin Pothmann in einer E-Mail an Bezirksverwaltungsstellenleiterin Antje Klein. „Was muss passieren, damit etwas passiert? Bitte leiten Sie dieses Anliegen erneut weiter.“

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