Rassistisches Graffito am Ex-Sex-Kino? Künstler wehren sich gegen den Vorwurf

rnNordstadt

Ein Wandbild in der Nordstadt sorgt für Kontroversen. Die Künstler widersprechen jetzt dem Rassismus-Vorwurf energisch - und doch steht die Frage im Raum, ob das Kunstwerk verändert wird.

Dortmund

, 20.12.2019, 07:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

An der Münsterstraße ist seit Ende November ein metergroßes Graffito auf der Hausfassade des früheren Sex-Kinos zu sehen. Darauf ist ein brüllender Gorilla zu sehen, daneben steht der Ausspruch „Welcome to the jungle“ („Willkommen im Dschungel“).

Deniz Greschner, Islamische Theologin an der Uni Osnabrück und an der FH Dortmund, bezeichnet in einem Meinungsbeitrag in unserer Rubrik „Klare Kante“ die Botschaft des Bildes als „rassistisch“ und „menschenverachtend“, weil negative Rollenbilder von dunkelhäutigen Menschen damit transportiert würden.

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Künstlergemeinschaft stellt sich den Vorwüfen

Von den beteiligten Künstlern und Planern der Kunstaktion erntet die Wissenschaftlerin nun energischen Widerspruch. Jetzt hat die siebenköpfige Künstlergemeinschaft, die das Bild erstellt hat, gemeinsam mit dem Sozialen Zentrum als Initiator der Idee eine Stellungnahme veröffentlicht.

In der Stellungnahme heißt es zu den Reaktionen auf das Graffiti: „Unsere Künstlergemeinschaft möchte ihr Bedauern ausdrücken. Wir haben völlig andere Absichten mit dem Bild verfolgt. Graffiti steht eigentlich für Toleranz und ein Graffiti ist bunt. Dass unser Bild rassistisch interpretiert werden könnte, haben wir schlichtweg nicht bedacht.

Das Bild hat eine Diskussion über kultur- und diskriminierungssensiblen Sprachgebrauch eröffnet. Gerne sind wir bereit, über die angestoßenen Dialoge dazu zu lernen. Gut daran ist, dass Kunst zur Reflexion einlädt.“

Zur Wahl des Motivs schreiben die Künstler: „Ein Gorilla ist ein wunderschönes und starkes Tier. Wir hatten auch im Vorfeld ganz andere Assoziationen mit dem Begriff Dschungel. (...) Es sollte das urbane, politisch bewusste, ökologische und neue Lebensgefühl der Städter*innen angesprochen werden, wie auch bereits in vielen anderen Motiven der Nordstadt.“

Und weiter: „(...) Für uns war es auch eine Metapher für Stärke und Selbstwirksamkeit. Auch die Zustimmungen der vielen Passant*innen während der Projektrealisierung ließ keine Rückschlüsse zu, dass sich jemand aus der Nordstadt beleidigt fühlen könnte.“

Die Künstlergemeinschaft kommentiert den Rassismus-Vorwurf wie folgt: „(...)Dieser Umstand widerspricht unseren ursprünglichen Absichten zutiefst, da wir uns in aller Deutlichkeit von jeglichem Rassismus distanzieren - auch von dem unbeabsichtigten. (...) Wir nehmen die anderen Interpretationsmöglichkeiten sehr ernst! Wir entschuldigen uns bei den Bewohner*innen der Nordstadt.

Wir wissen, so ein Vorwurf trotz guter Absichten und ehrenamtlichen Einsatzes wiegt schwer und schmerzt, denn auch unsere bunte Gemeinschaft besteht aus Künstlern unterschiedlicher Kulturen, teilweise mit Wurzeln in der Nordstadt. Wir hätten eine differenziertere Kritik, die auch die Absichten berücksichtigt, ebenfalls verstanden. Wenn doch nur alle diskriminierenden Verhältnisse so deutlich kritisiert werden würden.“

Veranstaltung mit Nordstadt-Bewohnern

Für das Soziale Zentrum kommentieren die Vorstände Isabel Cramer und Heike Heymann-Pfieffer und Tim Klockenbusch, Fachbereichsleiter in der Beratungsstelle Westhoffstraße den Vorgang: „Wir sind sehr erschrocken über die Reaktionen auf das Graffito. Gerne würden wir uns hiermit bei allen, die wir damit beleidigt und diskriminiert haben, in aller Form entschuldigen. Wir wollten ein Kunstprojekt fördern und den Zugang zur Nordstadt für alle schöner und bunter gestalten. (...) Wir begrüßen ausdrücklich die Diskussionen und Auseinandersetzungen, welche aktuell stattfinden.“

Für Januar 2020 kündigt das Soziale Zentrum eine „lernende, respektvolle und konstruktive Diskussion“ mit Nordstadt-Bewohnern an. Es dürfte auch die Frage diskutiert werden, ob das Motiv und der Schriftzug noch einmal geändert werden sollten, wie es jetzt schon einige Dortmunder vorschlagen.

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