Rat genehmigt Moschee-Baupläne in Lindenhorst

Aus dem Rat

Die Bezirksvertretung Eving bleibt bei ihrem „Nein“ für zwei Moschee-Neubauten an der Lindenhorster Straße. Ausschlaggebend ist das allerdings nicht, denn der Rat sagt „Ja“.

Eving

, 14.12.2018, 04:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Rat genehmigt Moschee-Baupläne in Lindenhorst

So könnten die neuen Moscheen an der Lindenhorster Straße aussehen. © Grafik Westnews

Die Bezirksvertretung Eving bleibt bei ihrem „Nein“ zum geplanten Bau von zwei Moscheen an der Lindenhorster Straße. In der Dezember-Sitzung erklärte SPD-Fraktionssprecherin Gabriele Hammacher, SPD und CDU würden an ihrer Haltung aus der September-Sitzung festhalten.

Damals hatte es wörtlich geheißen: „Aus Sicht der Bezirksvertretung ist der geplante Standort für einen Sakralbau in der vorgelegten Form ungeeignet. Anders als die Verwaltung sind wir der Auffassung, dass die Zulassung des Vorhabens sehr wohl eine schleichende Wandlung der Gebietsstruktur zur Folge haben würde. Der geplante Bau mit Kuppel und Minarett würde die Struktur eines Gewerbegebietes nachhaltig verändern.“ Außerdem befürchten die Politiker, dass die beiden Gebäude den Bau der Nordspange negativ beeinflussen.

„Abwägung“

Die Bezirksvertretung hatte die Verwaltung beauftragt, mit den Antragstellern Gespräche zu führen, mit dem Ziel, zumindest auf die Minarette zu verzichten. Wie Anfang dieser Woche bereits berichtet, waren diese Gespräche jedoch weitgehend erfolglos. Die beiden Grünen-Vertreter stimmten für den Bau.

An der Sitzung in der Bezirksverwaltungsstelle nahmen einige Anwohner teil, denen dieses „Nein“ der Bezirksvertretung offenbar nicht weit genug ging. Sie hätten sich eine noch entschiedenere Ablehnung der Neubauten gewünscht und verließen die Sitzung, indem sie die Volksvertreter zum Teil wüst beschimpften.

Ändern wird das Votum der Bezirksvertretung übrigens nichts an den Bauplänen der beiden Moscheen. Der Rat gab am Donnerstag mit den Stimmen von SPD, CDU, Grünen und Linken grünes Licht für den Bau. SPD und CDU verwiesen darauf, dass es nur um die Baugenehmigung gehe, auf die beide Bauherren einen Rechtsanspruch hätten.

Ein Offener Brief

Inzwischen haben sich auch die Katholische Stadtkirche Dortmund und der Evangelische Kirchenkreis Dortmund, Lünen, Selm zum Thema geäußert. In einem offenen Brief an Bezirksbürgermeister Oliver Stens und die Fraktionsvorsitzenden heißt es in dem Schreiben: „Wir sehen die Vorhaben auch im Zusammenhang mit dem hohen Gut der Religionsfreiheit in Deutschland. Darüber hinaus wissen wir aus vielen Kontakten zu Muslimen in der Stadt, wie wichtig es für sie ist, aus Hinterhofmoscheen in würdige Gotteshäuser zu wechseln. Wir meinen aber, dass es mit dem anstehenden Beschluss in BV und Rat und dem folgenden Errichten der Bauten nicht getan ist. Uns geht es um eine weitergehende Perspektive.“

Der Beschluss der Bezirksvertretung Eving vom September verweise auf grundsätzliche Fragen, denn es sei vom „subjektiven Empfinden“ und „widerstreitenden Interessen“ die Rede und bei einem der Bauvorhaben werden Unklarheiten über die grundsätzliche religiöse und gesellschaftliche Ausrichtung formuliert.

„Fremdheit abbauen“

Letztlich schlagen die beiden Kirchen vor, einen Runden Tisch zu gründen, der die Bauprojekte in Zukunft begleitet. An ihm sollen Vertreter der muslimischen Gemeinschaften und Akteure aus Bezirksvertretung und Stadtteil teilnehmen, um sich über die Fortentwicklung der beiden Bauvorhaben auszutauschen, offene Fragen zu erörtern und vorhandene Fremdheiten abzubauen. Vertreter der Moscheevereine hätten ihre grundsätzliche Bereitschaft für einen solchen Weg signalisiert.

Der Brief, den die Pfarrer Friedrich Stiller und Ansgar Schocke unterzeichnet haben, wirbt für ein friedliches Miteinander der unterschiedlichen Religionsgemeinschaften in Dortmund.

Die Mehrheit im Rat begrüßte am Donnerstag das Angebot der Kirchen, einen Runden Tisch moderieren zu wollen. „Wir halten einen solchen Bürgerdialog für wichtig“, erklärte SPD-Ratsfrau Monika Lührs. Man sei sehr froh über das Angebot der Kirchen, sagte auch Uta Schütte-Haermeyer von den Grünen. Sie sieht den Bau der Moscheen generell als „positives Zeichen für die Integrationsbereitschaft.“

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