Rathaus-Sanierung: Dortmunder Handwerker fürchten, keine Aufträge zu kriegen

rnUmbau-Pläne

Rund 33,9 Millionen Euro gibt die Stadt für die Sanierung ihres Rathauses aus. Ein Auftragsvolumen, von dem auch Dortmunder Firmen profitieren sollen. Einige Betriebe melden aber Zweifel an.

Dortmund

, 26.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Rainer Limberg zeigte sich zuversichtlich. „Wir sind sicher, dass die Termine eingehalten werden“, sagte der Chef der städtischen Immobilienwirtschaft bei der ersten Infoveranstaltung zur bevorstehenden Rathaus-Sanierung. Rund 80 Besucher, darunter etliche Vertreter von Bau- und Handwerksfirmen, hatten sich am Montag (24. Juni) in der Bürgerhalle des Rathauses eingefunden.

Dort erklärten Limberg und weitere Akteure aus der Verwaltung die Spielregeln für die Auftragsvergabe zur Rathaus-Sanierung. Sie soll am 16. 11.2020 starten und fast auf den Tag genau zwei Jahre später mit dem Wiedereinzug des Personals am 29.11. 2022 enden. „Die Bauzeit ist auskömmlich, da ist Puffer drin“, sagte Limberg. Bis zu 50 Handwerker täglich würden im Rathaus beschäftigt sein.

Peter Burmann, Prokurist des gleichnamigen Dachdeckerbetriebs, hörte aufmerksam zu. Ob es trotz voller Auftragsbücher noch freie Kapazitäten für Arbeiten am Rathaus gebe? „Alles eine Frage von Planung und Zeit", so Burmann. Natürlich müsse ein Angebot genau durchgerechnet werden. „Aber wir werden wohl abgeben“, sagte Burmann.

Gewerke werden nicht einzeln vergeben

Gut möglich, dass sich einige Firmen den Schritt zweimal überlegen. Sie müssen Konsortien bilden, um an Aufträge zu kommen. Die Stadt will die Gewerke bei dieser großen Sanierungsmaßnahme nicht einzeln ausschreiben, sondern drei verschiedene Lose bilden: Die Fenster-, Fassaden- und Dacharbeiten werden ebenso in einem Los gebündelt wie der Hochbau/ Innenausbau und die Technische Gebäudeausstattung.

Dirk Rutenhofer, Chef von Weckbacher Sicherheitssysteme, gab sich ernüchtert: „Das wird schwierig. Ich glaube nicht, dass es eine Dortmunder Firma gibt, die jedes Los komplett abarbeiten könnte.“

Betriebe sollen Konsortien bilden

Ralf Marx, Obermeister der Sanitär- und Heizungstechnik-Innung, pflichtete ihm bei. „Dann kommen wir nicht zum Zuge. Ich kenne beispielsweise keine Dortmunder Firma, die eine Sprinkleranlage baut.“ Seine Befürchtungen gehen noch weiter: Wenn Konsortien bzw. Bietergemeinschaften gebildet würden, müsse einer der Bieter „die Federführung übernehmen“. Im Klartext: Er müsse für die gesamte Bietergemeinschaft haften.

„Das können die Betriebe gar nicht“, wandte Marx ein. „Am Ende läuft es doch auf einen auswärtigen Generalunternehmer hinaus.“ Bemüht, die anfänglich gute Stimmung in der Bürgerhalle nicht in Ernüchterung umschlagen zu lassen, warb OB Ullrich Sierau für das geplante Vergabeverfahren – sagte aber zu, „zur Not noch einmal umsteuern“ zu wollen.

Firmen sollen dann Angebote nachlegen

Am 18. November 2019 will die Stadt interessierte Firmen zu einer zweiten Info-Veranstaltung einladen. Der Startschuss für die europaweite Ausschreibung fällt am 2. März 2020. Die Betriebe haben dann einen Monat Zeit, bei der Stadt ihre Visitenkarte einzureichen. In einem zweiten Schritt werden fünf Firmen aufgefordert, bis zum 18. Mai 2020 konkrete Angebote nachzulegen. Am 10. August 2020 steht fest, wer den Zuschlag bekommt.

„Grundsätzliches Interesse“ meldet auch Stefan Rundholz, Geschäftsführer des gleichnamigen Bauunternehmens. Erst habe er sich über das Volumen von 33,9 Millionen Euro gewundert, sagte er. Jetzt sei klar, dass es weniger um Eingriffe in den Rohbau gehe. Sondern im Kern um die marode Haustechnik wie Elektro-, Lüftungs- und Kälteanlagen, die sich oft in Wänden, Decken und Fußböden verstecke. „Technische Gewerke sind die teuersten“, weiß Rundholz.

Das Rathaus ist 1989 vor 30 Jahren eröffnet worden. Ende Oktober 2020 werden die Pforten für zwei Jahre geschlossen.

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