Karstadt-Mitarbeiter und Kunden zwischen Freudentränen und Einkaufsalltag

rnGroße Gefühle

Es ist ein Tag voller Emotionen - besonders für die Mitarbeiter der Dortmunder Karstadt-Filiale. Aber auch bei den Kunden des Dortmunder Kaufhauses kullerte die ein oder andere Freudenträne.

von Franka Doliner

Dortmund

, 04.07.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Karstadt-Filiale am Westenhellweg in Dortmund ist nicht von den Schließungen des Konzerns betroffen - diese Nachricht hat am Freitagmorgen die Mitarbeiter des Hauses und viele Dortmunder aufatmen lassen.

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Unterschriftenlisten haben Wirkung gezeigt

Unterschriftenlisten wurden mit Namen gefüllt und die Beschäftigten standen mit schwarzen Luftballons vor dem Gebäude. Ein stiller Protest, der offenbar Wirkung gezeigt hat. Der Dortmunder Karstadt darf bleiben.

Fast ein ganz normaler Freitagmittag bei Karstadt Dortmund

Wer nicht weiß, welche Nachricht die Mitarbeiter heute Morgen erreicht hat, dem kommt dieser Freitagmittag zwischen Haushaltswaren und Schuhen wahrscheinlich nicht besonders vor. Die typische Kaufhausmusik wird von einer Durchsage unterbrochen: „Unsere Koffer sind reduzier.t“ Zwei Frauen freuen sich über die Sales in der Modeabteilung und durchwühlen gleich die Aufsteller. Einige Männer sitzen in Sesseln neben den Kabinen, den Kopf auf die Hand gestützt. Die Kassen piepen monoton. Es wirkt wie ein ganz normaler Freitagmittag. Schaut man aber in die Gesichter der Beschäftigten, sind die Spuren, die der Morgen hinterlassen hat, noch klar zu erkennen.

Bei den Mitarbeitern kullern die Tränen

Für die Mitarbeiter der Filiale ist es ein sehr emotionaler Tag. „Wir freuen uns alle sehr“, sagt eine Mitarbeiterin. Sie arbeitet seit 18 Jahren bei Karstadt, etwas anderes kann sie sich nicht mehr vorstellen. Eine andere Beschäftigte erzählt: „Wir haben alle Freudentränen vergossen“, dabei kullert ihr gleich die nächste über die Wange.

Die Dortmunder Kunden freuen sich mit

Große Freude bei den Kunden: Eine Dortmunder Innenstadt ohne Karstadt? Das kann sich auch Inge Borkowski nicht vorstellen. Die 90-Jährige wurde in Dortmund geboren. „Einen Besuch der Innenstadt ohne zu Karstadt zu gehen, kann ich mir gar nicht vorstellen“, sagt sie. Darum freut sie sich sehr, dass die Filiale erhalten bleibt. So wie Inge Borkowski geht es vielen.

Auch für Ilonka Wehrs gehört es zu einem Marktbesuch dazu, einmal durch Karstadt zu schlendern. „Karstadt ist doch sehr präsent, für mich gehört das Geschäft zu Dortmund. Deswegen finde ich es auch wichtig, dass es bestehen bleibt“, sagt sie. Silvia Hönke aus Lünen freut sich, dass Karstadt in Dortmund bleibt und meint: „Sonst würde etwas fehlen, auch für die Umgebung.“

Ein anderer Kunde war überrascht, dass eine Schließung überhaupt zur Debatte stand. „Der Standort ist doch sehr wichtig, auch als Magnet für die anderen Einzelhändler“, meint er und öffnet die Glastür zum Kaufhaus.

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„Ohne Karstadt würde in Dortmund etwas fehlen“

Eine Kundin spricht eine Karstadt-Mitarbeiterin an. Sie lachen. „Dass mich Kunden ansprechen, ist mir heute schon öfter passiert“, erzählt die Mitarbeiterin, „die freuen sich alle mit uns“. „Eine Kundin musste gleich mitweinen, als mir die Tränen kamen“, lacht sie. Seit über 20 Jahren arbeitet sie in der Karstadt-Filiale am Westenhellweg. Wäre die Entscheidung anders ausgefallen und die Filiale hätte schließen müssen, wäre es aber nicht nur ihr Job gewesen, dem sie hinterher trauert. „Ohne Karstadt würde in Dortmund wirklich etwas fehlen. Wo kaufe ich denn dann meine Bettwäsche? Dann bleibt wirklich nur noch das Internet“, sagt sie.

Auch Felix Kirk denkt an die Dortmunder, für die das Kaufhaus wirklich wichtig ist: „Viele ältere Bürger können oder wollen auch nicht alles im Internet kaufen.“ Er freut sich wie viele andere mit den Beschäftigten, dass die Filiale bestehen bleibt.

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Zukunft für zwei weitere Dortmunder Häuser ist noch offen

Für die Karstadt Mitarbeiter in der Filiale am Westenhellweg geht eine Phase der Unsicherheit zu Ende, der alle hat aufatmen lassen. Die Beschäftigten der anderen beiden Dortmunder Häuser von Galeria Kaufhof Karstadt müssen noch weiter zittern. Die Entscheidung über ihre Zukunft wurde noch nicht getroffen.

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