Die Schülerinnen (v.l. Nika Mišković, Valentina Schüler, Linus Ebner) und der Physiklehrer (Alexander Darkow) © Dürkopp
Premiere im Schauspielhaus

Regieassistentin Anna Tenti inszenierte „Mädchenschule“ spannungsreich

Zum Auftakt des Festivals „Summer Up 7“ präsentierte das Schauspielhaus im Studio eine deutschsprachige Erstaufführung: Regieassistentin Anna Tenti hat „Mädchenschule“ spannend inszeniert.

Das Theaterfestival für Theaterassistenten und Nachwuchskünstler „Summer Up“ startete am Freitag in seine siebte Runde und kooperiert in diesem Jahr mit dem Schauspiel Dortmund. Das Wochenende über waren Arbeiten aus der freien Szene, dem Nationaltheater Mannheim, dem Staatstheater Hannover, dem Schauspiel Dortmund und ein Studierendenprojekt im Schauspielhaus zu sehen.

Zum Auftakt präsentierte die Regieassistentin Anna Tenti ihre dramaturgisch dichte Inszenierung im fast ausverkauften Studio: „Mädchenschule“ von Nona Fernández – als deutschsprachige Erstaufführung.

Vielschichtiges Spiel verbindet Vergangenheit mit Gegenwart

Die Autorin Fernández verbindet die Vergangenheit und die Gegenwart zu einem vielschichtigen Spiel. Da sind die drei Mädchen, die einst gegen die Pinochet-Diktatur und für Demokratie kämpften, die ihre Schule besetzten. Sie kriechen nun auf ihrem Versteck und treffen in der Mädchenschule auf einen Physiklehrer, der unter Panikattacken leidet.

Während die Schülerinnen glauben, rund fünf Monate im Dunkeln ausgeharrt zu haben, sind in Wirklichkeit 30 Jahre vergangen. Doch es scheint sich nichts geändert zu haben: Vor der Schultür gibt es wieder Proteste und die Staatsmacht geht brutal gegen die Demonstranten vor.

Kämpferinnen halten brummendes Smartphone für einen Sprengsatz

Zwar lernen die Schülerinnen in einer improvisierten Physikstunde, dass die Zeit relativ ist. Doch zunächst wissen weder die Mädchen noch der Lehrer (überzeugend: Alexander Darkow), dass sie sich in unterschiedlichen Zeiten wähnen.

Das führt zu komischen Situationen. So halten die revolutionären Mädchen das brummende Smartphone des Lehrers für einen Sprengsatz und suchen in Guerilla-Taktik geschult Deckung.

Funktionale Bühne und kunstvolles Videokonzept

Für das aktionsreiche Spiel hat Bühnenassistentin Christiane Thomas zahlreiche riesige Tafeln auf der Spielfläche verteilt. Auf denen kritzelt nicht nur der Lehrer, sondern auch Fuenzalida, mit Linus Ebner besetzt, der dieses Mädchen meist verwirrt guckend gibt, für Kritzeleien nutzt, da er nach seiner Festnahme stumm ist.

Lena C. Kremer hat alle in weiße Kostüme gesteckt und die Schülerinnen mit identischen langhaarigen, ebenfalls weißen Perücken ausgestattet. Das kommt ihrem tollen Videokonzept zu Gute. Denn wenn Szenen aus der Vergangenheit gespielt werden, wechselt das Licht und kunstvolle Videos flackern über die Protagonisten, die nach ihrem 90-minütigen Spiel ausgiebig bejubelt werden.

Die nächsten Termine im Studio

Die nächsten Vorstellungen sind am 20., 21., 27. und 31. Oktober sowie am 6. und 17. November im Studio des Schauspielhauses. Karten gibt es unter Tel. 0231 5 02 72 22 und im Internet auf: www.theaterdo.de

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