Reise-Experte: Corona-Urlaubsregeln „widersprechen jeder Logik“

rnUrlaub trotz Corona?

Die Corona-Regeln verbieten Urlaub in Deutschland. In den Dortmunder Reisebüros sorgt das für Ärger, denn die Verunsicherung der Kunden ist riesig - und hat existenzbedrohende Auswirkungen.

Dortmund

, 01.11.2020, 14:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zu den neuen Corona-Regeln im November hat Michael Draeger vom Reisecafé Stoffregen eine ganz klare Meinung: „Das ist ein Irrsinn. Die Kanzlerin hat selbst gesagt: 75 Prozent der Infektionen kann man nicht zuordnen – und trotzdem werden pauschal Touristik, Gastronomie und Kultur dicht gemacht. Damit trifft es absolut die Falschen. Diese Maßnahmen sind nicht nachvollziehbar.“

Touristische Übernachtungen sind im November in Deutschland verboten. Dabei habe es noch im Sommer geheißen: Macht Urlaub in Deutschland, so Draeger. „Da war es doch gar nicht möglich, alle Bundesbürger unter den Vorgaben der Corona-Maßnahmen unterzubringen. Die Strände an der Nordsee waren völlig überfüllt.“ Bei Pauschalreisen hingegen habe es nachweislich sehr gute Hygienekonzepte gegeben.

„Rappelvolle Strände“ und zu wenig Abstand

Ähnlich sieht es Mona Chahine, Inhaberin des Ltur-Reisebüros am Westenhellweg, die im Sommer in Holland selbst „rappelvolle Strände“ erlebt hat. „Da wären die Kunden in Spanien oder Griechenland besser aufgehoben gewesen, die Abstandsregeln wurden da besser beachtet.“

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Die Corona-Regelungen für die Touristik „widersprechen jeder Logik“, meint Michael Draeger - und regt sich auch über das uneinheitliche Vorgehen auf. „In Niedersachsen werden aktuell Gäste angeschrieben, wer noch bis zum 1.11. anreist, kann den Urlaub dort verbringen, muss ihn nicht abbrechen.“ Tui hingegen informiere die Kunden, dass Urlauber in Deutschland das Urlaubsgebiet am 2.11 verlassen haben müssen.

Ein großes Problem für die Touristik-Branche: Schon jetzt ist der finanzielle Druck hoch. „80 bis 85 Prozent vom Vorjahresumsatz fehlen. Wir Reisebüros können das so nicht mehr lange durchziehen“, so Mona Chahine. Und die aktuelle Verunsicherung, wie es weitergeht, wirkt sich auch auf die Winter- und die nächste Sommersaison aus: „Normalerweise wären im Moment viele unserer Kunden in Ägypten, Dubai oder auf Kuba. Dieses Jahr haben wir da keine Buchungen.“ Und auch für den Sommer gebe es noch keine Anfragen.

Noch keine Buchungen für nächsten Sommerurlaub

Diese Zurückhaltung spürt man auch bei Lensing Reisen an der Silberstraße: „Wir haben für die Sommersaison noch nichts großartig beworben, das bringt im Moment nichts“, sagt Mareen Schink. Sie zittert aktuell mit ihren Kunden um den Winterurlaub. „Weihnachten und Silvester haben wir schon gut verkauft, zum Beispiel Schwarzwald oder Bayern.“ Ob die aktuellen Regelungen dann noch Bestand haben, müsse man abwarten. So lautet auch das Motto für die Buchungen im November: „Wir müssten für 500 Reisende stornieren - die Veranstalter sagen aber: Wir warten ab.“ Die Touristikbranche prüfe juristische Schritte gegen das Reiseverbot.

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Was alle drei Reise-Experten betonen: Finanziell droht den Kunden kein Schaden. „Wenn ein Kunde über einen Reiseveranstalter bucht, hat er eine Rückholgarantie, Covid wird mit abgesichert“, betont Michael Draeger. Man könne dem Kunden Sicherheit bieten - und habe das auch schon getan: „Auch in diesem Jahr, bei der Rückholaktion war es so: 242.000 Reisende wurden zurückgeholt, davon nur 30.000 von der Bundesregierung, der Rest lief über die Veranstalter.“

Ein kleiner Hoffnungsschimmer für die Reisebüros: Die aktuelle Verunsicherung führt momentan auch Kunden zu ihnen, die zuvor online gebucht haben, beobachtet Michael Draeger. „Wir Reisebüros sind jetzt da für die Leute, helfen auch denen, die online gebucht haben. Ich hoffe, dass die Leute nicht vergessen, wer jetzt in der Krise als Ansprechpartner da war.“

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