Burkhard Dreischer ist Wetterexperte und Wintersport-Fan. In seinem Garten hat er den vermutlich letzten Schnee in der Region unter Decken geschützt in den Sommer gerettet. © Bastian Pietsch
Burkhard Dreischer

Rekord geknackt: Wetterexperte rettet kiloweise Schnee in den Sommer

Schnee im Sommer kennt man sonst nur aus Gangster-Filmen. Burkhard Dreischer hat sich ganz legal einen riesigen Schnee-Vorrat in seinem Garten angelegt – und damit jetzt seinen Rekord geknackt.

Während sich die meisten Menschen in der Region aktuell wohl über den Sommereinbruch freuen, feiert Burkhard Dreischer (61) einen ganz eigenen Rekord. Er hat einen mächtigen Haufen Schnee in seinem Garten in den Sommer gerettet.

Unter Decken und Handtüchern, die teilweise steif gefroren sind, liegt er verborgen, geschützt in einer halbwegs schattigen Ecke des Gartens und umgeben von kleinen Bäumen und Sträuchern: rund 40 Zentimeter Schnee auf einer Fläche von zurückhaltend geschätzt einem halben Meter mal einem halben Meter. Etwa 100 Liter dicht gepackter, mit Eis durchsetzter Schnee müssten es sein. Warum macht Burkhard Dreischer das?

Schneehaufen seit vielen Monaten im Garten

„Ich bin ein leidenschaftlicher Winter-Mensch, liebe den Wintersport, Skifahren, Langlauf und so weiter. Deshalb hole ich mir den Winter so lang es geht in den Garten.“

Angelegt habe er den Schneehaufen im November 2020, erklärt Burkhard Dreischer. Immer wenn es geschneit hat – zuletzt im April – oder wenn er zum Skifahren ist, stockt er den Haufen auf. Zuletzt habe der das vor 14 Tagen gemacht.

So richtig zu Ende geht es mit dem Schnee-Vorrat also erst, wenn auch in den höheren Lagen im Sauerland kein Schnee mehr zu finden ist. Dass Burkhard Dreischer, der auch als Wettermann von Radio 91.2 bekannt ist, den Schnee in seinem Garten in Lünen solange retten kann, ist aber außergewöhnlich.

Sonst war meist im Mai Schluss

2020 habe es nur bis zum 4. Mai geklappt. 2019 bis zum 21. Mai, 2018 bis zum 22. Mai und 2017 – ein besonders heißes Jahr in NRW – sogar nur bis zum 29. April.

Den Juni zu erreichen, das hat eine besondere Bedeutung, denn dann beginnt offiziell der Sommer. „Es hat tatsächlich geklappt, bis in den meteorologischen Sommer hinein“, freut sich Dreischer. Sogar ein Schild hat er geschrieben, für seine eigene Dokumentation in Fotos.

„Geschafft!!!!! Schneerekord absolut in meinem Garten in Brambauer: 1. Juni 2021.“ © Bastian Pietsch © Bastian Pietsch

Nur im Jahr 2013 hat Burkhard Dreischer es mal bis zum 7. Juni geschafft – in einem anderen Garten, ganz ohne Sonne. Er sieht daher den 1. Juni schon als Rekord an. Und auch den 7. Juni zu knacken, scheint nicht unmöglich.

„Wenn ich jetzt nichts mehr mache, verschwindet der letzte Fleck Schnee vermutlich zwischen dem 4. und 6. Juni“, vermutet Burkhard Dreischer. Den Feiertag will er allerdings nutzen, um noch einmal etwas frischen Schnee aus Winterberg nachzulegen. Dann könnte sein Vorrat noch bis zum 10. Juni durchhalten – sofern das Wetter mitspielt.

Schnee-Vorrat erzeugt ein eigenes Mikro-Klima

Solange es warm und trocken bleibe, funktioniere seine Technik, den Schnee mit vielen Decken und Handtüchern von der warmen Luft zu isolieren. Regen dürfe es aber keinen geben. „Das wäre für den Schnee viel schlimmer, als einfach nur die Wärme.“

Und auch auf seine unmittelbare Umgebung im Garten hat der Schneeberg eine Wirkung, wie der Hobby-Meteorologe erklärt: „Hier im Garten hat sich fast ein Mikro-Klima gebildet: Man sieht, dass um den Schnee herum, der Rasen noch nicht grün ist. Die Ausstrahlungsluft von dem Schneehaufen kühlt natürlich die Umgebung ab.“ 0 bis 8 Grad Celsius habe der Schneehaufen, in seiner direkten Nähe seien es noch 14 Grad, während es ansonsten am Dienstagnachmittag rund 26 Grad sind.

„Ich hoffe, dass ich noch viele Jahre, solche Sachen machen kann und gesund bleibe“, sagt Burkhard Dreischer noch. „Und dass ich mir dann wieder für ein halbes Jahr den Winter in den Garten holen kann.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Gut recherchierter Journalismus liegt mir am Herzen. Weil die Welt selten einfacher wird, wenn man sie einfacher darstellt. Um Zusammenhänge zu erklären, setze ich auf klaren Text und visuelles Erzählen – in Videos, Grafiken und was sonst dabei hilft.
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Bastian Pietsch

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