Nachbarschafts-Streit: Stammgäste unterstützen Restaurant-Inhaber

rnNachbarschafts-Ärger

Wegen eines Nachbarschafts-Streites überlegt der Wirt des Restaurants „Der Grieche“, zu schließen. Dagegen hat sich jetzt eine außergewöhnliche Koalition gebildet.

Dorstfeld

, 16.10.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Georgios Isaakidis war 23 als er vor drei Jahren die Traditionsgastronomie mitten im Wohngebiet an der Straße Kortental in Dorstfeld übernahm. Der Anfang war hart. Die Küche seines Vorgängers hatte keinen guten Ruf. Georgios Isaakidis musste sich die Gäste neu gewinnen.

Das hat er nach eigenen Angaben geschafft, der Laden brummt. Doch diese Entwicklung geschah immer gegen Widerstand. Georgios Isaakidis liegt im Streit mit einem Nachbarn. Dieser Streit hat ihn so zermürbt, dass er jetzt gegenüber ein paar Stammkunden Zweifel daran geäußert hat, ob er das Restaurant „Der Grieche“ noch lange führen wird.

Keine Lust, ein neues Vereinslokal zu suchen

„Das war ein Schock“, sagt Karl-Heinz Hülsmann, Chef des Bühnenspielvereins „Fidelitas“. Er ist einer der Stammgäste und für den Verein ist „Der Grieche“ ein inoffizielles Vereinslokal. Genauso wie für andere Dorstfelder Vereine, zum Beispiel für den Siedlerverein Kortental, den ATV Dorstfeld oder den Männergesangsverein Dorstfeld.

Und die haben überhaupt keine Lust, sich ein neues Vereinslokal zu suchen. Zumal es vergleichbare Speise-Restaurants in Dorstfeld nur noch in einer gewissen Entfernung gibt, die die Betroffenen für unkomfortabel halten.

Jeden Tag fünf Stunden Grill-Geruch

Deshalb wollen die Vereine Georgios Isaakidis den Rücken stärken und stellen sich im Streit mit dem Nachbarn auf die Seite des Wirtes. Der Nachbar hat mittlerweile einen Anwalt eingeschaltet: Holger Strohmeyer. Der erklärt, was seinen Mandaten an dem Restaurant stört.

„Es geht um zwei Punkte“, erklärt der Anwalt. „Lärm, oft deutlich nach der Sperrstunde um 22 Uhr, und Geruchsbelästigung durch den Holzkohlegrill.“ Auch von seinem Mandanten berichtet der Anwalt, dieser sei zermürbt.

Sonst beschwert sich niemand

„Stellen Sie sich einen Nachbarn vor, der jeden Tag einen Holzkohlegrill anfacht und zwischen 17 und 22 Uhr immer wieder neu Kohle auflegt“, erklärt Strohmeyer die Wahrnehmung seines Mandanten.

Das wollen Georgios Isaakidis-Fans nicht gelten lassen. „Sonst beschwert sich niemand in der Nachbarschaft“, sagt Detlef Englich vom Siedlerverein. Das betreffe sowohl den Geruch als auch die angebliche Lärmbelästigung.

Die Geruchsbelästigung sollte durch eine moderne Abzugsanlage geregelt werden. „Doch die ist wirkungslos, wenn im Sommer immer die Hintertür offen ist“, so Holger Strohmeyer.

Musikveranstaltungen oder keine Musikveranstaltung?

Um den Biergarten herum hat Georgios Isaakidis zwar bereits einen neuen Zaun ziehen lassen. Doch das stellte den Nachbarn nicht zufrieden.

In diesem Punkt gibt es eine deutliche Uneinigkeit zwischen den Parteien. Während der Mandant von Holger Strohmeyer von lauten Musikveranstaltungen in der Gastronomie berichtet, sagt Hans-Peter Balzer (SPD): „Hier gab es noch nie Musikveranstaltungen.“

In Bezug auf den Lärmvorwurf fühlt sich der Freundeskreis des Restaurants bestärkt durch frühere Erfahrungen. Immer wieder, eine genaue Zahl gibt es nicht, rief der Nachbar wegen der gefühlten Ruhestörung die Polizei.

Polizei hat keine Ruhestörung festgestellt

„Die Beamten kamen und sind jedes Mal wieder gefahren, ohne eine Ruhestörung festgestellt zu haben“, berichtet Detlev Frenz, der Vorsitzende des MGV Dorstfeld 1858. Auch das Ordnungsamt hatte laut Georgios Isaakidis nichts zu beanstanden.

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Wegen dieser Vorfälle ist die Atmosphäre zwischen dem Wirt und dem Nachbarn längst vergiftet. Georgios Isaakidis wird dank der Rückendeckung wohl doch erstmal nicht aufgeben und sich auch einen Anwalt nehmen.

Rechtsanwalt Holger Strohmeyer sieht den Streit gelassen: „Es wird auf eine gerichtliche Mediation hinauslaufen. Die Abluft vom Grill umzuleiten und die Gäste relativ pünktlich um 22 Uhr aus dem Restaurant zu lotsen, das wird möglich sein.“

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