Roboter als Retter: Forscher bauen intelligente Systeme für Einsatz bei größter Gefahr

Forschung

Kettenfahrzeuge mit Augen und Greifarmen sowie Drohnen, die Gefahren orten: Mit 11,9 Millionen Euro hat Dortmund den Zuschlag für ein einzigartiges Forschungsprojekt erhalten.

Dortmund

, 26.10.2018, 12:19 Uhr / Lesedauer: 2 min
Roboter als Retter: Forscher bauen intelligente Systeme für Einsatz bei größter Gefahr

Mit diesem kleinen Roboter-Modell hat das Institut für Feuerwehr und Rettungstechnologie bereits geprobt. © Feuerwehr Dortmund

Der Dortmunder Stadtteil Hörde war in der Zeit der Industrialisierung die Wiege der Stahlindustrie im Ruhrgebiet. Längst sind die Innovationen an der Emscher ein Teil der Montangeschichte, auf die die Region noch heute stolz ist. Am 6. Dezember 2018 eröffnet das Bundesministerium für Bildung und Forschung auf dem früheren Hochofenareal Phoenix-West in Hörde ein Projekt, auf das die Stadt Dortmund ebenso stolz ist: In der Microsystemtechnik-Fabrik (MST-Factory) an der Konrad-Adenauer-Allee entsteht ein Kompetenzzentrum für Robotersysteme. Diese Systeme sollen in „menschenfeindlichen Umgebungen“ funktionieren. Der Name: „A-DRZ“. Das steht für „Aufbau des Deutschen Rettungsrobotik-Zentrums“.

Forscher aus Deutschland in Dortmund

Elf große und insgesamt 23 kleinere Projekt-Partner aus Deutschland, Schweden und Polen forschen unter der Regie des Dortmunder Instituts für Feuerwehr und Rettungsdiensttechnologie (IfR) für Einsätze unter extremen Bedingungen. „Aus Sicht unseres Instituts ist dies unser bisher größte Projekt“, berichtet Dr. Hauke Speth von der Berufsfeuerwehr.

Das Forschungsministerium unterstützt die 20 Forscher und Entwickler in den kommenden vier Jahren. Deren Job: Robotersysteme zu entwickeln, die bei enormer Hitze, bei Einsturzgefahr, in Trümmern oder bei anderen Gefahren präzise funktionieren. Die Systeme sollen auf Kommandos reagieren oder auch autonom handeln können. Das Dortmunder Zentrum soll laut Forschungsministerium ein „nationales Kompetenzzentrum mit internationaler Strahlkraft“ werden. Dabei geht es um die „terrestrische Gefahrenabwehr“.

Von der MST-Factory ins Zentrum für Produktionstechnik

Die Ingenieure brüten zunächst in der MST-Factory jene Systeme aus, die dort zum Einsatz kommen sollen, wo ein noch so erfahrener Retter nicht überleben kann oder in großer Gefahr wäre. Später ziehen die Spezialisten in das benachbarte Zentrum für Produktionstechnik, wo die Rettungs-Roboter in einer Halle unter Laborbedingungen üben und lernen sollen.

Messsysteme liefern den Forschern und Entwicklern wichtige Daten. Was in der Halle geschieht, bleibt für die Bürger verborgen. Sichtbar sind die Systeme dann, wenn die Ingenieure ihre Halle und die Büros verlassen - zum Beispiel, um Drohnen einzusetzen. „Rund um die Hochöfen werden wir zu sehen sein“, sagt Dr. Hauke Speth. Auf den Versuchsflächen erproben die Spezialisten, ob ihre Geräte für die zivile Gefahrenabwehr tauglich sind.

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Die Stadt Dortmund schreibt: „Trotz guter Ausbildung, ausgereifter taktischer Konzepte und zuverlässiger Schutzausrüstung werden jedes Jahr weltweit zahlreiche Einsatzkräfte bei ihrer Arbeit verletzt oder getötet. Mit fortschreitender technischer Entwicklung ist absehbar, dass mobile Robotersysteme künftig zunehmend Aufgaben übernehmen können, um die Einsatzabwicklung effektiver und sicherer für Einsatzkräfte, gefährdete Menschen und andere Schutzgüter zu gestalten.“

Partner aus Deutschland, Schweden und Polen

Zum Start am 6. Dezember 2018 kommen sämtliche Projekt-Partner nach Dortmund. Das sind:

  • Dortmund I: Institut für Feuerwehr und Rettungstechnologie
  • Dortmund II: Deutsches Rettungsrobotik-Zentrum e.V.
  • Dormund III: Technische Universität
  • Dortmund IV: Fachhochschule Dortmund
  • Bad Oldesloe: Minimax Viking Research & Development
  • Sankt Augustin: Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme
  • Saarbrücken: Deutsches Forschungszentrum für künstliche Intelligenz
  • Bonn: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität
  • Gelsenkirchen, Bocholt, Recklinghausen: Westfälische Hochschule
  • Darmstadt: Technische Universität
  • Lübeck: Universität
  • Lippetal: Verein zur Förderung des Deutschen Brandschutzes
  • Berlin: Landeskriminalamt, Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, Bundesamt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
  • Schweden: Unifire
  • Polen: CNBOP

Roboter als Retter: Forscher bauen intelligente Systeme für Einsatz bei größter Gefahr

Das Zentrum für Produktionstechnik auf Phoenix-West in Hörde. Nach dem Einzug in die MST-Factory soll das Kompetenzzentrum hier in einen Anbau ziehen. © Peter Bandermann

Das Institut für Feuerwehr und Rettungstechnologie gibt es seit elf Jahren. Das neue Forschungsprogramm heißt offiziell „Forschung für die zivile Sicherheit - Innovationslabore / Kompetenzzentren für Robotersysteme in menschenfeindlichen Umgebungen.“
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