Roboter für Zuhause: Dortmunds Hochschulen planen Hybrid-Semester

rnTU und FH Dortmund

Ein Semester Online-Uni haben die Studierenden und Dozenten geschafft. Ein zweites Semester ohne Präsenzveranstaltungen soll es nicht geben - ebenso wenig aber eine Rückkehr zum Alltag.

Dortmund

, 21.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Herbst beginnt das nächste Semester mit Corona-Maßnahmen an der Technischen Universität Dortmund sowie an der Fachhochschule. Um die Zoom-Vorlesungen endgültig zu verbannen, scheint es noch zu früh zu sein: „Ein vollständiger Normalbetrieb mit mehr als 34.000 Studierenden auf dem Campus wird nicht möglich sein“, schreiben TU-Rektorin Prof. Ursula Gather und der künftige Rektor Prof. Manfred Bayer in einer Rundmail an die Studierenden.

Stattdessen plane man sowohl an der TU als auch an der FH ein Hybrid-Semester: Praxisveranstaltungen können wieder in den Räumlichkeiten der Universität und der FH stattfinden, genau wie - im Falle der TU - kleine Vorlesungen, Seminare und Übungen. Große Lehrveranstaltungen bleiben dagegen online. Die TU kündigte an, wie alle Universitäten in NRW „so weit wie möglich zur Präsenz zurückkehren zu wollen“.

FH-Studierende programmieren Roboter in ihren eigenen vier Wänden

Die FH Dortmund setzt dagegen auch im nächsten Semester verstärkt auf Online-Lehre, so Prorektorin Prof. Tamara Appel. Welche Veranstaltungen auf dem Campus und welche digital stattfinden, ist an FH und TU den Fakultäten, beziehungsweise auch den einzelnen Dozenten überlassen.

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Einige Studiengänge lassen sich allerdings nur schwer digitalisieren. Praktika beispielsweise sollen im Wintersemester auch für FH-Studierende wieder möglich sein.

Ein paar praktische Arbeiten verlagert die Fachhochschule in die eigenen vier Wände der Studierenden: Für die Robotik werde die FH kleine, preisgünstige Roboter erwerben, die bei einer Einführungsveranstaltung an die Studierenden verteilt werden. Über digitale Veranstaltungen werde den Studierenden dann beigebracht, wie sie diese Roboter von zuhause aus programmieren.

Erstsemester bevorzugt in die Hörsääle

Alle Studierenden sollen wieder Präsenzveranstaltungen belegen. Doch eine Gruppe soll besonders viel Zeit auf dem Campus verbringen: die Erstsemester. „Sie sollen die Möglichkeit erhalten, ihren Campus kennenzulernen und Kontakte untereinander zu knüpfen“, schreiben Gather und Bayer. Deshalb appellieren beide an die Fakultäten, den Erstsemestern so viele Präsenzveranstaltungen wie möglich zuzuweisen.

Der Tenor an der FH Dortmund ist ähnlich: „Vorfahrt haben die Erstsemester“, bestätigt auch Appel. Nur so können die neuen Studierenden eigenständig Lerngruppen bilden und sich vernetzen. Doch Veranstaltungen mit 200 Leuten seien natürlich trotzdem nicht möglich - in solchen Fällen würde die Fachhochschule kleinere Gruppen bilden und die Veranstaltung mehrmals anbieten.

TU will Erstis im Stadion begrüßen

An der Universität hat die Erstsemesterbegrüßung im Stadion Tradition. Auch dieses Jahr möchte die TU nicht darauf verzichten: Man stehe im Gespräch mit dem BVB, damit diese stattfinden könne, so die Rektoren.

Die neuen Studierenden der Fachhochschule werden normalerweise in der Warsteiner Music Hall begrüßt. Die FH entschloss sich dazu, dieses Jahr darauf zu verzichten - die Begrüßung findet online statt. Die Fachhochschule konzentriere sich auf sogenannte Kick-off-Veranstaltungen in den Fachbereichen.

Uni und FH hinterlegen Sitzpläne

Für die Präsenzveranstaltungen müssen sowohl die Uni als auch die FH noch einige Vorbereitungen treffen: Die Sitzplätze in den Räumen werden durchnummeriert, damit Sitzpläne hinterlegt werden können. So kann man bei einem Corona-Fall nachvollziehen, wer im Umfeld der infizierten Person saß und den Sitzplatz nochmal gesondert reinigen. Generell soll die Reinigung der Räume verstärkt werden.

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Studierende müssen zudem ihre Telefonnummern hinterlegen, damit Infektionen rückverfolgbar sind. „Das ist wie im Restaurant - das müssen wir auch tun“, erklärt Appel. Aus Sicherheitsgründen müsse man auch die Anwesenheit der Studierenden wieder kontrollieren - aber nur zur Dokumentation. Studierende, die nicht zu einer Präsenzveranstaltung erscheinen, sollen deshalb keinen Ärger bekommen.

Weniger als ein Viertel der normalen Belegung möglich

Wie viele Personen sich in einen Hörsaal oder Seminarraum setzen dürfen, steht noch nicht fest. Das hänge laut der TU von den Corona-Regelungen im Herbst ab. FH-Rektorin Appel geht von aus, dass „weniger als ein Viertel der normalen Belegung möglich ist.“

Das Problem sei nicht nur, den 1,5-Meter-Abstand zwischen den Studierenden zu berücksichtigen - die FH wolle auch Toilettenschlangen und volle Flure vermeiden.

Uni prüft Anmietung der Westfalenhallen für Lehrveranstaltungen

Vor wenigen Wochen schrieb die Uni bereits lokale Geschichte, weil sie erstmals Klausuren in der Westfalenhalle 3 schreiben ließ. Nun prüfe man, ob die Universität die Westfalenhallen auch für reguläre Lehrveranstaltungen buchen kann.

„Wer auf Nummer sicher gehen wollte, müsste ein rein digitales Semester planen“, schreiben Gather und Bayer. „Als Präsenzuniversität wollen wir jedoch die Lehre auf dem Campus nicht ohne dringendes Erfordernis aufgeben.“

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