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DEW21 unter Druck: Gebeutelt von sinkenden Umsätzen, will sich das Dortmunder Versorgungsunternehmen neu aufstellen, Kunden mit Extras an sich binden - und vor allem beim Personal sparen.

Dortmund

, 04.07.2018 / Lesedauer: 3 min

2018 werde das Jahr der „Transformation“, hat DEW21-Chefin Heike Heim im Februar in einem Hintergrundgespräch mit Journalisten angekündigt. Was sie damit meinte: DEW21 sucht nach einer neuen Strategie, um die Kundenabwanderung zu stoppen und verlorene Marktanteile zurückzuerobern. Der Energiemarkt ist seit Langem heiß umkämpft.

Das bekommt auch DEW21 zu spüren: Seit 2013 sind die Umsätze von fast 1,1 Milliarden Euro auf 864 Millionen Euro im vergangenen Jahr gesunken. Auswärtige Konkurrenten machen dem örtlichen Versorger das Leben schwer, indem sie mit vermeintlichen „Billig-Angeboten“ und aggressiver Werbung auf Kundenfang gehen. Der Handlungsdruck ist hoch: Selbst in den Führungsetagen bei DEW21 wird kolportiert, dass die Umsätze weiter sinken, wenn jetzt nicht gegengesteuert werde.

24 Millionen Euro sollen bis 2023 gespart werden

Genau darauf bereitet sich das Unternehmen zurzeit vor. Wohin die Reise gehen könnte, bekamen die DEW21-Aufsichtsräte in ihrer jüngsten Sitzung Ende Juni ansatzweise zu hören. Trotz aller Wachstumschancen wird DEW21 um ein Sparprogramm nicht herumkommen. Ersten Berechnungen zufolge sollen bis 2023 rund 24 Millionen Euro eingespart werden. Dabei ist ein Bündel von rund 200 Einzelmaßnahmen angedacht. Etwa die Hälfte der Ersparnis allerdings soll aus dem Personal geschöpft werden.

Ungefähr 150 Stellen stehen in den kommenden fünf Jahren auf der Kippe – während gleichzeitig rund 50 neue Stellen im IT-Bereich und etwa im Controlling neu geschaffen werden sollen. Dahinter steckt das klare Ziel, die zuletzt schwächelnden, aber eben wichtigen Bereiche wie Controlling, Vertrieb und Marketing deutlich zu stärken.

Unter dem Strich könnte die derzeit 1130 Mitarbeiter starke Mannschaft um knapp 100 Mitarbeiter sinken. Zur Erinnerung: Bei der Gründung 1995 hatte DEW21 rund 1500 Beschäftigte am Start. Betriebsbedingte Kündigungen bleiben nach wie vor ausgeschlossen – die Verhandlungen mit den Betriebsräten starten in Kürze.

Billigere Bahntickets für Stromkunden

Dass sich DEW21 den Bürgern und Gewerbebetrieben als Komplett-Anbieter in Sachen Elektromobilität präsentieren und beispielsweise insgesamt 550 Ladestationen installieren will, ist ein weiterer Baustein in der neuen Stoßrichtung.

Ein anderer Baustein ist die Kundenbindung über sogenannte Bündelprodukte: Gemeinsam mit Dokom21 und den Dortmunder Stadtwerken wird derzeit über verbilligte Internetangebote und über Spezial-Tarife in Bussen und Stadtbahnen verhandelt, die DEW21 seinen Stromkunden möglichst schon 2019 anbieten will.

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„Die Strategie ist richtig“, sagt Aufsichtsratsmitglied Ulrich Monegel auf Anfrage. „Die Bürger bekommen Dienstleistungen aus einer Hand und werden von Bürokratie entlastet.“ Er habe den Eindruck, die neue Geschäftsführung bringe frischen Wind ins Unternehmen. „Das läuft insgesamt gut“, sagte Monegel, wollte sich aber zu Details aus der Aufsichtsratssitzung nicht äußern

Gesellschafter wollen Geld sehen

Spätestens Ende des laufenden Jahres, so der Zeitplan, steht die künftige Marschrichtung von DEW21 fest. Bis dahin soll auch die Frage geklärt sein, wie stark sich der Dortmunder Energieversorger künftig noch in der Windenergie engagiert. Seit 2009 hat sich DEW21 insgesamt 54 Windkraftanlagen quer durch die Republik gesichert. Doch der Markt gilt als überhitzt. Längst hat sich DEW21 von der früheren Vorgabe verabschiedet, bis 2020 ein Viertel des Stroms selber aus erneuerbaren Energien zu erzeugen. Wie kolportiert wird, lotet man jetzt Wachstumschancen auf dem Feld der der Sonnenenergie (Photovoltaik) aus.

„Wir befinden uns mitten im Umbauprozess und diskutieren mit den Mitarbeitern und Betriebsräten mehrere Szenarien“, betonte DEW21-Sprecherin Martina Sprotte auf Anfrage. Entscheidungen seien noch nicht gefallen, sondern gegen Jahresende zu erwarten. Die beiden Gesellschafter Dortmunder Stadtwerke (60,1 Prozent) und Innogy SE (39,9 Prozent) haben da recht klare Erwartungen: DEW21 soll trotz der schwierigen Marktsituation auch künftig Jahr für Jahr einen Gewinn von 58 Millionen Euro (vor Steuern) erwirtschaften.

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