Sado Maso und Fesselspiele: Zeugin spricht über Sexleben des Mordangeklagten

rnMordfall Nicole-Denise Schalla

Im Prozess um den Mord an Nicole-Denise Schalla (†16) ging es um die sexuellen Vorlieben des Angeklagten. Eine Zeugin schilderte, worauf Ralf H. abfuhr. Auch ungewöhnliche Wünsche beim Friseur waren Thema.

Dortmund

, 13.10.2020, 17:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Berichterstattung über den Mord an der Schülerin Nicole-Denise Schalla aus dem Jungferntal hat eine Friseurin aus Münster dazu gebracht, sich selbst bei der Polizei zu melden und als Zeugin anzubieten. Am Dienstag musste die 57-Jährige dann tatsächlich vor dem Dortmunder Schwurgericht erscheinen.

Auf Ü40-Party kennengelernt

Über das Gewaltverbrechen im Herbst 1993 kann die Frau natürlich nichts sagen. Wohl aber zu der Person des Angeklagten Ralf H. aus Castrop-Rauxel. Ihn hatte die Zeugin kurz nach seiner Haftentlassung 2012 auf einer Ü40-Party kennengelernt. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die anfängliche Freundschaft dann aber offensichtlich in eine besorgniserregende Richtung.

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„Er hat mir gesagt, dass er mit mir als Frau nichts anfangen kann, weil ich nicht auf Sado-Maso-Sex stehe“, sagte die 57-Jährige den Richtern. Ralf H. sei „absolut auf diesem Trip“, habe ihr oft einschlägige Fotos auf seinem Computer gezeigt und sie auch einmal zu einem Stammtischtreffen mit Gleichgesinnten mitgenommen.

SM-Stammtisch

Vor allem sei H. an Bondage, also der Kunst des Verschnürens, Verknotens und Fesselns, interessiert gewesen. Er habe ihr aber nie explizit erzählt, dass er auch auf Würgen stehe, so die Zeugin weiter.

Die Friseurin kannte den Angeklagten nicht nur als Freund, sondern auch als Kunden in ihrem Salon. Und in dem soll sich ebenfalls einmal ein bemerkenswertes Gespräch entwickelt haben. Ralf H. habe eines Tages unbedingt gewollt, dass sie ihm eine Dauerwelle verpasse, so die 57-Jährige. „Ich habe das aber abgelehnt, weil das doch gar nicht zu ihm passt.“

Wollte H. eine Dauerwelle?

H. soll jedoch nicht locker gelassen und erklärt haben, er habe „früher immer eine Dauerwelle getragen“. Zur Erinnerung: Das Phantombild des mutmaßlichen Mörders aus dem Jahr 1993 zeigt einen jungen Mann mit Lockenkopf. Ralf H. trägt seine Haare heute glatt.

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„Ich fand es trotzdem wichtig, Ihnen von diesem Gespräch zu erzählen“, sagte die Zeugin am Dienstag. Immerhin könnte es ja also doch sein, dass das Phantombild die Person des Angeklagten in seiner damaligen Erscheinung zeige. Wie viel die Richter auf die Aussage der Frau geben, ist allerdings unklar.

Gutachter macht eindeutige Aussage

Fakt ist dagegen, dass H. mit seiner Behauptung, er könne Nicole-Denise Schalla gar nicht gewürgt haben, weil er seine beiden Daumen gar nicht wirklich benutzen kann, endgültig gescheitert ist. Ein Gutachter erklärte vor Gericht zum zweiten Mal: „Ich habe bei meiner Untersuchung keine funktionellen Beeinträchtigungen der Hände festgestellt.“

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