Salafist ruft in Dortmund zu Kampf gegen Christen auf

Veranstaltung am Fredenbaum

In der Salafisten-Veranstaltung am Sonntag am Fredenbaumpark wurde laut Augenzeugen offen dazu aufgerufen, in den bewaffneten Kampf nach Syrien und Ägypten zu ziehen. Muslime und Christen befänden sich seit 1400 Jahren im Kriegszustand, die Zeit des Endkampfes sei nahe. Die Polizei prüft nun die Aussagen.

DORTMUND

von Von Tobias Großekemper

, 04.09.2013, 00:26 Uhr / Lesedauer: 2 min
In der Eventhalle "Altin Kösk" am Fredenbaumpark fand am Sonntag die Salafisten-Veranstaltung statt. Hier rief einer der Prediger zum Kampf gegen Christen auf.

In der Eventhalle "Altin Kösk" am Fredenbaumpark fand am Sonntag die Salafisten-Veranstaltung statt. Hier rief einer der Prediger zum Kampf gegen Christen auf.

Vor rund 300 männlichen Zuhörern – und wahrscheinlich ebenso vielen Frauen und Kindern in einem abgetrennten Bereich – wurde die Demokratie als unislamisch kritisiert. Der dritte Prediger, Abu Abdullah, habe die jungen Männer dazu aufgerufen, Schule oder Studium abzubrechen, um in den Krieg zu ziehen.Das berichtet der Sozialwissenschaftler Dr. Thomas Tartsch, der Zuhörer der Veranstaltung war und sich seit rund zwölf Jahren mit dem Islamismus beschäftigt. Er sei „sehr überrascht“ über die Offenheit der Aussagen während der Veranstaltung gewesen, sagt Tartsch.

Für den Islam-Experten sind derartige Treffen „Durchlauferhitzer“, die dafür sorgen können, dass junge Muslime sich radikalisieren. Ahmad Aweimer, Sprecher der muslimischen Gemeinden in Dortmund, nennt solche Veranstaltungen „gefährlich, dumm und religiös nicht hinnehmbar“. Es sei verantwortungslos, vor einfachen jungen Männern, die wenig hätten, derart zu predigen.

Eine Gefahr, die auch der Verfassungsschutz sieht: Gerade junge, orientierungslose Männer seien die Zielgruppe, die man mit einfachsten Schwarz-Weiß-Bildern ansprechen könne. Die Zahl der Salafisten sei in den vergangenen Jahren in Deutschland und NRW sprunghaft angestiegen, heißt es vom Verfassungsschutz. 2012 seien mindestens 40 Salafisten aus NRW in den bewaffneten Kampf gezogen. Bis Juni 2013 zählte der Verfassungsschutz über 20, „die Zahl dürfte 2013 weiter steigen“, so eine Sprecherin. Die Rückkehrer hätten hier anschließend einen besonderen Stellenwert, sie würden als „heldenhafte Autoritäten“ gelten. Solche Rückkehrer aus Kriegsgebieten waren ebenfalls am Sonntag in Dortmund – bei der Veranstaltung, die offiziell dafür warb, Gelder für humanitäre Projekte in Afrika zu sammeln.

Sozialwissenschaftler Tartsch erwartet, dass die Zahl der Salafisten in den nächsten Jahren weiter steigt – Veranstaltungen wie die vom Sonntag trügen dazu bei, auch die Bereitstellung solcher Predigten im Internet. Die Polizei Dortmund möchte nicht sagen, wie viele extreme Salafisten sie in der Stadt sieht. Man habe die Veranstaltung im Auge gehabt. Da sie sich in geschlossenen Räumen befunden habe, hätten die Veranstalter sie auch nicht offiziell anmelden müssen. Die Redebeiträge würden jetzt auf eine strafrechtliche Relevanz hin überprüft, so eine Sprecherin.

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