Schafft die Ferien der Hallenbäder ab!

rnKlare Kante

Schwimmen ist mehr als eine überlebenswichtige Fähigkeit. Wer nicht schwimmen kann läuft Gefahr, sozial isoliert zu sein. Dortmunds Schwimmbäder müssen in den Ferien immer geöffnet sein.

Dortmund

, 24.12.2018, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mindestens einmal jährlich kommt die Diskussion auf: „Kinder in Deutschland können nicht schwimmen“, warnt dann die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). Zwar werden statistisch keine genauen Nichtschwimmer-Zahlen erhoben, wie jüngst das nordrhein-westfälische Schulministerium bestätigt hat, aber es gibt zum Beispiel in Dortmund den „Sportmotorischen Test“ an Grundschulen. Demnach müssen wir davon ausgehen, dass 30 bis 50 Prozent der Viertklässler an Dortmunds Schulen nicht richtig schwimmen können. An einzelnen Grundschulen liegt der Anteil der Nichtschwimmer der Stadt Dortmund zufolge sogar bei 90 Prozent. 90! Übrigens: Wer nur ein „Seepferdchen“ hat, gilt offiziell noch nicht als „sicherer Schwimmer“, dafür muss man die Anforderungen des „Freischwimmers“ erfüllen.

Nicht schwimmen zu können ist doppelt problematisch

Die große Zahl an Nichtschwimmern ist doppelt problematisch. Problem Nummer eins liegt auf der Hand: Wer nicht schwimmen kann, kann ertrinken, wenn er versehentlich doch in tiefes Wasser gerät. Zahlenmäßig relevanter ist Problem Nummer zwei: Wer kaum oder gar nicht schwimmen kann, läuft von Kindesbeinen an Gefahr, in bestimmten Situationen sozial isoliert zu sein. Sie oder er kann nicht mit Freundinnen und Freunden ins Spaßbad gehen und im Urlaub nicht zum Baden ins Meer (weshalb die meisten Nichtschwimmer auf Ferien am Strand von vornherein komplett verzichten dürften). Damit bleiben solchen Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen wichtige Möglichkeiten vorenthalten, mit anderen Menschen ihre Freizeit zu verbringen.

Nicht schwimmen zu können bedeutet deshalb mehr, als beispielsweise nicht im Fußballverein zu sein oder nicht Skat spielen zu können. Auch wer nicht mit einem Ball umgehen kann, mag in bestimmten Situationen ausgeschlossen sein, in Lebensgefahr wird er nie geraten.

Kinder müssen im Wasser fit sein

Der Staat muss alles in seinen Möglichkeiten Stehende unternehmen, um unsere Kinder für das Wasser fit zu machen. „Der Staat“, das ist hier die Stadt Dortmund. Sie arbeitet offenbar gut, wenn es um den Unterricht geht, den sie selbst anbieten beziehungsweise an Schulen ermöglichen kann. Seit 2016 gibt es etwa den Aktionsplan „Anfängerschwimmen – Wir lernen schwimmen“ zusammen mit Vereinen und dem Stadt-Sport-Bund.

Aber das reicht nicht. Die Stadt muss es auch Eltern möglichst einfach machen, ihren Kindern das Schwimmen beizubringen. Sie muss die Infrastruktur bereitstellen. Das Lesen, das Schreiben und das Rechnen lassen sich in jeder Wohnung üben. Aber den privaten Pool haben die Wenigsten im Garten.

Die drei städtischen Hallenbäder haben viel zu oft geschlossen

Hier liegen Dortmunds Defizite: Die drei städtischen Hallenbäder haben viel zu oft geschlossen. In den Weihnachtsferien ist es besonders krass. Wer zwischen Heiligabend und Neujahr schwimmen gehen möchte, steht im Westbad in Dorstfeld genauso vor verschlossenen Türen wie im Südbad und im Nordbad in der Innenstadt. Und wenn es nur diese eine Woche wäre. Doch das Westbad blieb auch in den kompletten Oster- und Herbstferien geschlossen, das Südbad war in und nach den Sommerferien insgesamt vier Wochen zu, das Nordbad drei Wochen.

Es macht die Situation nicht besser, dass Dortmund mit seinen umfangreichen Betriebsferien im Ruhrgebietstrend liegt, dass auch in Essen und Duisburg praktisch alle städtischen Schwimmbäder dicht sind. Wenn wir etwas weiter weg schauen, etwa nach Frankfurt, sieht man, dass es auch anders geht. Dort sind die Bäder nur an zwei der Tage zwischen Heiligabend und Neujahr geschlossen.

Am besten sieht es in Scharnhorst aus

Klar: Wer motorisiert ist, findet an den meisten Tagen eine Alternative. Dortmunder Hallenbäder, die von der „Sportwelt“ betrieben werden, haben zum Beispiel wenigstens vom 27. bis 30. Dezember geöffnet. Im Hallenbad an der Scharnhorster Gleiwitzstraße, das der SV Derne betreibt, kann man selbst an Heiligabend und dem 1. Weihnachtstag schwimmen gehen, geschlossen ist nur am Donnerstag.

Aber von solchen Angeboten sind viele gerade ärmere Kinder und Jugendliche ausgeschlossen, die Bäder maximal nach kurzer Bus- oder Bahnfahrt erreichen müssen. Schon wer aus dem sehr verkehrsgünstig gelegenen Dorstfeld an Feiertagen ins Scharnhorster Schwimmbad fahren wollte, wäre rund 45 Minuten unterwegs. Eine nahe Alternative wäre zwar der Revierpark Wischlingen. Aber während der Eintritt für Kinder ins Westbad 2,30 Euro kostet, sind es in Wischlingen 5,50 Euro.

Man kann es wie die DLRG sagen: „Bäder sind nicht nur Freizeitstätten! Bäder sind Bildungs-, Sozial-, Kultur-, Begegnungs- und Sportstätten.“ Man kann es wie der Deutsche Städte- und Gemeindebund sagen: „Schwimmbäder übernehmen soziale, kommunikative und gesundheitspräventive Aufgaben.“

Schwimmbäder sind keine beliebige Einrichtung

Im Ergebnis heißt alles das Gleiche: Schwimmbäder sind zu wichtig, um sie wie eine beliebige Einrichtung zu behandeln. Natürlich kosten längere Öffnungszeiten Geld. Aber der Nutzen geöffneter Schwimmbäder ist weit größer als der Schaden durch wenige Zehntausend Euro Mehrausgaben. Die Konsequenz muss lauten: Schafft die Ferien für Dortmunds Hallenbäder ab!

In der Kolumne „Klare Kante“ fühlen Redakteure und Gastautoren regelmäßig einem Dortmunder Thema auf den Zahn, das ihnen am Herzen liegt. Haben Sie eine Meinung zu den Öffnungszeiten von Bädern in den Ferien? Dann schreiben Sie an lokalredaktion.dortmund@rn.de.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt