Schalker Ultras wollen Derby in Dortmund boykottieren

Wegen Sicherheitsauflagen

Mit einem Derby-Boykott wollen Schalker Ultras gegen ein Sicherheitskonzept für das Bundesligaspiel am 8. November vorgehen. Vereine und Polizei haben über verringerte Kartenkontingente für das Spiel gegen den BVB und strenge Vorschriften für die Anreise der Schalker Fans nach Dortmund diskutiert. Schalker Ultras gehen jetzt in die Offensive.

DORTMUND

, 05.10.2015, 09:53 Uhr / Lesedauer: 3 min

Aktualisierung 15:10 Uhr:

Jetzt reagieren Borussia Dortmund und die Dortmunder Polizei auf den Derby-Boykott der Schalker Ultras. "Wir nehmen diese Entscheidung zur Kenntnis und beziehen diese in weitere Gespräche mit dem FC Schalke 04, der Polizei und der Deutschen Fußball-Liga ein", lautet der Sprachgebrauch beim Derby-Gastgeber Borussia Dortmund. Die Polizei begründet die "erhöhten Sicherheitsanforderungen" mit dem Auftreten einer gewaltbereiten Minderheit beim Derby am 28. Februar 2015. Fans hatten sich beim Derby in der Bundesliga-Rückrunde zwar weitestgehend friedlich verhalten, so dass zunächst eine allseits positive Bilanz gezogen wurde.

Doch ein Fanmarsch Schalker Ultras vom S-Bahnhof in Barop zum Stadion sei "rechtswidrig" gewesen. Die Schalker hatten sich damals nicht an die vereinbarten Anreisewege gehalten. Diese Wege wurden zuvor auch mit dem FC Schalke 04 abgesprochen. Nach dem Fanmarsch hätten die Ultras eine Kontrollstelle an den Westfalenhallen überrannt.

Polizisten und Ordner konnten die Gruppe erst an den Toren zur Nordtribüne stoppen. Andere Stadionbesucher seien "erheblich" behindert worden. Darüber hinaus berichtet die Polizei von Schalker Gewalttätern, die U-Bahnen des Dortmunder Verkehrsunternehmens DSW21 beschädigt hatten. Das habe zu "massiven Behinderungen des gesamten Dortmunder Nahverkehrs" geführt. 

Darüber hinaus argumentiert die Polizei mit Zahlen: Beim Derby im Jahr 2014 zählte sie 35 Straftaten. Darunter neun Gewalttaten. Nach der Partie am 28.2.2015 ermittelte die Polizei in 119 Fällen - darunter waren 51 Gewalttaten. Das verschärfte Sicherheitskonzept trägt damit die Handschrift der Dortmunder Polizei. Sie habe sich "intensiv" für diese Punkte eingesetzt:

  • Nur 4000 Eintrittskarten für Schalke-Fans
  • Organisierte Anreise für Schalke-Fans mit Bussen direkt zum Stadion
  • Vouchersystem und personalisierter Kartenverkauf
  • Ausschluss von Problemgruppen durch den Gastverein

Laut Polizei Dortmund stehen diese Forderungen im Einklang mit Forderungen des NRW-Innenministeriums und der Innenministerkonferenz. Diese Forderungen habe sie in Gesprächen mit dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund jedoch nur "zum Teil" durchsetzen können.

Schalke 04 kann den geplanten Boykott seiner Fans im Auswärtsspiel am 8. November bei Borussia Dortmund verstehen. "Der FC Schalke 04 bedauert diese Entscheidung, hat aber Verständnis für die Gründe", erklärte der Fußball-Bundesligist.

So haben wir bisher berichtet:

"Aufgrund dieser angeführten Fakten und nach dem Gespräch mit den Fanbetreuern unseres Vereins, haben wir uns als Gruppe Ultras Gelsenkirchen dazu entschlossen, das Derby in diesem Jahr nicht zu besuchen", heißt es in dem am Wochenende veröffentlichten Text. 15 Ultra-Gruppen der Königsblauen haben die Erklärung auf der Internetseite der Ultras GE inzwischen unterzeichnet. In dem Text erläutern die Autoren das in mehreren Gesprächen kontrovers diskutierte Konzept:

  • 6500 statt 8000 Eintrittskarten für Schalker
  • verpflichtende Anreise per Bus mit einem Voucher-System

Als "alternative Anreisemöglichkeit" stellen die Schalker die Anreise per Zug vom Gelsenkirchener Hauptbahnhof bis zum Dortmunder Hauptbahnhof vor. An diesem Drehkreuz befürchten sie beim Umstieg in Züge, die zum Dortmunder Stadion führen, eine "Zersplitterung" der Schalker Fan-Gruppen und eine "Verzögerung der Anreise". Fans, die auch diese Variante umgehen wollen, sollen angeblich in Stadionnähe "umfangreichen Kontrollen" unterzogen werden.

"Unterstützung so gut wie unmöglich"

In dem Sicherheitskonzept sehen die Ultras den Versuch, "die Unterstützung unseres Vereins so gut wie unmöglich zu machen." Weniger Karten und strikt vorgeschriebene Anreisewege seien "nicht hinnehmbar". Die Schalker Ultras sprechen von einer "drastischen Einschränkung" des Grundrechts auf Bewegungsfreiheit. In der Folge seien Emotionen und Leidenschaft beim Derby unmöglich. Die Ultras hoffen jetzt auf ein Umdenken.

Ultras fordern "100 Prozent Derby"

Sie fordern "volles Gästekontingent und freie Anreise" für "100 Prozent Derby". 100 Prozent Derby - das erforderte in den vergangenen Jahren tatsächlich Sicherheitskonzepte mit mehreren Tausend Polizisten und Ordnern an nur einem Tag, nachdem Gewalttäter und Randalierer wie im Jahr 2012 gegnerische Fans angegriffen und in den Stadien auch mit Pyroptechnik randaliert hatten.

Am Montagmorgen reagierte das Innenministerium auf die Derby-Erklärung der Schalker. Sprecher Wolfgang Beus: "Die Reduzierung des Gäste-Kontingents ist eine Möglichkeit, Gewalt zu minimieren. Das sieht auch die Innenminister-Konferenz so. Was in der Erklärung fehlt, ist eine klare Distanzierung von Gewalt." Im März 2014 fiel die Derby-Bilanz ausgesprochen positiv aus.

 

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