Schalla-Mordprozess: Angeklagter bleibt in Untersuchungshaft - und geht auf Richter los

Verteidiger-Antrag abgelehnt

Der Angeklagte im Prozess um den Mord an der Dortmunderin Nicole-Denise Schalla bleibt in Untersuchungshaft. Als er von der Entscheidung des Gerichts hört, wird Ralf H. laut und unverschämt.

Dortmund, Castrop-Rauxel

, 14.01.2019, 15:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schalla-Mordprozess: Angeklagter bleibt in Untersuchungshaft - und geht auf Richter los

Der Angeklagte und seine Verteidiger Gencer Demir (links) und Ralph Giebeler. © Martin von Braunschweig

Die Richter halten den 53-Jährigen weiterhin für dringend verdächtig, im Oktober 1993 die damals 16 Jahre alte Schülerin Nicole-Denise Schalla im Jungferntal erwürgt zu haben. Belastet wird der Angeklagte von einer einzelnen Hautschuppe, die auf der Leiche gesichert worden war und bei einem DNA-Abgleich ihm zugeordnet werden konnte.

Angeklagter: "Hätte nie in Haft kommen dürfen"

Ralf H. will von diesem Indiz allerdings gar nichts wissen. "Ich hätte überhaupt gar nicht erst in Haft kommen dürfen", meckerte er nach einer Verhandlungspause. Die Richter seien offensichtlich voreingenommen und würden die Unschuldsvermutung mit Füßen treten. Wörtlich sagte der 53-Jährige: "Herr Richter, wir müssen jetzt hier mal einen Konsens finden, ansonsten wäre es besser, wenn wir uns trennen."

Mehrmals musste Richter Peter Windgätter den Angeklagten ermahnen, bei seinen Ausführungen sachlich zu bleiben. Doch einmal in Rage, legte der 53-Jährige weiter nach. Nach dem begangenen "Rufmord" an ihm solle jetzt anscheinend auch noch der "Sozialmord" folgen. "Sechs Monate konnte ich meine Wohnung draußen weiter bezahlen, jetzt fehlen mir die Mittel", beklagte er sich. "Sie haben sich da offensichtlich in etwas reingeritten und finden jetzt nicht mehr heraus." Für den Castrop-Rauxeler steht jedenfalls fest: "Sie wissen genau, dass das niemals ein Mord war und ich jedenfalls nicht der Mörder bin."

Vorstrafen sprechen gegen Ralf H.

Doch die DNA-Spur ist nicht der einzige Umstand, der gegen Ralf H. spricht. Ein Blick in seine umfangreiche Vorstrafenakte ließ am Montag fast alle Prozessbeobachter frösteln. Fünf Mal hat der Angeklagte Frauen überfallen. Vier von ihnen kannte er zuvor überhaupt nicht. Auffällig dabei: Fast allen Opfern drückte er bei den Taten den Mund zu und schnürte ihnen so die Luft ab. Nicole-Denise Schalla wurde von ihrem Mörder erwürgt.

Besonders schlimm: Nur drei Monate vor dem Mord an der Schülerin im Jungferntal lauerte Ralf H. in Castrop-Rauxel einer ebenfalls 16 Jahre alten Schülerin auf. Aus einem Gebüsch sprang er sie nachts an, zog sie an sich und presste ihr die Hand auf den Mund.

Angeklagter zeigte keinerlei Regung

Während die Vorstrafen erörtert wurden, zeigte Ralf H. am Montag keinerlei Regung. Und auch, als Psychiater Bernd Roggenwallner später sein Gutachten erstattete, blieb der Angeklagte still. Roggenwallner konnte keinerlei Anzeichen auf eine so schwere psychische Störung erkennen, die eine verminderte Schuldfähigkeit annehmen ließen.

Möglicherweise wird der Castrop-Rauxeler demnächst nur noch von einem Rechtsanwalt vertreten. Verteidiger Ralph Giebeler beantragte am Montag, von seinem Amt entpflichtet zu werden, weil das Vertrauensverhältnis zwischen ihm und dem Angeklagten schwer gestört sei. Nähere Angaben dazu wollte Giebeler nicht machen.

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Im Prozess um den Mord an Nicole-Denise Schalla vor 25 Jahren hat das Schwurgericht am Montag zwei DNA-Experten angehört. Danach beantragten die Verteidiger die Freilassung des Angeklagten. Von Martin von Braunschweig

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