Mord-Prozess: Ralf H. provoziert das Gericht und wird selbst attackiert

rnMordfall Nicole Schalla (†16)

Am zweiten Verhandlungstag im neuen Schalla-Prozess müssen die Eltern des 1993 getöteten Mädchens als Zeugen aussagen. In einer Verhandlungspause kommt es fast zu einem Eklat.

Dortmund, Castrop-Rauxel

, 24.08.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass er kein einfacher Mensch ist, hat Ralf H. schon mehrmals unter Beweis gestellt. Am Montag setzte der mutmaßliche Mörder der Schülerin Nicole-Denise Schalla sogar noch einen drauf.

Zum zweiten Verhandlungstag der Neuauflage des Prozesses am Schwurgericht erschien der 55-Jährige mit einer Mappe, auf die er einen Zettel geklebt hatte. „Wo ist der HinRichter hin?“, fragte er darauf provokant.

Angeklagter beleidigt Richter

Gemeint ist Peter Windgätter, der den ersten Prozess von Dezember 2018 bis Ende 2019 geleitet hatte, inzwischen jedoch durch einen neuen Vorsitzenden ersetzt worden ist.

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Dieses Vorgehen des Landgerichts hatte Ralf H. schon zu Beginn des Prozesses scharf kritisiert. Dass das Oberlandesgericht seinen Einwand dagegen verworfen hat, ließ seinen Frust offenbar weiter steigen.

Staatsanwältin droht mit Verfahren

Nachdem der Verhandlungstag offiziell eröffnet worden war, legte der Angeklagte sogar noch einmal nach. Mit dröhnender Stimme fragte er in den Saal: „Wo ist dieser Rufmörder?“

Erst, nachdem Staatsanwältin Sandra Lücke ihn darauf hingewiesen hatte, dass sie ein Strafverfahren gegen ihn einleiten könnte, gab Ralf H. Ruhe.

Vater und Angeklagter geraten vor der Tür aneinander

In der ersten Prozesspause kam es dann allerdings fast zu einem Eklat. Vor der Eingangstür des Landgerichtsgebäudes trafen Ralf H. und der Vater der ermordeten Schülerin direkt aufeinander.

Joachim Schalla ging auf den Angeklagten los, es wurde gerempelt und unschöne Wörter waren zu hören. Einer der Verteidiger des 55-Jährigen ging schließlich dazwischen.

Später verzichtete Ralf H. dann ausdrücklich darauf, Strafanzeige gegen Vater Schalla zu stellen. Und dieser entschuldigte sich für seinen kleinen Ausraster.

„Sie war nicht überängstlich“

Verhandelt wurde schließlich auch noch. Unter anderem mussten die Eltern der vor fast 27 Jahren getöteten Nicole-Denise Schalla als Zeugen aussagen. Vater Joachim beschrieb seine Tochter als „ehrlich, ordentlich und fleißig“. Und er sagte: „Sie war eine hervorragende Tochter, die es verdient gehabt hätte, weiterleben zu dürfen.“

Mutter Sigrid Schalla musste ebenfalls mehrmals schlucken, als sie über ihre Tochter sprechen sollte. Selbstbewusst sei Nicole-Denise gewesen, sagte sie. „Sie war ganz bestimmt kein überängstlicher Typ.“

Zum Zeitpunkt des Mordes war die 16-Jährige erstmals nicht mit ihren Eltern und ihrer Schwester auf den Campingplatz in die Niederlande gefahren, sondern daheim bei ihrer Großmutter geblieben. Vater Joachim sagt dazu: „Das ist der größte Fehler, den ich je gemacht habe. Mit dieser Schuld muss ich leben.“

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