Fenster mit Papier verklebt: Was ist da los bei Karstadt Sports und Kaufhof?

rnSchaufenster zugeklebt

Die Schaufenster von Kaufhof und Karstadt Sports in Dortmund sind am Mittwoch plötzlich zugeklebt. Passanten reagieren erschrocken. Man könnte meinen, die Geschäfte seien geschlossen.

Dortmund

, 08.07.2020, 12:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Mittwochmorgen gegen 10 Uhr geht Passantin Renate Lüttich am Karstadt-Sporthaus am Alten Markt vorbei und sieht die zugehängten Schaufenster im Erdgeschoss. Betriebsräte haben sie morgens mit braunem Packpapier zugeklebt. Ein ähnliches Bild bietet sich beim Kaufhof am Westenhellweg. Blickdicht verhüllt mit Aufklebern: „So sieht es aus - ohne uns“.

Renate Lüttich findet die von der der Gewerkschaft Verdi begleitete Aktion „sehr, sehr gut“, sagt sie. „Wenn es die Häuser künftig nicht mehr geben sollte, geht die City kaputt.“ Dann, da ist sie sicher, würden auch die anderen Händler leiden. Sie weiß, worüber sie spricht: Sie ist selbst im Einzelhandel tätig, betreibt eine Parfümerie an der Hagener Straße.

Am Freitag (3.7.) kam die Nachricht, das Karstadthaus bleibe Dortmund erhalten. Dessen Betriebsräte wollen sich nun solidarisch zeigen mit ihren Kollegen aus den beiden weiteren Häusern, die in der Luft hängen. „Wir kämpfen gemeinsam weiter“, sagt Karstadt-Betriebsratsvorsitzender Gerhard Löpke im Kreis seiner Mitstreiter.

Transfergesellschaft bei Kaufhof

Die Fenster des Sporthauses sollen den ganzen Tag zugehängt bleiben, sagt Christian Krüger, stellvertretender Filialleiter. Anders beim Kaufhofgebäude, zu dem die Betriebsräte später marschieren werden. Dessen Schaufenster sollen mittags wieder frei sein. Sie sind schwarz verhüllt. „Schwarz ist besser“, merkt einer aus der Runde an. Es fällt stärker auf. Aber das ist jetzt auch egal.

Betriebsräte der drei Warenhäuser vor den verklebten Fenstern von Karstadt Sports.

Betriebsräte der drei Warenhäuser vor den verklebten Fenstern von Karstadt Sports. © Gregor Beushausen

Ihre Aktion ist natürlich symbolisch gemeint. Sie wollen den Passaten vor Augen führen, welcher Charme von leerstehenden Groß-Immobilien mitten in der belebten Einkaufsmeile ausgeht.

„Die Kunden sollen merken, dass wir nicht am Ende sind“, sagt Kornelia Selchow-Kersching, Betriebsratsvorsitzende von Karstadt Sports. Es würden weiter Unterschriften gesammelt, der Zuspruch der Menschen sei hoch. Die Stimmung der rund 50 Beschäftigten aber „ist am Boden“, berichtet die Betriebsrätin. Es wird erst besser, wenn endlich das Signal kommt: Ja, Karstadt und der Vermieter, ein Dortmunder Familienunternehmen, haben sich geeinigt. Das Haus bleibt! Aber so weit ist es (noch) nicht.

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Auf eine solche Botschaft warten auch die 86 Beschäftigten bei Kaufhof. „Und unsere Immobilie hat deutlich mehr Eigentümer, mit denen verhandelt werden muss“, gibt Kaufhof-Betriebsratsvorsitzender Frank Malmwieck zu bedenken. Stattdessen gerieten die Beschäftigten von Tag zu Tag stärker in die Zwickmühle. Donnerstag (9.7.) und Freitag (10.7.) kommt die Transfergesellschaft ins Haus. Dann werden die Mitarbeiter informiert, was auf sie zukommen kann.

Betriebsrat spricht von „Klagewelle“

Gut eine Woche, bis Freitag, den 17.7, hätten sie Zeit sich zu entscheiden, welchen Weg sie einschlagen wollten, berichtet Malmwieck. Spätestens an diesem Tag müssen Mitarbeiter, die in die Transfergesellschaft wechseln, den Vertrag unterschrieben haben. „Die anderen sollen die Kündigung bekommen“, schildert der Betriebsrat.

Die Fensterscheiben des Kaufhof am Westenhellweg waren in ein blickdichtes, reflektierendes Schwarz gehüllt.

Die Fensterscheiben des Kaufhof am Westenhellweg waren in ein blickdichtes, reflektierendes Schwarz gehüllt. © Gregor Beushausen

Das Problem: Wer einmal unterschrieben habe, soll nicht mehr zurückkehren dürfen - selbst dann nicht, wenn Kaufhof Dortmund erhalten bleibe. „Die Stimmung in der Belegschaft ist angespannt“, sagt Malmwieck. „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand.“ Der Arbeitgeber zwinge seine eigenen Beschäftigten zu einer Klagewelle.

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Sie finde es richtig, dass die Proteste weiter laufen, sagt Kundin Lydia Brandfuß. Die Rettung des Karstadthauses sei eine gute Nachricht. „Damit ist die Luft aber nicht raus“, findet die Dortmunderin. „Dass weitergekämpft wird, ist wichtig für die City.“ Sagt es und marschiert schnurstracks ins Karstadt-Sporthaus. „Eine Regenjacke kaufen.“

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