Schauspiel Dortmund widmet sich Tabuthema „Homosexualität im Profifußball“

Dortmunder Sprechchor

In der Schauspielproduktion „Echte Liebe“ kreist der Dortmunder Sprechchor um eines der letzten Tabus im Profifußball. Die Hymne „You‘ll never walk alone“ bekommt dabei eine neue Bedeutung.

Dortmund

, 07.04.2019, 12:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schauspiel Dortmund widmet sich Tabuthema „Homosexualität im Profifußball“

Im schwarz-gelben Outfit tritt der Dortmunder Sprechchor in seiner neuen Produktion „Echte Liebe“ auf. © Birgit Hupfeld

Mit einem Tabuthema befasst sich der Dortmunder Sprechchor in seiner neuesten Produktion „Echte Liebe“: Homosexualität im Profifußball. Denn es gibt nach wie vor keinen aktiven Fußballer von er der ersten bis zur dritten Liga, der sich geoutet hat. Auch der ehemalige Nationalspieler Thomas Hitzlsperger hat das erst nach seiner Karriere getan.

Viele Aspekte werden beleuchtet

Das Stück von Laura N. Junghanns (auch Regie) und Matthias Seier kreist um dieses Thema. Zu Wort kommen Fans („Du schwule Sau“), der DFB, der immer wieder distanziert nur auf seine trockenen Broschüren verweist, sowie bekannte Fußball-Größen wie der ehemalige Schalke-Manager Rudi Assauer, der zu einem schwulen Masseur gesagt haben soll: „Junge, tu mir einen Gefallen und such dir einen anderen Job.“ Auch die Medien kriegen ihr Fett weg. Sie würden, so die These, bei einem homosexuellen Fußballer bis zu dessen Lebensende ausschließlich auf diesem einen Aspekt seiner Persönlichkeit herumreiten.

Ein spezieller Sog entsteht

Wer bereits frühere Produktionen vom Dortmunder Sprechchor kennt, weiß, wie solche Abende funktionieren: Viele Akteure – diesmal sind es etwa 50 – sprechen ihren Text gleichzeitig, sodass eine ganz eigentümliche Atmosphäre entsteht, die einen speziellen Sog entfaltet. Diese Spielweise geht auf die Anfänge des Theaters in der Antike zurück. In „Echte Liebe“ funktioniert das in einigen Passagen sehr gut, in anderen weniger. Auch hapert es bei Soloauftritten, in der eines der Sprechchor-Mitglieder einen homosexuellen Fußballer mit anonymer Tarnmaske spielt, etwas an Textsicherheit. Eindrucksvoll ist die Schlussszene, in der der Chor das bekannte „You‘ll never walk alone“ singt. Während der Homosexuelle ganz allein hinausgeht, wiederholt der Chor das „alone“ immer wieder. Darin spiegelt sich die gesamte Aussage des Abends.

Das „17. Ensemblemitglied“

Der Sprechchor existiert seit 2011. Schauspielchef Kay Voges bezeichnet ihn gern als 17. Ensemblemitglied. Die Laien-Darsteller unterstützten nicht nur die Produktionen des Schauspiels, sondern haben stets auch in eigenen Stücken wie „Margot Maria Rakete“ oder „Das Bildnis des Dorian Grey“ auf sich aufmerksam gemacht.

Ein Abend mit eigenem Charme

Lobenswert ist, dass das Dortmunder Schauspiel auf diese Weise auch Laien die Möglichkeit gibt, sich auf der Bühne zu präsentieren und ein interessantes Hobby auszuüben. Abende mit dem Sprechchor haben einen eigenen Charme, an denen man jedoch nicht die schauspielerische Perfektion der anderen Produktionen erwarten darf.

Termine für „Echte Liebe“: 20.4. (ausverkauft), 3.5., 2.6. (ausverkauft), 5.7. (ausverkauft). Weitere Termine folgen. Tickets: 0231/50 27 222, www.theaterdo.de
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