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Schauspieler Walter Sittler erzählte im Konzerthaus die Lebensgeschichte Erich Kästners

rnKonzerthaus Dortmund

Zusammen mit sechs Musikern brachte Schauspieler Walter Sittler am Sonntagabend Erich Kästners autobiografisches Werk „Als ich ein kleiner Junge war…“ im Konzerthaus Dortmund auf die Bühne.

Dortmund

, 22.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Im grauen Anzug mit Weste und Trenchcoat betritt Walter Sittler am Ostersonntag die Bühne, auf der eine lange Bank für die Musiker steht. Rechts steht ein Stuhl, daneben ein Garderobenständer, links ein Hocker. Die Band spielt bereits und versetzt das Publikum mit Geige, Schlagzeug, Trompete, Saxofon, Harmonium und Kontrabass in eine Atmosphäre der von Jazz geprägten goldenen 20er-Jahre. Sittler setzt sich auf den Stuhl und blättert in seinem Notizblock. Die Musik stoppt, Sittler steht auf und ein 90-minütiger Monolog beginnt.

Ein 90-minütiges Ein-Mann-Theaterstück

„Ein Vorwort ist für ein Buch so wichtig und so hübsch wie der Vorgarten für ein Haus. Natürlich gibt es auch Häuser ohne Vorgärtchen und Bücher ohne Vorwörtchen, Verzeihung, ohne Vorwort. Aber mit einem Vorgarten, nein, mit einem Vorwort sind mir die Bücher lieber.“ So beginnt der 66-jährige Schauspieler das Ein-Mann-Theaterstück. Kästner selbst wächst um die Jahrhundertwende ohne Vorgarten in der Königsbrücker Straße in der Neustadt von Dresden auf.

Walter Sittler konzentriert sich auf das Wesentliche: Kästners Geschichte. Mit einer angenehm ruhigen Stimme, moderaten Gesten, ohne Requisiten und Kostüme, akzentuiert begleitet von trauriger oder stimmungsvoller Musik, erzählt Sittler von Kästners Kindheit in einem museumshaften Dresden, das es – zerstört durch den Krieg – heute so nicht mehr gibt.

Er spricht über Emil Kästner, seinen hart arbeitenden Vater, der als selbstständiger Sattler Pleite geht und nun als Industriearbeiter Koffer herstellt. Und über Erich Kästners überfürsorgliche Mutter Ida, die ihn aus Angst, ihm könne etwas passieren, täglich auf dem Weg zur Schule verfolgt.

Sittler füllt die spannenden Erzählungen auf der Bühne mit Leben

Immer wieder wechselt Sittler die Sitzgelegenheit: Erst sitzt er auf dem Stuhl, dann auf dem Hocker, auf der Bank zwischen den Musikern, wenig später steht er hinter der Bank oder wieder vorne vorm Publikum. Es fällt anfangs schwer, seinem Monolog zu folgen. Doch Sittler schafft es die spannenden und kraftvollen Erzählungen auf der Bühne mit Leben zu füllen. Immer wieder wechselt er binnen Sekunden zwischen den Emotionen in Kästners Erzählungen.

Gerade noch erzählt er gewitzt vom Weihnachtsfest in Kästners Elternhaus, bei dem die Eltern um die Gunst des Sohnes wetteifern und sich mit Geschenken überbieten. In der nächsten Szene parodiert er Erichs Onkel Franz Augustin, der den Metzgerberuf aufgibt und sich dem Pferdehandel verschreibt. Seinen größten Moment hat Sittler, als er allein im Lichtkegel sitzt und eindrucksvoll von Kästners verwirrter und depressiver Mutter erzählt, der er mehrere Male zu sämtlichen Brücken nachhetzt, damit sie sich nicht das Leben nimmt.

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