Ende im Gelände: Schlägt mysteriösem BMW die letzte Stunde?

rnOrtskern Mengede

Aufatmen bei den Anwohnern der Rigwinstraße: Der mysteriöse BMW ist weg. Ein halbes Jahr sorgte er für Gespächsstoff. Einige Fragen beantwortet die Stadt – andere bleiben noch offen.

Mengede

, 10.01.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Erleichterung klingt zwischen den Zeilen einer kurzen Nachricht von Leser Frank Strobel mit: „Sie haben ihn gestern abgeschleppt. Endlich.“ Ihn, das ist der mysteriöse BMW, der seit gut einem halben Jahr in der Mengeder Rigwinstraße stand.

Am Freitag (3.1.) beauftragte das Ordnungsamt ein Abschleppunternehmen, den BMW an den Haken zu nehmen und sicherzustellen. Das teilt Stadtsprecher Christian Schön auf Anfrage mit. Anlass war nun eine „akute Gefahrenlage“.

Stück für Stück hatten Unbekannte das Auto demoliert und kurz vor Weihnachten auch die Nummernschilder entfernt.

Stück für Stück hatten Unbekannte das Auto demoliert und kurz vor Weihnachten auch die Nummernschilder entfernt. © Uwe von Schirp

Außendienstmitarbeiter des Ordnungsamtes wären „erneut auf das Fahrzeug aufmerksam“ geworden. Dabei hätten sie festgestellt, dass das Auto keine gültigen Kennzeichen mehr habe und die Scheiben eingeschlagen wurden.

Ordnungsamt erhielt erst am 29. Oktober Information

Mit dem Abschleppen endet ein halbjähriges Rätselraten: Seit Mitte Juli stand der BMW im Ortskern – zunächst noch mit polnischen Kennzeichen aus dem Kreis Zaganski im Verwaltungsbezirk Lubuskie. Als wenig später an dem Auto die Alarmanlage in kurzen Abständen auslöste, benachrichtigten Anwohner die Polizei. Mehrfach nahmen Beamte der Wache Mengede und auch der Kriminalpolizei den Wagen in Augenschein.

„Das Ordnungsamt erhielt am 29.10.2019 einen entsprechenden Hinweis auf das abgestellte Fahrzeug durch die Polizei“, erklärt Stadtsprecher Christian Schön. Das war knapp vier Wochen, nachdem diese Redaktion erstmals über den BMW und den Ärger der Anwohner berichtet hatte.

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Frank Strobel hatte weitere Wochen zuvor auf der Mengeder Polizeiwache auf den abgestellten BMW hingewiesen. Und dabei einen möglichen Zusammenhang mit einer Geldautomatensprengung in der Commerzbank am Markt am 15./16. Juli angesprochen. Dafür gebe es keine Anhaltspunkte, erklärte die Polizei gegenüber unserer Redaktion. „Die Beamtin sagte , sie wolle den Vorgang an das Ordnungsamt weiterleiten“, berichtete Strobel Ende September.

Ein Jahr freie Fahrt in Deutschland

„Zeitnah nach der erstmaligen Benachrichtigung“ habe das Ordnungsamt das Fahrzeug „in Augenschein genommen“, erklärt Christian Schön. Lediglich abgerissene Außenspiegel hätten aber keine sofortige Abschleppmaßnahme gerechtfertigt. „Im Übrigen konnte zuvor bereits ermittelt werden, dass das Fahrzeug noch über eine gültige Zulassung im Ausland (Polen) verfügt.“

Freier Parkplatz: Die Anwohner sind froh, dass der mysteriöse BMW nicht mehr an der Rigwinstraße steht.

Freier Parkplatz: Die Anwohner sind froh, dass der mysteriöse BMW nicht mehr an der Rigwinstraße steht. © Uwe von Schirp

Laut EU-Zulassungsverordnung dürfen im Ausland ordnungsgemäß angemeldete Fahrzeuge ein Jahr lang am Straßenverkehr in Deutschland teilnehmen. Parken inklusive. Das Ordnungsamt werde aktiv, sobald von einem nicht mehr zum Straßenverkehr zugelassenen Fahrzeug eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgehe, schreibt die Stadt – etwa dann, wenn eine Verletzungsgefahr für spielende Kinder oder Passanten bestehe. Das war nun der Fall, nachdem die Kennzeichen entfernt und Scheiben eingeschlagen wurden.

Kontaktaufnahme mit dem Halter ist schwierig

Nun steht der BMW auf einem „Sicherstellungsgelände“. „Das Fahrzeug wird kurzfristig durch einen Mitarbeiter des Ordnungsamtes auf dem Sicherstellungsgelände in Augenschein genommen“, schreibt Schön. „Warum der Pkw letztlich längere Zeit an der Örtlichkeit abgestellt war, wird sich vermutlich nicht ergründen lassen, zumal sich eine Kontaktaufnahme zu dem aktuellen Halter aufgrund der ausländischen Meldeadresse schwierig gestalten könnte.“

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Generell gelte: „Trifft der Halter des Fahrzeuges keine Regelung zu dem sichergestellten Fahrzeug (z. B. Abholung, Verwertung, inkl. Begleichung der Kosten) wird das Fahrzeug nach Besichtigung durch das Ordnungsamt verwertet.“ Heißt: Ist der Restwert des demolierten BMW gering, wird er verschrottet. „Die Kosten des Verfahrens werden dem Verantwortlichen letztlich per Leistungsbescheid in Rechnung gestellt“, erklärt Stadtsprecher Schön.

Wie aussichtsreich dessen Bezahlung ist, ist nur eine von vielen Fragen, die bleiben: Etwa, ob ausgeschlossen werden kann, dass der BMW oder seine Kennzeichen im Zusammenhang mit einem Eigentumsdelikt stehen. Denn unklar ist bislang weiterhin, was sich im Kofferraum des Fahrzeugs befindet. Nicht auszuschließen ist, dass darin Einbruchswerkzeug lagert.

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