Schlechte Noten für den Dortmunder Busbahnhof

"Mangelhaft" im ADAC-Test

Ein dickes Minus-Zeichen prangt auf dem Zeugnis. Mit "mangelhaft" hat der ADAC den Dortmunder Busbahnhof an der Steinstraße bewertet. Der Autoclub hatte ihn im Rahmen eines bundesweiten Tests unter die Lupe genommen - als einzigen in Nordrhein-Westfalen. Die Stadt verweist auf eine wichtige Information.

DORTMUND

, 26.01.2017, 02:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schlechte Noten für den Dortmunder Busbahnhof

Kein Wetterschutz, keine Anzeigetafeln, keine Sitzbänke am Bussteig - vom ADAC bekommt der Busbahnhof an der Steinstraße nur die Note "mangelhaft".

Keine elektronischen Anzeigen zu den Abfahrten, kein Wetterschutz an den Bussteigen und keine Sitzplätze im Wartebereich – das sind die zentralen Kritikpunkte am zentralen Dortmunder Haltepunkt für Fernbusse. Er erhielt mit dem Gesamturteil „mangelhaft“ die drittschlechteste Note unter zehn Fernbusbahnhöfen in ganz Deutschland. Schlechter schnitten nur Bremen und Göttingen ab.

Bei der Stadt und Busbahnhof-Betreiber Do-Park (ehemals SBB) nimmt man die Kritik gelassen – und verweist auf den bewusst provisorischen Charakter des Busbahnhofs. Er war 2012 wegen des Baus des Fußballmuseums vom Königswall kurzfristig auf die Nordseite des Hauptbahnhofs verlegt worden. 850.000 Euro hatte die Stadt dafür investiert.

Fester Bestandteil der städtischen Planungen 

Die Stadtplaner hatten dabei immer wieder darauf hingewiesen, dass der Standort an der Steinstraße nur von vorübergehender Natur sein soll. Denn langfristig soll ein neuer Busbahnhof im Bereich des früheren Güterbahnhofs auf dem Bahndamm entstehen. Dieses Vorhaben ist fester Bestandteil der städtischen Planungen zur Neugestaltung des Bahnhofsumfelds, zu dem in diesem Jahr ein Architektenwettbewerb stattfinden soll.

Bis der Busbahnhof erneut verlegt wird, werden allerdings noch einige Jahre vergehen. Voraussetzung für den Neubau auf dem Bahndamm ist der Umbau des Hauptbahnhofs, der nach den Plänen der Bahn 2024 vollendet sein soll. Große Investitionen in die Infrastruktur an der Steinstraße wird es bis dahin nicht geben.

Aber auch an den Verlagerungsplänen gibt es Kritik und Zweifel. Die Initiative „Garten statt ZOB“ schlägt einen Standort an der Ravensberger Straße nahe der Bornstraße vor. Für die ADAC-Note wäre ein abgelegener Standort kein Problem: Der Busbahnhof Stuttgart liegt als Testsieger weit außerhalb der Stadt – am Flughafen. 

Deutschlandweit seien nur wenige Fernbus-Stationen kundenfreundlich, so der ADAC. „Der Fernbusmarkt hat sich in den letzten Jahren schneller entwickelt als die dazugehörige Infrastruktur“, sagte der für Verbraucherschutz zuständige Geschäftsführer Alexander Möller. „Die Angebote der Städte bilden derzeit nicht die Mobilitätsbedürfnisse und Wünsche der Fahrgäste ab.“ Daher sollte dringend nachgebessert werden, fordert der Autoclub. 

Stuttgart auf Platz eins, Göttingen Schlusslicht

Das Testergebnis verdeutlicht aber auch ein Dilemma: Vor allem Neubauten vor den Toren der Städte schnitten gut ab, etwa in Stuttgart, wo die Fernbusse seit Mai 2016 an einem neuen Terminal beim Flughafen halten. Mit der S-Bahn fahren Reisende ab Stadtmitte aber eine knappe halbe Stunde zum Fernbusbahnhof. Genau dies ist laut ADAC ein Nachteil. Der Standort sei fernab von den Hauptzielen der Reisenden. Positiv bewerteten die ADAC-Prüfer, dass das Terminal komplett überdacht ist, Reiseinfos mehrsprachig angezeigt und Durchsagen gemacht werden. Auch ein zentraler Ticket- und Infoschalter sowie Duschen und Baby-Wickelplätze sind vorhanden.

Eine lange Mängelliste gab es indes für den Göttinger Fernbusbahnhof. Zwar liegt er direkt am Hauptbahnhof. Doch es fehlten wie auch in Dortmund elektronische Anzeigen mit aktuellen Infos, die Beschilderung sei schlecht, es gebe keinen zentralen Ticketschalter, keine Zebrastreifen sowie kein Dach. Betreiber des Göttinger Halts ist die Bahn-Tochter DB Station & Service AG. Zu dem miesen Abschneiden des Fernbusbahnhofs in dem ADAC-Test sagte eine Bahn-Sprecherin, man habe die Infrastruktur von der Stadt übernommen. „Derzeit ist eine städtebauliche Maßnahme in Planung, in deren Zuge auch die Bushaltestelle verändert wird.“

Mit Material von dpa

 

 

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