Schlesische Fleischerei Magiera schließt am 30. April

rnEinzelhandel in Brackel

An der Holzwickeder Straße geht in wenigen Wochen eine langjährige Metzger-Tradition zu Ende: Die Fleischerei Magiera gibt ihr Geschäft auf. Für einen ist das besonders traurig.

Brackel

, 27.03.2019, 21:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Brackel ist bald um ein Fachgeschäft ärmer. Die schlesische Fleischerei Magiera an der Holzwickeder Straße 45 schließt am 30. April ihre Pforten.

Der Betrieb sei nicht mehr rentabel, sagt Markus Magiera (43), der heute das Familien-Unternehmen leitet. Aufgrund von neuen EU-Richtlinien müsste der gesamte Betrieb umgebaut werden: Weil sich die Produktion in der ersten Etage befindet, der Verkauf aber im Erdgeschoss, sei die Kühlkette zu lange unterbrochen, meinen die Kontrolleure. Einen Umbau jedoch kann sich die Familie nicht leisten.

Verkauf ist rückläufig

Hinzu komme: Der Fleischverkauf sei in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen, sagt Markus Magiera. Das habe vermutlich mehrere Gründe. Zum einen wird generell nicht mehr so viel Fleisch gegessen wie früher – immer mehr Menschen verzichten ganz darauf –, zum anderen seien gerade jüngere Menschen heute nicht mehr so qualitätsbewusst. Sie kaufen ihr Fleisch beim Discounter.

Nur an besonderen Feiertagen

Nur zu besonderen Feiertagen wie Ostern und Weihnachten sei es voll bei Magiera. Dann kommen die Kunden und sagen: „Heute gönnen wir uns mal was richtig Gutes.“ Und für Qualität ist Magiera bekannt. So verlieh ihnen die Zentralgenossenschaft des europäischen Fleischergewerbes 2011 die Auszeichnung in Gold für gebrühte Knoblauchwurst, Oppelner, Presswurst und Fleischwurst ohne Knoblauch. Alle Produkte werden ohne Phosphate und Konservierungsstoffe hergestellt.

Schlesische Fleischerei Magiera schließt am 30. April

So sieht die Fleischerei Magiera an der Holzwickeder Straße 45 von außen aus. © Andreas Schröter

Und so sehen‘s auch die Brackeler Kunden. Im Sozialen Netzwerk Facebook hat die Nachricht von der Schließung für einen Aufschrei gesorgt. Dort sind Kommentare zu lesen wie: „Nein ... Da gibt es die beste Fleischwurst der Welt. Muss ich dann den Industriemist kaufen?“, „Das ist mehr als schade!! Da gab es erstklassige Ware“ und „Bei dem gab es die beste Grützwurst“.

„Mein Lebenswerk“

Auch Seniorchef Heinrich Magiera (68) gibt zu, dass die Schließung für ihn mehr als traurig sei. Die gesamte Familie ist 1984 von Oberschlesien nach Brackel gekommen. 1986 stieg Heinrich Magiera beim Vorläuferbetrieb ein, 1993 – also vor 26 Jahren – übernahm er ihn. „Die Fleischerei ist mein Lebenswerk“, sagt er. Sein Sohn Markus Magiera sieht auch Positives in der Schließung: „Der Stress ist weg.“

Dank für das Vertrauen

Die neun Angestellten, die allesamt aus Oberschlesien stammen und zu denen auch Markus Magieras Bruder Christof sowie seine Frau Evelina gehören, müssen sich nun neue Jobs suchen. Markus Magiera sagt, die Kunden würden schon fragen, wo er denn wohl demnächst arbeiten würde, damit sie dann ihre Fleischwurst da kaufen können. Markus Magiera möchte sich auf diesem Weg bei den Kunden für ihr Vertrauen bedanken.

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