Schließungen am Westenhellweg - Wie geht es der wichtigsten Einkaufsmeile in Dortmund?

rnDortmunder City

Entlang des Westenhellweg hat es mehrere Abgänge gegeben. Vor allem höherpreisige Modemarken verlassen Dortmunds Einkaufsmeile. Verramscht der Westenhellweg?

Dortmund

, 04.11.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die folgenden Marken haben etwas gemeinsam: Desigual, Barbour, Gerry Weber, Levis, Strenesse, Esprit. Sie alle hatten oder haben Geschäfte am Westenhellwegs, an einer seiner Seitenstraßen oder in der Thier-Galerie. Und: Sie alle haben geschlossen oder die Schließung angekündigt.

Gleiches gilt für die Modeläden Backyard und Deters, letzteres ein inhabergeführtes Traditionsgeschäft. Was passiert da gerade entlang Dortmunds Einkaufsstraße?

Wenig Leerstand am Westenhellweg

Das Gute vorweg: Der Leerstand hält sich in Grenzen. Am prominentesten ist das ehemalige Esprit-Geschäft neben der Mayerschen. Auch Barbour an der Silberstraße und Levis in der Thier-Galerie stehen noch leer.

Für einige andere Läden gibt es bereits Nachfolger. Im ehemaligen Tom Tailor macht JD Sports auf. Da wo mal Desigual war, werden bald Five-Guys-Burger braten. Doch auch diese Nachfolger werfen die Frage auf: Wird der Westenhellweg für Modelabels unattraktiver? Und wie wirkt sich das auf die Einkaufsstraße als Ganzes aus?

Leitbranche für alle Innenstädte

Für alle Innenstädte sei die Textibranche eine „Leitbranche“, sagt Ulf Wollrath, Geschäftsfüher für den Bereich Handel bei der IHK zu Dortmund. Und: Der Textilhandel sei aktuell eine Problembranche, auch wegen des hohen Online-Anteils.

Man müsse aber betonen: „Innerhalb des Ruhrgebiets ist Dortmund immer noch die Einkaufsstadt Nummer eins.“ Das liege auch an der besonderen Vielfalt des Angebots am Westenhellweg.

Dortmund hat „keine Niveau-Meile“

Wenn man sich praktisch alles an die Wohnungstür tragen lassen kann, dann muss Shopping in der echten Welt eben Spaß machen. Auch ungewöhnliche, glanzvolle Marken tragen zu diesem Erlebnis bei.

Höherpreisige Marken haben es am Westenhellweg tendenziell schwer, sagt Andreas Grüß, Geschäftsführer beim Maklerunternehmen Lührmann, der bereits zahlreiche Immobilien auf dem Westenhellweg vermittelt hat: „Das gibt die Klientel nicht her. Dortmund ist sehr konsumig, aber hat nicht ohne Grund keine Niveau-Meile.“

Veränderungen am Westenhellweg sind normal

Für Dirk Rutenhofer ist das Engagement für den Westenhellweg Ehren(amts)sache. Er ist Vorsitzender der Händler-Interessengemeinschaft Cityring. Er sagt, überall schlössen hochwertig ausgerichtete Geschäfte, nicht nur in Dortmund, sondern genau so in München oder Mailand.

Nicht nur das Kaufverhalten der Kundschaft habe sich geändert, sondern auch die Strategien vieler Hersteller. Aus dieser Beobachtung ergibt sich für Rutenhofer nicht, dass es dem Westenhellweg schlecht ginge.

Das sieht Matthias Hilgering ähnlich. Seine Familie hat seit Jahrzehnten ein Weingeschäft am Westenhellweg, er selbst ist ebenfalls im Vorstand des Cityrings. „Natürlich ist es bedauernswert, wenn alteingesessene Dortmunder Unternehmen gehen“, sagt Hilgering über das Modehaus Deters. „Ich habe aber nicht die Sorge, dass die Qualität am Westenhellweg ingesamt leidet. Die Veränderungen, die wir sehen, sind ganz normal.“

„Ich mache mir um die Frequenz der City keine Sorgen“

Auf dem Weg entlang der Einkaufsstraße findet Rutenhofer auch zahlreiche Stellen, wo er die Qualitäten des Westenhellwegs hervorhebt. Der Juwelier Rüschenbeck, das Schuhhaus Vogelsang, das seien hochwertige Häuser, die schon lange in Dortmund sind. Und auch neuere Geschäfte wie Rituals oder Daniel Wellington hebt er hervor.

„Wenn es uns gelingt, das klassische Verkaufen mit erlebnisreichen Faktoren zu verknüpfen, mache ich mir um die Frequenz der City keine Sorgen“, sag Dirk Rutenhofer.

Um die Modebranche steht es nicht optimal. Und das zeigt sich auch an Geschäftsschließungen hochwertiger Marken am Westenhellweg. Davon auf allgemeine Probleme zu schließen, wäre aber falsch. Denn was dem Westenhellweg vielleicht an Niveau fehlt, gleicht er durch Vielfalt und Beliebheit durchaus aus.

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