Mutter aus Dortmund zum vergessenen Schoko-Ticket: Schülerin sollte für Fehler geradestehen

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Schoko-Ticket vergessen und nicht in den Bus gekommen: Einer Schülerin (12) ist das passiert. Die anschließende Diskussion verärgert eine Mutter aus Dortmund: Die Schuld liege nicht beim Busfahrer.

Kirchhörde

, 13.03.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fehlende Kulanz wurde einem Busfahrer der DSW21 vorgeworfen, als er eine 12-jährige Schülerin aus Kirchhörde, die ihr Schoko-Ticket zuhause vergessen hatte, nicht in den Bus einsteigen ließ. Der Vater der Schülerin war ziemlich aufgebracht, dass seine Tochter an der Haltestelle stehen gelassen wurde.

Aber nicht jeder scheint diese Meinung zu teilen. In den Sozialen Netzwerken ging es hoch her und auch in zahlreichen Mails diskutierten die Dortmunder über das Thema.

Eine Mutter, deren Töchter auch im Stadtbezirk Hombruch Schulen besuchen, beschreibt ihre Sicht auf die Dinge: „Es sind immer die anderen Schuld“, sagt Ute Kehse-Kemmsies. „Ich habe selber vier Töchter, die aus Kirchhörde zum Max-Planck-Gymnasium und zur Gesamtschule Brünninghausen fahren oder gefahren sind.“

Keinen Vorwurf an den Busfahrer

Schoko-Ticktes waren in der Familie Kehse-Kemmsies also allgegenwärtig. Ob eine ihrer Töchter ihr Ticket mal vergessen hatte, kann die vierfache Mutter nicht mehr sagen. Darum ging es auch gar nicht. „Auch wenn es so gewesen wäre. Ich kann doch dem Busfahrer keinen Vorwurf machen. Den Fehler hätte dann doch meine Tochter gemacht“, sagt Ute Kehse-Kemmsies. Sie hat lange überlegt, ob und wie sie sich öffentlich äußern wolle.

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Schließlich hat sie sich doch entschieden, zu der Geschichte mit dem vergessenen Schoko-Ticket Stellung zu beziehen. „Vielleicht bin ich jetzt auch mal alt genug, um ‚klare Kante‘ zu zeigen“, so die fast 50-Jährige. Denn es ginge ja auch um die Selbstständigkeit. Der Schülerin, die das Ticket vergessen hatte, werde ja so suggeriert, dass sie gar nichts falsch gemacht hätte. Schlimmer noch, sie sei ja im Recht.

Zu Fuß gehen ist auch eine Option

„Natürlich finde ich es auch klasse, wenn die Busfahrer sich immer kulant zeigen würden und die Schüler einfach einsteigen lassen würden. Auch ohne Ticket. Aber das müssen sie doch nicht“, sagt Ute Kehse-Kemmsies.

Aber, was würde die Kirchhörderin denn von ihren Kindern erwarten, wenn der Fall der Fälle einmal eintreten würde? „Sie hätten sich das Ticket von zu Hause holen müssen oder sich Geld leihen können oder einfach auch mal zu Fuß zur Schule gehen können, denn auch diese Option besteht ja noch“, so Ute Kehse-Kemmsies.

Drei Kilometer Fußweg bis zur Schule

Drei Kilometer sind es laut Routenplaner zu Fuß vom Bahnhof Kirchhörde zum Max-Planck-Gymnasium an der Ardeystraße. Keine unlösbare Aufgabe, so sieht es zumindest die Kirchhörderin.

„Wieso können so viele Menschen nicht mehr sagen: Ja, hier habe ich etwas falsch gemacht, dafür trage ich die Verantwortung und ich muss mit den Konsequenzen leben?“, fragt sich Ute Kehse-Kemmsies. Und das war wohl auch der Hauptgrund, mit ihrer Meinung an die Öffentlichkeit zu gehen.

Verantwortung übernehmen

Man müsse einfach mal gelassener reagieren, die Fehler auf sich selbst beziehen, dafür selbst gerade stehen und die Schuld und Verantwortung nicht immer bei anderen suchen. Das würde das gesamte Miteinander sehr entspannen, so die fast 50-jährige Mutter von vier Töchtern.

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