Von Spießern und Moral: Schriftzug am You Point sorgt für Diskussion unter Dortmundern

rnJugendtreff am Phoenix-See

Nur wenige Tage nach der offiziellen Eröffnung des You Point drehen sich die Diskussionen um den Jugendtreff am Phoenix-See in eine neue Richtung. Schuld ist dieses Mal ein Graffito.

Hörde

, 30.04.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es wird sicherlich nicht die letzte Diskussion bleiben. Dieses Mal geht es um schwarze Farbe auf gelbem Grund und den Schriftzug „44187“, dessen Bedeutung unklar ist. Aber hier geht es ohnehin nicht um das, was dort aufgemalt ist, sondern um die Tatsache, dass die Fläche bemalt ist. Der You Point, der am Freitag (29. April) neu eröffnete Jugendtreff am Rande des Phoenix-Sees, hat sein erstes Graffito. Das ist zwar schon auf Bildern der Stadt Dortmund vom Eröffnungstag zu sehen, in der Facebook-Gruppe „Du bist Dortmunder, wenn...“ nehmen Mitglieder ein kurzes, am Montag gepostetes Video zum Anlass, über das Graffito an der Parkour-Anlage zu diskutieren.

Von Spießern und Moral: Schriftzug am You Point sorgt für Diskussion unter Dortmundern

Der You Point am Eröffnungstag (29. April): Schon hier ist das Graffito zu sehen. © Dortmund-Agentur/Gaye Suse Krome

Mit dem Satz „Am 3. Tag nach der Eröffnung schon beschmiert“ leitet eine Userin ihr Video kurz ein. Was folgt, ist eine Facebook-Diskussion, die einiges von dem beinhaltet, was eine Facebook-Diskussion auszeichnet. „Unterhaltungen“, die sich nicht mehr ums eigentliche Thema drehen, verallgemeinernde Beleidigungen, Ausführungen über Moral und Erziehung von damals und heute, Ratschläge. Beispiele:

  • „Narrenhände beschmieren Tisch und Wände. Diese Idioten sterben nicht aus. Banausen.“
  • „Dumme Blagen, wie immer.“
  • „Warum ist der (You Point, Anm. d. Red.) so leer? Das Geld hätte man auch mal in die Straßen investieren können.“
  • „Was ist dort?“
  • „Aber war das nicht klar? Wundert mich nicht.“
  • „Das wird auch noch schlimmer. Zu vermuten ist, dass es ein Drecksloch wird.“
  • „In meiner Jugend haben wir unsere Treffs nicht besprüht. Die sollten mal lieber arbeiten gehen und ihre Schule zu Ende bringen, dann sind sie ausgelastet und kommen nicht auf so Ideen.“
  • „Graffiti und Skaten gehören einfach zusammen. Hätten die Planer das von Anfang an bedacht und die Flächen zum Sprayen freigegeben, wäre das um einiges schlauer gewesen und niemand würde sinnlosen Kram draufschmieren. Aber einfarbige Flächen zu machen, war nicht die cleverste Idee.“

Eine andere Dortmunderin äußert sich eher gelassen: „Meine Güte, das ist ein Treff für Jugendliche. Es gibt Schlimmeres“, schreibt sie. Die Userin, die das Video gepostet hatte, antwortet, dass es natürlich Schlimmeres gebe. Sie fragt aber auch, worin der Sinn liege, fremdes Eigentum zu beschmieren.

Hier beginnt ein persönlicher Dialog zwischen vier Beteiligten, der das Graffito nur noch am Rande streift und sich stattdessen um Spießertum dreht. Darum, wer intellektuell ist und wer Spießer, wer Verständnis für das Sprühen hat, wer die bessere Erziehung hatte.

Es wird sicherlich nicht die letzte Diskussion zum You Point bleiben.

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